"Ein Schlag ins Gesicht jedes Arbeitenden!": Leser zu Bürgergeld-Urteil

Ein Urteil mit Signalwirkung: Das Landessozialgericht Berlin-Brandenburg entschied, dass eine Familie trotz 450.000 Euro auf Sparbüchern Anspruch auf Bürgergeld hat, weil sie keinen Zugriff darauf hatte. In den Kommentaren spannen sich die Reaktionen von Sorge vor Sozialleistungsbetrug über Kritik an der Rechtsprechung bis hin zum grundsätzlichen Hinterfragen des Sozialstaats. Besonders kontrovers diskutieren Nutzer die Grenzen zwischen juristisch korrekter, aber gefühlt ungerechter Praxis sowie die Rolle von Gerichten. Entscheidend bleibt für viele die Frage, ob das aktuelle System Missbrauch erleichtert oder Bedürftige schützt. Zwischen Misstrauen und Zustimmung prallen hier Rechtsauslegung, familiäre Verantwortung und gesellschaftliche Gerechtigkeit aufeinander.

Kritik an Sozialstaat und Verteilung

21 Prozent der Nutzerkommentare kritisieren das Sozialstaatsprinzip und betrachten das Urteil als ein Symptom eines zu großzügigen oder unfairen Systems. Sie fühlen sich als arbeitende Bürger benachteiligt und stellen die Effektivität sowie die Verteilungsgerechtigkeit von Leistungen infrage. Viele sehen eine gesellschaftliche Schieflage, bei der Leistungsempfänger Vorteile genießen, während ehrliche Steuerzahler belastet werden. Die Debatte kreist auch um die familiäre Verantwortung und die Rolle des Staates, wobei unterstellt wird, dass Vermögen gezielt versteckt wird. Der Graben zwischen den Gruppen wird in diesen Kommentaren besonders deutlich.

"Da geh ich doch gleich viel lieber arbeiten morgen früh."  Zum Originalkommentar

"Ein Schlag in das Gesicht eines jeden Arbeitenden!"  Zum Originalkommentar

"Warum gehen solche Leute nicht arbeiten? Wenn sie den Gang zum Anwalt schaffen, dann können sie auch als Möbelpacker, Helfer oder Ähnliches arbeiten."  Zum Originalkommentar

Kritik an Rechtsprechung und Gerichten

Mit einem Anteil von 17 Prozent äußern Leser umfassende Kritik an Gerichten und der aktuellen Rechtsprechung im Sozialrecht. Viele Kommentatoren stellen in Frage, ob das Urteil gesellschaftlich gerecht ist, und fühlen sich durch die Rechtsprechung zur Seite von Bürgergeldempfängern übervorteilt. Es werden Zweifel an der Rechtsstaatlichkeit geäußert sowie Forderungen laut, Gesetze anzupassen, um Missbrauch zu verhindern. Einige bringen auch politische oder regionale Aspekte ins Spiel und sehen eine Tendenz richterlicher Entscheidungen zulasten der Allgemeinheit.

"Solange es solche Urteile gibt, zweifle ich an unserem Rechtsstaat."  Zum Originalkommentar

"Schon merkwürdig, dass solche merkwürdigen Urteile immer aus der Richtung Berlin kommen. Hhmmm. Ach ja, ich hoffe, das Finanzamt liest hier auch mal mit und geht der Sache mal nach."  Zum Originalkommentar

"Und wieder ein Gerichtsurteil, welches dieses Land langsam, aber sicher ruiniert! Gerichte stehen immer auf Seiten der bedauernswerten BG-Empfänger! Z.B. bei keinem Ukrainer werden Vermögen überprüft!"  Zum Originalkommentar

Kritik an Sozialleistungsbetrug

16 Prozent der Kommentare geben Missbrauchssorgen und Kritik am Sozialleistungsrecht wieder. Viele befürchten, das Urteil ermögliche Tricksereien und sei eine Blaupause für legalen Leistungsbezug trotz Vermögens. Es kommt der Wunsch nach strengeren Kontrollen, Darlehens-Modellen und konsequenten Rückforderungen auf. Nutzer argumentieren, das Urteil sei sowohl unfair gegenüber ehrlichen Steuerzahlern als auch ein Risiko für das langfristige Funktionieren des Sozialstaats.

"Immer wieder schön zu sehen, welche Gründe es gibt, dass Transferzahlungen bei den Empfängern nicht gekürzt, vorenthalten oder verweigert werden können, aber es gibt für die Gerichte keinen einzigen Grund dafür, dass diejenigen, die diese Gelder aufbringen müssen, diese Gelder nicht mehr leisten können oder wollen. Das hier gesprochene Urteil kann eigentlich nur zur Folge haben, dass solche Transferleistungen wie Bürgergeld im Prinzip nur noch als Darlehen ausgereicht werden dürfen. Und sobald Geld da ist, muss zurückgezahlt werden. Das funktioniert beim BaföG schließlich auch. Alles andere ist und bleibt Diebstahl an der Gesellschaft."  Zum Originalkommentar

"Die Gerichte sorgen selbst dafür, dass diese ständigen Tricksereien und Betrügereien nie aufhören. Es ist ganz leicht, das Geld wird den BG-Empfängern irgendwann gehören? Dann wird es von den Sparbüchern im Voraus abgezogen. Es darf keine Tricksereien zur Erlangung von Steuergeld geben. Bei Tricksereien zur Eintreibung von Steuergeld geht das ja meist auch früher oder später."  Zum Originalkommentar

"Eine Anleitung zum Sozialbetrug ..."  Zum Originalkommentar

Zustimmung zur gerichtlichen Vermögensdefinition

Mit acht Prozent Zustimmung würdigt dieses Lager die klare Linie des Gerichts. Befürworter unter den Lesern sehen das Urteil als rechtlich nachvollziehbar, gerecht und orientiert am Sozialstaatsprinzip. Sie begrüßen, dass nur wirklich verfügbares Vermögen berücksichtigt wird, und heben hervor, dass das Sozialrecht aktuellen Bedarf decken und keine theoretischen Ansprüche verfolgen soll. Positiv werden dabei Rechtssicherheit und die Abgrenzung vor ungerechtfertigter Sanktionierung betont.

"Das Gericht hat korrekt entschieden. Schlauer wäre, wenn der Opa sein erarbeitetes Geld einfach abhebt und für Banken und Behörden damit für niemanden nachvollziehbar verwahrt oder einfach physisch an seine Lieben verschenkt."  Zum Originalkommentar

"Das klingt ungerecht, aber wenn der Mann keinen Zugriff auf diese Gelder hatte, dann ist das Gerichtsurteil m.E. korrekt."  Zum Originalkommentar

"Da hat das Gericht ein weises Urteil gefällt. Denn diese Art Sparbuch ist ähnlich wie eine mögliche Erbschaft in der Zukunft zu betrachten. Daumen hoch für ein gerechtes Urteil."  Zum Originalkommentar

"Gut, dass der Großvater sein Geld nicht rausrücken muss! Das Urteil ist gerecht. Es ist immer noch sein Geld. Vielleicht schaut er erst mal, wer sich im Alter um ihn kümmert und für ihn da ist? Dann kann er an denjenigen ja immer noch das Sparbuch weitergeben und die anderen Sparbücher dem Tierheim oder der Tafel schenken. Oder er kann das Geld für sich einsetzen, wenn sich keiner der Familie um ihn kümmert und er ins Pflegeheim muss. Die Meinungen hier zeigen deutlich, wie selbstverständlich es für viele zu sein scheint, dass die Alten ihr erarbeitetes Geld rauszurücken haben. Nein, ihr Neider und alle, die darauf spekulieren, dem ist nicht so! Schlauer Opa!!!"  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Datenschutz und Bankpraxis

Sechs Prozent der Diskutierenden machen sich Sorgen um den Datenschutz und die Rolle der Banken. Angesichts der Weitergabe von Kontoinformationen an das Jobcenter äußern Nutzer Unverständnis und Skepsis hinsichtlich der Einhaltung von Bankgeheimnis und Datenschutzrechten. Fragen zur Kontoführung, zur technischen Machbarkeit und zu gesetzlichen Grundlagen der Meldungen werden aufgeworfen. Die Grenzziehung zwischen staatlicher Kontrolle und privater Sphäre steht im Fokus dieser Perspektive.

"Wie sieht es eigentlich aus mit dem Bankgeheimnis? Wieso gibt die Sparkasse das alles weiter?"  Zum Originalkomment

"Ich frage mich, wie der Herr seinem Sohn und Enkel überhaupt ein Konto/Sparbuch/Depot, etc. eröffnen konnte. Das geht doch schon lange nicht mehr. Meine Eltern wollten ihren Enkeln auch ein Sparbuch anlegen, das war 91 noch möglich, beim jüngsten Enkel 98 jedoch nicht mehr, da konnten es nur noch die Erziehungsberechtigten. Bestanden die Konten schon Anfang der 90er oder gibt es eine Möglichkeit, die Erziehungsberechtigten auch heute noch zu umgehen?"  Zum Originalkommentar

"Hier handelt es sich um Kontoführung für fremde Rechnung. Der Großvater führt Konten für Sohn und Enkel. Das dürfte dann das Finanzamt interessieren."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber familiärer Unterhaltspflicht

Vier Prozent der Leserschaft thematisieren die Frage nach familiärer Verantwortung. Immer wieder wird kritisch angesprochen, warum vermögende Angehörige nicht für den Unterhalt ihrer Familienmitglieder einstehen müssen – im Gegensatz zu anderen Sozialhilfebereichen. Manche ziehen Vergleiche zwischen Bundesländern und hinterfragen, ob das aktuelle Sozialrecht diese Verpflichtung ausreichend berücksichtigt. Generell dominiert die Sorge, dass staatliche Sozialleistungen zu früh eingreifen, anstatt dass die Familie Verantwortung übernimmt.

"So etwas gibt es nur in Berlin und Brandenburg. In NRW muss man bei einem Antrag auf Bürgergeld oder Pflegebeihilfe immer auch das Vermögen der direkten Verwandten angeben. Denn da Kinder für ihre Eltern und Eltern für ihre Kinder bis ab einem bestimmten Einkommen und/oder Vermögen unterhaltspflichtig sind, müssen diese dann ihre Einkommens- und Vermögensverhältnisse offenlegen. Zum Glück sind die Freibeträge (noch) so hoch, dass Normalverdiener meist nicht in die Pflicht genommen werden können."  Zum Originalkommentar

"Früher waren Eltern und Kinder gegenseitig unterstützungspflichtig. Wurde das abgeschafft?"  Zum Originalkommentar

"Für Notlagen hat der Großvater das Geld wohl nicht am Sparbuch angelegt. Für Notlagen seines Sohnes sind wir zuständig. Wie schäbig. Wenn der Sohn irgendwann das Sparbuch bekommt, soll der Staat aufrechnen mit Zins, dann bleibt auch nicht mehr viel übrig!"  Zum Originalkommentar

Sonstige Stimmen

Mit einem Anteil von 28 Prozent umfasst dieses Lager überwiegend Beiträge, die sich nicht klar einer Seite zuordnen lassen oder verschiedene Aspekte nur anreißen. Viele Nutzer spekulieren über das weitere Schicksal der Familie, werfen praktische oder humorvolle Fragen auf und bringen persönliche Erlebnisse ein. Die Diskussion dreht sich hier um allgemeine Verwunderung über das Urteil, teils Ironie über das deutsche Sozialsystem und die juristische Praxis. Auch Fragen zu Erbschaft, Steuern und Vermögensverwaltung spielen eine Rolle, bleiben aber meist ohne eine klare Positionierung zum Urteil oder zur Rechtsprechung des Artikels.

"Danke für den Tipp, damit kann Fr. Merz nochmals weniger Milliarden sparen."  Zum Originalkommentar

"Wer hat denn noch "Sparbücher"?"  Zum Originalkommentar

"Das heißt, wenn ich jemals in die Situation komme, einfach alles Geld an die Familie verschenken, richtig?"  Zum Originalkommentar

"Jawoll! Daraufhin werden nun doch noch ganz viele Bürgergeld beantragen. - Deutschland "Schildbürgerland" macht's möglich!"  Zum Originalkommentar

Die Diskussion zeigt: Das Urteil trifft einen Nerv – zwischen rechtlicher Präzision, Misstrauen gegenüber möglichen Systemlücken und grundsätzlicher Gerechtigkeit im Sozialstaat gehen die Haltungen weit auseinander. Sind unsere Regeln zu lasch, zu kompliziert oder doch angemessen gerecht? Diskutieren Sie mit: Braucht das Bürgergeld-System strengere Kontrolle oder ist die Praxis im Sinne echter Bedürftigkeit ausreichend? Ihre Meinung ist gefragt!

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
Mann hat 450.000 Euro auf dem Konto – und bekommt trotzdem Bürgergeld
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