Rich Logis war einst Trump-Fan: "Die Idee, das System zu stürzen, reizte mich sehr"

Früher war er fanatischer Trump-Anhänger und Mitglied der MAGA-Bewegung. Mit einem eigenen Podcast und Artikeln, die er bei „Fox News“ und „The Federalist“ veröffentlichte, versuchte Rich Logis, Stimmung für die MAGA-Bewegung zu machen. 

Dafür schämt sich der 48-Jährige aus Florida heute, berichtet die "Süddeutsche Zeitung" (SZ). MAGA - die Abkürzung steht für „Make America Great Again“ - den Rücken zu kehren, sei nicht einfach gewesen. Schließlich bot Logis die Bewegung eigenen Angaben zufolge mehr als nur eine politische Haltung. 

Er beschreibt sie als eine zweite Familie – mit privaten Treffen und gemeinsamen Feiern. Die „MAGA“-Bewegung wurde dem 48-Jährigen zeitweise sogar wichtiger als seine tatsächliche Familie, sagte er der "SZ".

Ausstieg aus der MAGA-Bewegung: Der Bruch mit Trump

Umso schwerer war es für den US-Amerikaner, zu erkennen, dass er jahrelang Lügen und Verschwörungstheorien für wahr hielt. Ein Jahr lang kämpfte Logis mit sich selbst, wie er der "SZ" erzählte. Ende August 2022 trat er aus der „MAGA“-Bewegung aus.

Warum es schwierig sein kann, die MAGA-Bewegung zu verlassen, erklärte Steven Hassan dem US-Nachrichtenportal „Salon“. Hassan ist Sektenforscher und erkennt Parallelen zwischen Trump, seinen Anhängern und Sekten: Manipulation, das Ausnutzen von Ängsten sowie Sicherheitsversprechen.

Sekten-Vorwürfe gegen MAGA: Experten schlagen Alarm

Logis schlug nach seinem Austritt aus der Bewegung einen besonderen Weg ein. Er gründete „Leaving MAGA“, eine Organisation für Menschen wie ihn. Menschen, die die „MAGA“-Bewegung verlassen haben oder wenigstens mit dem Gedanken spielen. 

MAGA ist nicht nur ein Slogan, dahinter steht eine eigene Weltanschauung. Sie wird von verschiedenen Gruppen vertreten: von ehemaligen QAnon-Anhängern bis hin zu christlichen Nationalisten. 

Laut „Deutscher Welle“ (DW) gehören auch die Heritage Foundation, evangelikale Christen, Blogger und Milliardäre wie etwa der Softwareentwickler Curtis Yarvin oder Paypal-Gründer Peter Thiel zu den Menschen, die MAGA-Gedankengut vertreten.

Reaktionen in den sozialen Medien
Trump-Fans und Anhänger der Bewegung "Make America Great Again" (MAGA) dpa

Dass Logis „Leaving MAGA“ gegründet hat, dafür wird er heute von seiner „zweiten Familie“, für die er sie früher hielt, beschimpft und beleidigt. „Als ich noch dabei war, hätte ich einen Abtrünnigen wie mich wahrscheinlich auch verachtet“, sagt er der "SZ". Von seinem privaten Umfeld wurden Entschuldigungen hingegen angenommen, alten Freunden kommt er wieder näher.

Hass und Ausgrenzung nach dem Ausstieg

Aber warum erst in eine solche Bewegung eintreten? Logis war von beiden Parteien enttäuscht, als es um die Präsidentschaftswahlen im Jahr 2015/2016 ging. Trump wirkte seiner Meinung nach wie ein politischer Außenseiter. 

Auch wenn Logis nicht von allem überzeugt war, was Trump sagte, war er überzeugt, dass die Demokraten gefährlicher seien als die Republikaner. „Die Idee, das System zu stürzen, reizte mich sehr, und Trump schien dazu bereit zu sein“, so Logis.

Zudem hatte er häufig rechte Medien gesehen, gehört und gelesen. Diese hatten die Demokraten als böse dargestellt. Es ging so weit, dass der 48-Jährige glaubte, die Demokraten seien „inländische Terroristen“, sagte er der "SZ". Schaut der 48-Jährige heute auf die Medien zurück, die er zu der Zeit konsumiert hat, weiß er, dass vieles irreführend oder sogar falsch war. Ein Sender, den er sich immer wieder ansah, war „Fox News“.

Rechte Medien und Fox News: Der Weg in die Radikalisierung

Wie Adrian Daub, Professor für vergleichende Literaturwissenschaft an der Universität Stanford, im Gespräch mit dem „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (RND) erklärte, sei das Programm „stark propagandistisch“. 

„Der Kanal wurde seinerzeit mit einem Ziel ins Leben gerufen: Er sollte ein Gegengewicht für den angeblich links ausgerichteten amerikanischen Medien-Mainstream darstellen.“ Und auch David Enrich, Autor bei der „New York Times“, schreibt, dass „Fox News“ mit Fehlinformationen gespickt ist.

Erst als Logis anfing, auch andere Medien zu lesen, etwa die klassischen Tageszeitungen wie „New York Times“, „Washington Post“ oder „USA Today“, zweifelte er an der „MAGA“-Bewegung. So begann sein Ausstieg.