Leser zur Industrie-Krise: "Das einzige, was boomt, ist der Staat"

Ökonom Lars Feld warnt vor massiven Jobverlusten und einer anhaltenden Schwäche der deutschen Wirtschaft. In der anschließenden Debatte richten viele Leser ihren Blick weniger auf globale Konjunktureffekte als auf politische Verantwortung in Berlin. Kritisiert werden Reformstau, ideologische Festlegungen und fehlende Entschlossenheit bei zentralen Weichenstellungen für Industrie, Arbeitsmarkt und Sozialsysteme.

Kritik an Politik und Regierung

Viele Leser machen die Bundesregierung und das Zusammenspiel der großen Parteien für die wirtschaftliche Schieflage verantwortlich. Sie sehen Reformstau, ideologische Fixierung und fehlenden Mut zu unpopulären Entscheidungen. Besonders häufig fällt der Vorwurf, technologieoffene Lösungen zu blockieren und Standortnachteile in Kauf zu nehmen. Die Angst vor Deindustrialisierung zieht sich durch zahlreiche Beiträge. Produktionsverlagerungen, Jobverluste und sinkende Investitionen gelten als Warnzeichen. Die Union wird kritisiert, weil sie aus Sicht vieler keine klare wirtschaftspolitische Alternative formuliert. 

"Zu spät Herr Feld, die Ignoranten haben sich durchgesetzt und setzen sich weiter durch. Völlig unnötig wurde dadurch, dass der Transformation die Technologieoffenheit vorenthalten wurde, erstens der Strategie der Chinesen in die Karten gespielt und im Inland mit den Existenzen von Zehntausenden in verantwortungsloser Weise umgegangen ..."  Zum Originalkommentar

"(...) Der kommende Wohlstandsverlust wird Deutschland mehr verändern als alles Vergleichbare. Die 150.000 verlorenen Jobs sind nur das Klingeln an der Haustür."  Zum Originalkommentar

"Merz sitzt in der Falle - alles, was er zugesagt hat, kann er wegen dieser unsäglichen SPD nicht verwirklichen. Die SPD mit ihren 12 % ist überflüssig und nur eine Bremse."  Zum Originalkommentar

Kritik an Sozial- und Rentensystem

Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf Renten- und Sozialpolitik. Leser zweifeln an der langfristigen Tragfähigkeit der Systeme und kritisieren eine aus ihrer Sicht ungerechte Lastenverteilung zwischen den Generationen. Besonders die steigenden Zuschüsse aus dem Bundeshaushalt und ausgesetzte Korrekturmechanismen stoßen auf Ablehnung. Gefordert werden strukturelle Reformen, eine breitere Finanzierungsbasis und mehr Eigenvorsorge. Gleichzeitig wächst das Misstrauen gegenüber Experten, deren Vorschläge als realitätsfern gelten. Tatsächlich belastet der demografische Wandel die Sozialkassen zunehmend. Die Kommentare zeigen, dass viele ein schlüssiges Gesamtkonzept vermissen.

"Hr. Feld, wie passt das zusammen: Sie hätten gerne CDU/CSU und Grüne in der Regierung. Fordern aber ein Heizungsgesetz- und Verbrennerverbot. Es müssen die Verwaltungskosten runter (...)  Rente und Sozialkassen: hier muss eine Reform durchgeführt werden, in der jeder (Arbeiter, Angestellte, Beamte…) einzahlen ..."  Zum Originalkommentar

"Die Boomer wollen nicht einsehen, dass sie mit ihrer Kinderlosigkeit ein riesiges Desaster angerichtet haben und halten weiter die Hand auf. Demokratisch lässt sich das gegen die Rentner-Diktatur leider nicht lösen ..."  Zum Originalkommentar

Kritik an Energie- und Umweltpolitik

Auch die Energie- und Umweltpolitik stößt auf deutliche Kritik. Leser sehen Gesetze und Verbote als Belastung für Industrie und private Haushalte. Hohe Energiepreise gelten als zentraler Standortnachteil. Viele bemängeln fehlende Technologieoffenheit und bezweifeln die Wirksamkeit nationaler Alleingänge. Klimaziele werden nicht grundsätzlich infrage gestellt, wohl aber deren Umsetzung. In der Einordnung zeigt sich ein klassischer Zielkonflikt: Transformation braucht Tempo, Wirtschaft braucht Planungssicherheit. Aus Sicht vieler Leser gelingt beides derzeit nicht.

"… dass wir höhere CO2-Preise brauchen, sagt der Experte, nun, damit ist er raus aus der Ökonomie und redet einer grünen Ideologie das Wort."  Zum Originalkommentar

"(...) Mit Umwelt-Gesetzesvorgaben machen diese Politiker die deutsche Wirtschaft kaputt und vertreiben energieintensive Unternehmen, mit ihrer kranken Energiepolitik, aus Deutschland. Finde den Fehler."  Zum Originalkommentar

"Heizungsgesetz und Verbrenner-Verbot abschaffen, aber dafür den CO2-Preis anheben!? OK, kann man machen, wird aber für einige ein böses Erwachen geben und wer kauft noch Verbrenner, wenn der Sprit weit über 2 € kostet."  Zum Originalkommentar

Kritik an Arbeitsmarkt und Beschäftigung

Stellenabbau und schwache Perspektiven auf dem Arbeitsmarkt verstärken die Sorgen. Kommentatoren berichten von schwierigen Jobwechseln, besonders für Ältere und Berufseinsteiger. Umschulungen und Transfermodelle gelten als unzureichend. Widersprüchlich wirkt für viele die Forderung nach längerer Lebensarbeitszeit bei gleichzeitig schrumpfendem Stellenangebot. Der Strukturwandel trifft vor allem industrielle Kernbranchen. Die Kommentare zeigen eine wachsende Angst vor sozialem Abstieg und dauerhafter Unsicherheit.

"Noch so ein Jahr und wir haben 4 Millionen Arbeitslose. Wer zahlt dann denn den Sozialstaat, die SPD?"  Zum Originalkommentar

"(...) Wer mit 60 oder 62 seinen Arbeitsplatz verliert, für den isch over. Und dann muss es stärkere Abzüge geben, für die, die früher in Rente gehen, wir haben ja Fachkräftemangel? Es ist immer wieder beeindruckend, was "Top-Ökonomen" in ihrer Blase leben."  Zum Originalkommentar

"Die Produktionskosten in Deutschland sind schlicht nicht mehr wettbewerbsfähig. Das ist des Pudels Kern. Weder Energiekosten noch Bürokratiekosten noch Steuern und Abgaben noch Löhne plus Nebenkosten noch Sozialtransfers noch diverses ..."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Rüstungsindustrie Boom

Ein Teil der Leser betrachtet den Aufschwung der Rüstungsindustrie kritisch. Er gilt vielen nicht als nachhaltiger Ersatz für industrielle Wertschöpfung. Kommentatoren bezweifeln, dass Rüstung breiten Wohlstand schafft, und verweisen auf hohe Staatsausgaben, Schulden und moralische Fragen. Auch Zweifel an Effizienz und Beschaffung werden laut. In der Einordnung bleibt festzuhalten, dass Rüstungsinvestitionen politisch sicherheitspolitisch begründet werden, ihre volkswirtschaftlichen Effekte jedoch begrenzt und umstritten sind. Die Skepsis zeigt, dass Wachstum allein nicht als Qualitätsmerkmal gilt.

""Einziger Lichtblick: Rüstung boomt" Privatleute können diesen Teil der Industrie nicht unterstützen und der Staat hat kein Geld. Irgendwann müssen die Schulden nämlich, mit Zinsen, zurückgezahlt werden."  Zum Originalkommentar

"Rüstungsbranche boomt. Sollen wir jetzt Waffen kaufen?"  Zum Originalkommentar

"Herr Ökonom, soll ich mir jetzt einen Panzer kaufen statt einen Golf?"  Zum Originalkommentar

Kritik an Bürokratie und Verwaltung

Ein kleineres, aber deutliches Lager sieht überbordende Bürokratie als Kernproblem. Leser kritisieren hohe Verwaltungskosten, komplexe Förderprogramme und einen aufgeblähten Staatsapparat. Subventionen gelten vielen als ineffizient und hemmend für Eigeninitiative. Tatsächlich wird Bürokratieabbau seit Jahren versprochen, bleibt aber schwierig, da Regeln oft politische Ziele absichern sollen. Die Kommentare spiegeln Frustration über einen Staat, der aus Sicht vieler mehr verwaltet als gestaltet.

"Der Witz ist ja, dass über 5 Mio. Menschen nur in der staatl. Verwaltung tätig sind, das sind gemessen am Anteil der Erwerbstätigen über 10 %, das ist Wahnsinn."  Zum Originalkommentar

"Ich bin kein Ökonom und behaupte als Laie, die Verwaltungen in Deutschland und Brüssel sind zu aufgebläht und kosten viel Geld für wenig Leistung. Auch bei den Pensionen gehört einmal genauer hingeschaut."  Zum Originalkommentar

"Das einzige, was boomt, ist der Staat und Melde-NGOs"  Zum Originalkommentar

Sonstiges

Ein Teil der Beiträge bleibt unspezifisch oder kommentiert das politische Klima insgesamt. Sie verstärken den Eindruck einer stark emotionalisierten Debatte, ohne neue Argumente einzubringen.

"Man muss in allem etwas Positives sehen. Wenigstens sehen die Menschen jetzt, dass es keinen Sinn macht und keinen Grund gibt, der Union und den Linksgrünen die Stimme zu geben."  Zum Originalkommentar

Wie bewerten Sie die Kritik an Regierung, Sozialstaat und Energiewende? Ist ein radikaler Kurswechsel nötig oder reichen punktuelle Anpassungen? Diskutieren Sie mit: Wo sehen Sie den dringendsten Handlungsbedarf für Politik und Gesellschaft in Zeiten vielfältiger Krisen?

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
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