Offiziell ist noch nicht klar, was zu dem schrecklichen Brand mit mindestens 40 Toten und 115 Verletzten in Crans-Montana geführt hat. Berichte von Augenzeugen, Angaben der Behörden und Videos, die im Netz kursieren, zeichnen aber ein erstes Bild der Entstehung des Brandes, der sich zu einem Inferno ausweitete.
Dabei stechen vor allem drei Faktoren immer wieder hervor: Wunderkerzen, die Decke der Bar und eine enge Treppe, die das Gebäude zur tödlichen Falle machte.
Übereinstimmenden Augenzeugenberichten zufolge sollen Wunderkerzen, die in einer Champagnerflasche steckten, zu dem Unglück geführt haben. Demnach soll eine Frau auf den Schultern einer anderen eine Flasche getragen haben, in der die Wunderkerzen steckten. Diese sollen dann die Decke des Etablissements entzündet haben. Auf die Berichte angesprochen, sagte Generalstaatsanwältin Beatrice Pilloud: "Ich kann noch nichts bestätigen, die Ermittlungen laufen noch." Man wolle gründlich ermitteln, bevor man etwas verkünde.
Feuer breitet sich nach "Flashover" in Sekundenschnelle aus
Wie ein weiteres Video aus der Bar zeigt, griff das Feuer in Sekundenschnelle auf die gesamte Decke über. Am Nachmittag hatten die Behörden in der Schweiz bereits informiert, dass es infolge des Brandes zu einem "Flashover" gekommen sei. Dabei geht der Entstehungsbrand blitzartig zu einem Vollbrand über und alle brennbaren Oberflächen stehen innerhalb kürzester Zeit in Flammen. Der "Flashover" habe mehrere Explosionen zur Folge gehabt, wie das Schweizer Nachrichtenportal "20min" berichtete.
Auch Brandgutachter Markus Knorr, mit dem FOCUS online gesprochen hat, vermutet anhand der Videos und Augenzeugenberichte, dass der Brand sich in Sekundenschnelle ausgebreitet habe. Möglicherweise habe schnell brennender Kunststoff für eine enorme Hitzeentwicklung gesorgt und die Bar in nur wenigen Momenten in Rauch gehüllt. Bei Bränden wird die Sicht durch Rauch schnell behindert, so dass Fluchtwege kaum zu erkennen sind. Auch reichen nur wenige Atemzüge, um eine Rauchgasvergiftung zu bekommen.
Berichte von Augenzeugen schildern den fatalen Moment. "Die Flammen breiteten sich rasend schnell aus", so Victoria, eine Besucherin der Bar gegenüber "Blick". Die Gäste seien in Panik geraten und hätten versucht, schnellstmöglich aus der Bar zu flüchten.
Treppe war wohl einziger Ausgang - und offenbar schnell verstopft
Auf Videos des Vorfalls ist zu sehen, wie Umstehende in Panik nach Hilfe rufen. Die laut Behördenangaben einzige zugängliche Treppe der Bar hatte sich durch die flüchtenden Menschen aber verstopft. Sie war viel zu klein für eine schnelle Evakuierung der rund 200 Gäste.
"Es ist in der Tat eine enge Treppe gewesen. Wir müssen prüfen, ob alle Sicherheitsvorschriften eingehalten worden sind", so Generalstaatsanwältin Pilloud. Man prüfe bei den Ermittlungen, ob am Ausgang zu einer Verstopfung gekommen sei. Bisher könne man dazu noch nicht mehr sagen.
Auf bisher ungeprüften Videos vom Ausgang der Bar während des Unglücks, ist aber zu sehen, wie die Flüchtenden übereinander gestolpert sind, was den wohl einzigen Fluchtweg schnell versperrte. Ob es einen Notausgang gab, ist bisher unklar. Aus Schilderungen von Überlebenden geht bisher nicht hervor, dass jemand einen solchen genutzt hat, um der Flammenhölle zu entkommen.
Axel, ein Gast der Bar an diesem Abend, berichtete gegenüber dem Schweizer "Blick", dass er nur aus dem Gebäude kam, weil er zusammen mit einem anderen Gast mithilfe eines Tisches eines der Fenster eingeschlagen habe. "Ich habe zwar meine Schuhe verloren, ich habe meinen Mantel verloren, ich habe alles Materielle verloren, aber letztendlich ist das nicht das, was zählt", so Axel. "Ich lebe noch und dann beten wir für alle, die dort geblieben sind."