Crew malt russische Flagge auf: Geistertanker Bella 1 widersetzt sich US-Verfolgern

Mitten auf dem Atlantik spielt sich ein ungewöhnliches Drama ab: Der alte Öltanker Bella 1 flieht seit fast zwei Wochen vor der US-Küstenwache. In dieser angespannten Situation greift die Crew zu einem riskanten Mittel: Sie malt eine russische Flagge an die Bordwand, offenbar in der Hoffnung, sich unter den Schutz Moskaus zu stellen, so die „New York Times“.

Die Bella 1 ist Teil einer Schattenflotte für sanktioniertes Öl

Die Bella 1 ist nicht einfach ein alter Frachter. Sie gehört laut „New York Times“ zu einer „Geisterflotte“ von Tankern mit undurchsichtigen Besitzern, die sanktioniertes Öl aus Russland, Iran und Venezuela zu Abnehmern etwa in China, Kuba und Indien bringen sollen.

Die USA haben das Schiff bereits zuvor sanktioniert, weil es iranisches Öl transportiert haben soll, das zur Finanzierung von Terrororganisationen genutzt werde. Laut „Wall Street Journal“ sehen US-Behörden Verbindungen zur Quds-Brigade der iranischen Revolutionsgarden. US-Schiffe verfolgen die Bella 1 in etwa einer halben Seemeile Abstand und wären bereit, den Tanker zu entern, wenn das Weiße Haus dies anordnet. Gleichzeitig wird im US-Militär darüber diskutiert, ob sich der Einsatz überhaupt lohnt, weil das Schiff leer und alt ist.

US-Armee
Seit Monaten nehmen die USA vermeintliche Drogenschmuggler und Öltanker in internationalen Gewässern ins Visier. Petty Officer 2nd Class Triniti/U.S. Pentagon/dpa

Völkerrechtliche Grauzone: Reicht eine aufgemalte Flagge?

Rein rechtlich ist die Lage kompliziert. Laut Seerechtsübereinkommen dürfen die USA ein Schiff kontrollieren, wenn es keine gültige Flagge führt oder Täuschungspraktiken anwendet, so maritime Rechtsexperten laut „Wall Street Journal“. Nun aber trägt die Bella 1 eine russische Flagge am Rumpf. „Allein das Aufmalen einer Flagge verleiht einem Schiff nicht sofort diese Staatszugehörigkeit“, erklärte der frühere IMO-Jurist Fred Kenney.

Laut „New York Times“ versuchen die USA derzeit auf diplomatischem Weg zu klären, ob Russland den Tanker tatsächlich registriert hat – oder ob es nur ein weiterer Bluff ist.