Dauerfehde um Kandahar-Wiese: Lösung bahnt sich an

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Internationales Top-Sportereignis: Zuschauer auf der Tribüne im Zielbereich der Kandahar (Archiv-Aufnahme). © SEHR/ARCHIV

Der jahrelange Konflikt um das Kandahar-Zielgelände könnte bald enden. Eine überraschend einfache Lösung liegt auf dem Tisch.

Garmisch-Partenkirchen - In einer Sekunde ist noch eine zarte Annäherung zu spüren, in der nächsten fliegen wieder Vorwürfe durch den Raum. Die Nerven sind gespannt, beim Komitee für den Ski-Weltcup wie beim betroffenen Bauer. Beide Seiten haben sich schon oft vor Gericht getroffen, wie in dieser Woche vor dem Landgericht München II – immerhin: Am Schluss schlägt das Pendel wieder in Richtung Annäherung.

Kandahar-Streit tobt seit einem Jahrzehnt

Seit rund einem Jahrzehnt tobt der Streit um den Zieleinlauf der Kandahar-Abfahrt, der auf einem Grundstück im Besitz des Landwirts liegt. Die Gemeinde Garmisch-Partenkirchen hat das Areal gepachtet und die Nutzung an das Organisationskomitee des Skiclubs, kurz OK, übertragen. Der Landwirt meint, durch die Nutzung im Winter könne er die Wiese im Sommer nicht mehr anständig bewirtschaften. Bislang drehten sich die Gerichtsverfahren darum, welche Bauten am Zieleinlauf stehen dürfen. Jetzt will der Bauer zusätzlich entschädigt werden. Und das könnte – endlich – der Schlüssel zur Einigung sein.

Auf der Wiese soll Unrat zurückgeblieben sein

Der Landwirt hatte in der Vergangenheit erfolgreich geklagt, weil das OK seit 2017 sogenannte Fliegende Bauten auf der Wiese errichtete – Buden, Zelte, Werbeaufbauten. In der Folge soll Unrat zurückgeblieben sein: „Kronkorken, Kabelbinder – das können doch Kühe nicht fressen!”, echauffiert sich der Eigentümer vor Gericht. Anders als vereinbart habe der Skiclub das Gelände nicht korrekt instand gesetzt: „Ich muss mit meinen 80 Jahren das Glump aufheben.” Zuletzt seien sogar Flächen gänzlich mit Metallplatten überdeckt worden, wodurch große Grasflächen quasi gerodet wurden.

Pacht war für den Bauern angeblich kein lohnendes Geschäft

Ein lohnendes Geschäft war die Pacht für den Bauern angeblich nicht: 800 Euro erhalte er pro Jahr aus dem Vertrag. Darum forderte er mit seiner Klage, dass das OK ihn angemessen entschädigt – konkret 26 000 Euro für die Jahre 2017 und 2018. Doch in der Verhandlung sind die beiden Jahre schnell kein Thema mehr. Unter Leitung von Richterin Alexandra Schönberger nähern sich beide Seiten einer Lösung an, die sowohl für die Vergangenheit gilt als auch für die restliche Laufzeit des Vertrags bis 2034.

Bei der Lösung geht es nur noch um die passende Summe

Bei dieser Lösung geht es dann nicht mehr um die Nutzung des Grundstücks an sich, sondern nur noch um die passende Summe. Die Vereinbarung sähe so aus: Das OK kann mit der Wiese praktisch machen, was es will, und muss sie nach dem Weltcup auch nicht wieder herrichten, denn der Bauer gibt die landwirtschaftliche Nutzung im Sommer auf. Dafür erhält er eine jährliche Summe, und zwar bezahlt für mehrere Saisons im Voraus.

So ganz überzeugt ist dieser zunächst nicht. Was ihm lieber wäre: „Pro Zuschauer einen Fünfer.” Doch da bremst ihn sein Anwalt Florian Oppenrieder ein, das wäre zu viel.

Verhandlungen dürften nicht einfach werden

Leicht werden die Verhandlungen trotz guter Vorzeichen wohl nicht, denn das Geld beim OK sitzt auch nicht locker, sagt dessen Anwalt und Mitglied Bernhard Rau: „Verdienen tun irgendwelche Leute da oben”, sagt er – und meint den Weltskiverband FIS und die Vermarkter der Werberechte. Um den Streit beizulegen, müssen nun Summen auf den Tisch. Am 18. März 2026 sehen sich beide Parteien vor Gericht wieder. Dann dürfte eine Einigung als vollstreckbares Urteil festgeschrieben werden – und auf der Kandahar-Abfahrt vielleicht tatsächlich Frieden einkehren.