Hunderte königliche Hoheiten, viele mit goldenen Kronen und in bunten Gewändern, haben am Dienstag ein farbenfrohes Bild in der Marktgemeinde abgegeben. Die Holzkirchner Pfarrei war vom Erzbistum München-Freising für die diözesanweite Eröffnung der Sternsingeraktion 2026 ausgewählt worden. Dazu zogen fast 300 Kinder und Jugendliche aus ganz Oberbayern vom Bahnhof kommend in die Josefskirche.
Holzkirchen – Die neunjährige Feli aus Gmund wusste schon vor dem Gottesdienst, dass die Spenden, die sie nach Neujahr zusammen mit den anderen Ministranten aus ihrer Pfarrei sammeln wird, diesmal für arme Kinder in Bangladesch bestimmt sind. Im Vorjahr brachten an die 500 Sternsinger-Gruppen aus dem Erzbistum gut drei Millionen Euro zusammen, bundesweit waren es knapp 50 Millionen. Nur wenn Leute ausdrücklich den Sternsingern zusätzlich etwas schenken wollen, dürfen diese es behalten. „Es kommt in eine eigene Sammelbüchse“, betont Feli.
Das Motto der diesjährigen Aktion stand auf einer Großleinwand über dem Altar: „Schule statt Fabrik! Sternsingen gegen Kinderarbeit“. In dem südasiatischen Land Bangladesch haben 1,8 Millionen Heranwachsende keine Schulausbildung, sondern müssen in Fabriken schuften. Dies wurde an drei Beispielen verdeutlicht.
Ein Sternsinger hielt eine Aluschüssel in Händen und sagte, dass dieser Haushaltsgegenstand hierzulande fast nichts koste, weil er für einen Hungerlohn von einem Kind angefertigt werde. Ein Mädchen zeigte eine große Tüte Süßigkeiten und erläuterte, dass Kinder die Leckereien verpacken müssten, „ohne davon naschen zu dürfen“. Und der dritte Sternsinger legte ein T-Shirt vor den Altar, das von Kindern in dem noch von Armut geprägten Land zusammengenäht werde.
In seiner Predigt zitierte Weihbischof Rupert Graf zu Stolberg aus der Weihnachtsansprache von Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier, der die Sternsingeraktion ein „starkes Zeichen von Kindern für Kinder“ genannt hatte. Die jungen Menschen folgten dem Stern von Bethlehem wie damals die Heiligen Drei Könige, so der Weihbischof. Das Licht des Sterns sei verlässliche Führung in dunkler Nacht. Die Quelle dieses Lichts gehe vom Jesuskind in der Krippe aus. „Und ihr tragt es in die Häuser“, wandte sich Stolberg an die Kinder und Jugendlichen. Durch das Sammeln von Spenden werde das Leben armer Kinder ein wenig heller.
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Der Weihbischof weihte Weihrauch und Kreide, mit der die Sternsinger den Segen „20 C+M+B 26“ an die Haustüren schreiben oder auf Folie kleben. Die drei Buchstaben stehen für das lateinische „Christus mansionem benedicat“ (Christus segne dieses Haus), werden im Volksmund aber auch als Initialen für die drei Könige Caspar, Melchior und Balthasar gedeutet.
Miriam aus der Miesbacher Pfarrei Mariä Himmelfahrt ist seit sieben Jahren um den Dreikönigstag für die vom Kindermissionswerk „Die Sternsinger“ und dem Bund der Deutschen Katholischen Jugend getragene Aktion unterwegs.
„Einmal haben Menschen an der Haustür geweint, weil sie sich so über unseren Besuch freuten“, berichtete die 15-Jährige. Auch Katharina aus Frauenneuharting (Landkreis Ebersberg) hat fast nur positive Erfahrungen beim Sternsingen gesammelt: „Wir werden immer höflich empfangen“. Nur selten gibt es Ärger. Michael aus derselben Pfarrei erzählte, dass seine Gruppe einmal mit der Bemerkung „Seht ihr nicht, dass wir gerade essen“ aus dem Haus geworfen worden sei.
Nach dem von der Gmunder Gruppe „Hakuna Matata“ musikalisch begleiteten Gottesdienst und dem gemeinsamen Mittagessen in den neuen Pfarrheim-Räumen konnten die Sternsinger im Holzkirchner Eisstadion Schlittschuhlaufen, im Fools-Kino einen Film anschauen oder aus Stoffresten Schlüsselanhänger fertigen, um zu zeigen, dass aus Altem etwas Neues entstehen kann. Die Aussendung der Sternsinger endete am Nachmittag mit einer Andacht in der Josefskirche.