"Wir sind Europa viel näher als China": Indien startet Expedition mit Holzschiff

Indiens Marine hat ein ungewöhnliches Schiff in ihre Flotte aufgenommen: die „Kaundinya“, ein rund 20 Meter langer Holzsegler mit genähter Kokosfaser-Hülle, inspiriert von einem Schiffstyp des 5. Jahrhunderts.  

Indien-Expidition: Genähte Hülle, alte Routen

Initiator des Projekts ist der Historiker und Wirtschaftsberater des Premierministers, Sanjeev Sanyal, der die Rekonstruktion gemeinsam mit Bootsbauern in Goa auf Basis alter Texte, Münzen und Abbildungen entwickelte. Die indische Marine sieht in der „Kaundinya“ ein Symbol für die frühere maritime Stärke des Landes, als Händler aus Indien per Schiff mit dem Römischen Reich, dem Nahen Osten, Afrika sowie Süd- und Ostasien – bis nach Japan – verkehrten.

Das Schiff wurde nach traditionellen Techniken gebaut, die 16-köpfige Besatzung hat bereits die Westküste vom Bundesstaat Karnataka bis nach Gujarat befahren. Nächster Schritt ist eine rund dreiwöchige Hochseeetappe über etwa 2000 Kilometer bis nach Oman, die die historische Verbindung über das Rote Meer und den Indischen Ozean ins Bewusstsein rücken soll.

 Die „Kaundinya“ soll auf historischer Route nach Oman segeln – als schwimmendes Symbol für Indiens alte und neue Rolle als Seefahrtsnation.
Die „Kaundinya“ soll auf historischer Route nach Oman segeln – als schwimmendes Symbol für Indiens alte und neue Rolle als Seefahrtsnation. Imago Images

Selbstverständnis als Meeresnation

Für Sanyal ist das Projekt mehr als ein Experiment: Er verweist auf eine bis zu 7000 Jahre zurückreichende maritime Handelstradition, lange vor der Ankunft europäischer Entdecker. Gelingt die Fahrt nach Oman, soll die „Kaundinya“ später bis nach Bali segeln und dabei frühere Routen nachvollziehen, über die Buddhismus und Hinduismus in Asien verbreitet wurden. Die Navigation erfolgt unter weitgehend historischen Bedingungen; moderne Technik bleibt auf ein Minimum reduziert. Sanyal sieht das Projekt auch als Korrektur des Blicks auf Indiens Rolle in der Welt – archäologische Funde und alte Handelsrouten zeigten, sagt er, wir sind Europa viel näher als China“.

Fakten zu Indien

  • Bevölkerung: Indien ist seit 2023 das bevölkerungsreichste Land der Welt mit etwa 1,46 Milliarden Einwohnern (Stand Ende 2025). Die Bevölkerungsdichte beträgt rund 492 Einwohner pro km²; über 37 Prozent leben in Städten.
  • Geographie: Indien ist das siebtgrößte Land der Welt mit einer Fläche von 3,287 Millionen km². Es umfasst die Himalaya-Bergkette im Norden, die Thar-Wüste im Westen und tropische Regenwälder im Süden; die Küstenlänge beträgt circa 7500 km.
  • Wirtschaft: Indien ist 2025 die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt (nach Überholung Japans) mit einem BIP-Wachstum von circa sechs bis sieben Prozent. Starke Sektoren sind IT-Dienste, Pharmaindustrie und Landwirtschaft; es ist ein wachsender Hub für Digitalisierung und E-Commerce.
  • Politik und Verwaltung: Indien ist die größte Demokratie der Welt, eine föderale Republik mit 28 Bundesstaaten und acht Unionsterritorien. Die Hauptstadt ist Neu-Delhi; Hindi und Englisch sind Amtssprachen, insgesamt werden über 400 Sprachen gesprochen.