Ein Video der Unterzeichnung eines Friedensabkommens in Washington sorgt derzeit für Aufruhr: Im Internet geht ein Ausschnitt der Aufzeichnung viral, in dem sowohl US-Präsident Trump und der Staatschef von Ruanda, Paul Kagame, als auch der Kongo-Präsident Félix Tshisekedi nach Unterzeichnung ihre Unterschriften dem Publikum zeigen. Doch Félix Tshisekedi wirkt beinahe verwirrt und hält zunächst nur die geschlossene Mappe in die Höhe. Erst als die anderen beiden Staatschefs ihre Dokumente wieder schließen, scheint der Kongo-Präsident die richtige Seite zu finden.
Trump: „Schaut sie euch an, sie lieben sich!“
Während Donald Trump sich nach der Unterzeichnung des Abkommens deutlich euphorisch zeigte, präsentierten sich die Staatschefs der DR Kongo und Ruanda zurückhaltend. Der US-Präsident sprach von einem „Wunder“. Er ging sogar so weit, zu erklären, die beiden Männer hätten sich hinter der Bühne umarmt und an den Händen gehalten. So soll Trump sogar gerufen haben: „Schaut sie euch an, sie lieben sich!“.
Kagame hingegen sprach angesichts der brüchigen Waffenruhe von „Höhen und Tiefen“ bei der Umsetzung der sogenannten Verträge von Washington. Tshisekedi beschrieb den Weg zur Aussöhnung als „herausfordernd“ und „eher schwierig“. Die beiden Länder hatten bereits Ende Juni nach Vermittlung der USA, Katars und der Afrikanischen Union eine Waffenruhe in Washington vereinbart. Die Kämpfe im Grenzgebiet der zentralafrikanischen Staaten sind nach wie vor nicht beendet. Beide Staatschefs vermieden während der gesamten Zeremonie Blickkontakt – auch ein Handschlag nach der Unterzeichnung blieb aus.
Langjähriger Konflikt zwischen Ruanda und der Demokratischen Republik Kongo
Seit Jahrzehnten herrschte zwischen der Demokratischen Republik Kongo und Ruanda ein Konflikt um den reichen Osten der DR Kongo. Die Geschichte dieses Konflikts reicht bis zum Völkermord in Ruanda 1994 zurück. Grund für die Auseinandersetzungen sind vor allem die vielen Bodenschätze des Kongo. Anfang des Jahres hatte sich der Konflikt verschärft, als die Miliz M 23 in den Kongo eingefallen war. Ruanda bestreitet, diese Miliz zu unterstützen. Experten der Vereinten Nationen gehen jedoch davon aus, dass die ruandische Armee eine „entscheidende“ Rolle in der Offensive gespielt habe.
Sowohl andere auswärtige Mächte als auch bewaffnete Gruppen waren zuvor an den Rohstoffen des Kongo interessiert gewesen. Schon vor der Friedenszeremonie war vermutet worden, dass mit diesem Abkommen auch wirtschaftliche Interessen der USA verknüpft sein könnten. Neben dem Friedensabkommen wurden dann schließlich bei der Unterzeichnungszeremonie in Washington auch Wirtschaftsverträge mit den USA geschlossen.