Leser fordern: "Eigenverantwortung und angemessener Umgang mit sozialen Leistungen"

Ein Vorstoß für Eigenanteile beim Rettungswageneinsatz löst breite Diskussionen aus: Der Artikel schildert die Risiken für sozial Benachteiligte und warnt vor gesundheitlichen Folgen, wenn Menschen aus Angst vor Kosten den Notruf meiden. In den Kommentaren treffen teils gegensätzliche Meinungsbilder aufeinander: Während ein Lager massive soziale Ungerechtigkeit und eine gefährliche Zwei-Klassen-Medizin befürchtet, konzentriert sich eine weitere Perspektive auf Versäumnisse und Fehlplanungen von Politik und Verwaltung. Andere fordern mehr Eigenverantwortung oder sehen Fehlfahrten als Problem. Die Debatte kreist zwischen Gerechtigkeitsfrage, Verantwortungsverteilung und Alltagspraxis – mit spürbarer Sorge um das Gemeinwohl.

Kritik an Politik und Verwaltung

Mit 26 Prozent stellen viele Leser die politischen und administrativen Entscheidungen in den Mittelpunkt der Kritik. Sie monieren Misswirtschaft, Priorisierungsfehler und mangelnde Transparenz als Auslöser stetig wachsender finanzieller Belastungen im Gesundheitswesen. Die Kommentierenden hinterfragen, ob die Politik wirklich das Wohl der Bevölkerung im Blick hat oder eher soziale Ungleichheit begünstigt. Gefordert werden bessere Steuerung und mehr Investitionen in die soziale Infrastruktur, statt Leistungsabbau oder neue Gebühren wie im Artikel thematisiert.

"Klamme Kommunen. Grund ist, dass die Kommunen nicht sparen können. Was macht man in Zeiten von gut gefüllten Kassen? Statt das Geld zu sparen oder das Geld in die Renovierung von Schulen zu stecken, macht man Prestigeprojekte, z. B. Brücken bauen für Fahrradfahrer, aber auch sich beteiligen in aller Welt. Krasses Beispiel: Radwege in Peru bauen, damit geht man Verbindlichkeiten ein, die jedes Jahr gezahlt werden müssen, egal ob viel da ist oder nicht. Und wenn dann der Einbruch da ist (Gewerbesteuerrückgang), dann ist plötzlich kein Geld da und dann müssen Steuern erhöht werden, in Stuttgart z. B. 2024 1,2 Mrd. Einnahmen, 2025 750 Millionen. Stuttgart hat statt Schulen zu sanieren, Geld in grüne Traumprojekte gesteckt (Brücke für Radfahrer bauen). Jetzt ist nix mehr da."  Zum Originalkommentar

"Die Entwicklung wird dann in die nächste Kostenfalle geführt. Wenn es nicht mehr so viele Fahrten gibt, wird der Dienst dann irgendwann aus wirtschaftlichen Gründen eingestellt oder die vorgehaltene Bereitstellung der Ressourcen der KK in Rechnung gestellt."  Zum Originalkommentar

"Und am Ende wundert man sich, wenn durch diese Maßnahme die Kosten nicht sinken. Die Kosten einer Rettungswache bestehen fast ausschließlich aus Fixkosten. Wenn weniger Fahrten anfallen, weil weniger gerufen wird, dann werden die nötigen Fahrten halt entsprechend teurer. Die Leistung muss ja vorgehalten, die Bereitschaft bezahlt werden."  Zum Originalkommentar

Kritik an sozialer Ungleichheit

Einige Leser (19 Prozent) sorgen sich um eine Spaltung der Gesellschaft durch die im Artikel beschriebene Eigenbeteiligung beim Rettungstransport. Besonders sozial schwächere, ältere oder chronisch kranke Menschen könnten aus Angst vor einer Rechnung keine Hilfe mehr rufen. Die Kommentierenden befürchten eine Zweiklassenmedizin und sehen das solidarische Gesundheitssystem in Gefahr. Einige fordern mehr Gerechtigkeit bei der Kostenverteilung, da die finanziell Schwächeren ihrer Ansicht nach unverhältnismäßig getroffen würden.

"Ein Hoch auf die Zwei-Klassengesellschaft. Das betrifft wieder nur die gesetzlich Versicherten."  Zum Originalkommentar

"Es ist doch eine unglaubliche Sauerei, Menschen in Notsituationen, die ihren Zustand nicht selber einschätzen können und verzweifelt nach Hilfe rufen, noch vor die Wahl zu stellen, ggf. Lebensretter zu rufen oder zu sterben? Und letztlich noch dafür bezahlen zu müssen. Das kann so nicht stehen bleiben und muss sofort allergrößten Protest auslösen."  Zum Originalkommentar

"Was ich immer sehr geschätzt habe, ist unser Gesundheitssystem. Jeder hat Zugang zu einer Versorgung, unabhängig vom Alter oder sozialem Stand. Ich hoffe, das bleibt so und ich muss keine weiteren Nachrichten wie diese lesen. Es darf keine zwei Klassen in der Gesundheitsversorgung geben. Privatpatient und gesetzlich Versicherte. Die soziale Schere geht immer weiter auseinander."  Zum Originalkommentar

Kritik an Kosten und Eigenbeteiligung

16 Prozent der Leser diskutieren intensiv die im Artikel angeregte Eigenbeteiligung am Rettungsdienst. Viele lehnen diese ganz ab und warnen vor schwerwiegenden Folgen: Menschen könnten aus Angst zu spät den Notruf wählen, mit Gesundheitsrisiken bis hin zu Todesfällen. Ein Teil der Kommentierenden sieht einen moderaten Eigenanteil als Mittel gegen Fehlfahrten, fordert jedoch klare Regeln samt sozialem Ausgleich. Die Höhe der Kosten und die genaue Zuweisung werden kontrovers bewertet – nicht zuletzt im Vergleich zu anderen Ländern.

"Es scheint ein Naturgesetz zu sein. Sobald eine Eigenbeteiligung von den Bürgern, gleichgültig in welchem Bereich, diskutiert wird, werden "Worst-case-Szenarien" ausgerufen. Niemand wird z. B. bei Unfällen haften müssen, wenn er einen Notarzt ruft. Die Überlegungen einer Selbstbeteiligung müsste es nicht geben, wenn der leichtfertige Umgang mit dem Rettungswesen nicht zu einem Problem geworden wäre. Eigenverantwortung und angemessener Umgang mit sozialen Leistungen ist nun einmal Voraussetzung für deren Funktionieren. Ebenso, wie Nothilfe zu spät angefordert werden kann, führt eine Überlastung des Systems genauso zu Schäden, da die begrenzten Ressourcen häufig wegen leichtfertigem Umgang überlastet werden."  Zum Originalkommentar

"Wenn jemand wegen Schnupfen den RTW ruft, darf er gerne zahlen. Genauso wie wenn sie wegen sowas in die Notaufnahme gehen! Was sie ja tun. Wie und wer das dann entscheidet, ist natürlich eher schwierig."  Zum Originalkommentar

"Ich lebe in der Schweiz und da muss man 50 % max. 500 Franken selber zahlen. Bei mir hatte der Krankentransport über 1000 Franken gekostet, wovon ich 500 Franken selber zahlen musste. Man muss ja auch nicht wegen jedem kleinen Wehwehchen den Notarzt oder den Notdienst in Krankenhäusern belästigen."  Zum Originalkommentar

Kritik an Nutzung und Fehlfahrten

Zwölf Prozent der Beiträge befassen sich mit Fehlverhalten beim Notruf. Viele sehen in zu vielen unnötigen Rettungswageneinsätzen ein Kernproblem, das die Notfallversorgung belastet und Kosten hochtreibt – ähnlich wie es der Artikel schildert. Diskutiert werden strengere Sanktionen, mehr Aufklärung sowie effizientere Steuerung. Gleichzeitig betonen Leser die Schwierigkeit, echte Notfälle sicher zu erkennen und mahnen zu fairen Lösungen für alle Beteiligten.

"Ob die Rettungssanitäter oder der Notarzt vor Ort den Rettungswagen brauchen, entscheiden die erst vor Ort, wenn sie sich einen Überblick verschafft haben. Wie soll ein Amateur wissen, ob ich einen Rettungswagen brauche oder nicht? Es ist nicht mehr schön, wohin uns Geldnot führt... selbstverschuldete Geldnot."  Zum Originalkommentar

"Ich arbeitete als ambulante Pflegefachkraft. Dabei wurde öfter mal der Rettungsdienst gerufen. Es war Prinzip, dass man keinerlei Risiko eingeht. Fast immer erfolgte dann auch ein Transport. Aber manchmal nicht. Die Rettungskräfte konnten mit ihren Geräten vor Ort viel mehr erkennen als ich, ein Rettungstransportwagen kam automatisch mit und war sofort verfügbar. Wie soll das nun werden? Der Notfallpatient kann in der Regel nicht zustimmen. Soll dann der Pflegedienst zahlen, wenn doch kein Transport erfolgt? Der wäre dann sehr zurückhaltend. Der Rettungsarzt könnte vor Ort den RTW dann ordern, wenn er die Transportnotwendigkeit feststellt. Aber dann geht Zeit verloren."  Zum Originalkommentar

"Die Lösung ist ganz einfach, da man mit ein bisschen Erfahrung vor Ort die Spreu vom Weizen zumeist gut trennen kann. Die, die wegen Nichts die 112 wählen, bekommen halt eine Rechnung und die, die klinisch noch stabil genug sind und eigentlich mit einer Behandlung vor Ort gut versorgt gewesen wären, bringt man halt in die Notaufnahme, um Transportkosten für den Patienten zu vermeiden. Als Notarzt vor Ort gibt es genug kreative Möglichkeiten, das failsafe zu lenken und auch als Notfallsanitäter. Gruß von einem Notarzt, der 10 Einsatzjahre überblickt."  Zum Originalkommentar

Sarkasmus zu Rettungsdienstkosten

Neun Prozent der Nutzer greifen zu Sarkasmus, um ihre Unzufriedenheit mit der Gebührendiskussion zu zeigen. Sie kommentieren spitzfindig über drohende Zwei-Klassen-Versorgung und darüber, wer künftig noch Hilfe erhält – oft unter Verweis auf soziale oder politische Schieflagen. Die Beiträge spiegeln auch Frust über Bürokratie, Ausgrenzung und fehlende Fairness bei der Kostenverteilung wider, wie es der Artikel andeutet.

"Nehmen wir folgendes Szenario: An einer Landstraße erblicke ich einen verletzten Menschen. Dann habe ich zwei Möglichkeiten: A) Weiterfahren und wegen unterlassener Hilfeleistung verurteilt zu werden B) Helfen und Notarzt rufen. Falls es sich am Ende als nicht so schlimm herausstellt, muss ich mehrere hundert Euro zahlen. Wie entscheide ich mich? Richtig: Nächstes Auto anhalten und den Fahrer bitten, den Notarzt zu rufen."  Zum Originalkommentar

"So löst man wohl die Veralterung in der Gesellschaft. Danke für nichts"  Zum Originalkommentar

"Im besten Deutschland aller Zeiten ist das noch viel zu günstig. 500 Euro Minimum sollte angesetzt werden. Für uns ehem. Leistungsträger bzw. Beamte kein Problem. Der Rest interessiert mich aber auch nicht. Ich lebe gut, die anderen halt nicht."  Zum Originalkommentar

Skepsis gegenüber Rettungsdienstverfügbarkeit

Drei Prozent der Kommentierenden bringen Bedenken an, dass durch Eigenanteile und strukturelle Mängel die flächendeckende Notfallversorgung weiter erschwert werden könnte. Sie heben regionale Unterschiede hervor, berichten von langen Wartezeiten oder einem Mangel an verfügbaren Notärzten – wie im Artikel beschrieben. Viele bezweifeln, dass organisatorische Alternativen wie Beratung am Telefon im Ernstfall ausreichen.

"In Niedersachsen gibt es keine Notärzte mehr, die nach Hause kommen. Als ich bei meiner Erkrankung Luftnot bekam, habe ich einen Notarzt über Telefon in Bayern zugewiesen bekommen. Der wollte dann Bild-Telefon mit mir machen. Da sollte ich mir erst noch eine App installieren! Trotzdem hat es nicht funktioniert. Nach über einer halben Stunde hat er dann ein RTW geschickt, damit ich ins Krankenhaus komme. Der dem RTW begleitende Notarzt hat dann geschimpft, dass der RTW so spät gerufen wurde. Er meinte, es war höchste Zeit."  Zum Originalkommentar

"Das heißt jetzt, zumindest wenn man in NRW wohnt, dass man zuerst Dr. Google zu Rate zieht, um die Notwendigkeit abzuklären, einen Rettungswagen anzufordern. Ist man dann soweit sicher, ruft man die 112 an. Dann dauert es noch mindestens 15-20 Minuten, wenn man auf dem Land wohnt, bis Hilfe kommt. Ein Arzt wohnt da auch nicht gerade um die Ecke. Die Wahrscheinlichkeit, dass ein Patient inzwischen das Zeitliche segnet, ist ziemlich hoch. Zuletzt wird man dann noch wegen unterlassener Hilfeleistung verklagt."  Zum Originalkommentar

"Macht Euch nix draus, seid froh, dass ihr noch einen Rettungsdienst habt in NRW. In 26316 wurde die Notaufnahme dichtgemacht und der ärztliche Bereitschaftsdienst quasi abgeschafft, bzw. in eine 35 km entfernte Klinik verlegt. (Öffnungszeiten 20:00-21:00) Sehr viel schlimmer geht's nicht."  Zum Originalkommentar

"Hausarzt telefonisch einbeziehen? Lachhaft, denn kaum ein Arzt ist heute noch telefonisch zu erreichen."  Zum Originalkommentar

Sonstige Stimmen

15 Prozent der Kommentare lassen sich nicht eindeutig einer Debattenrichtung zuordnen oder verbinden mehrere Themen. Darunter finden sich Fragen nach Gerechtigkeit, Vorschläge zur Rettungsdienstorganisation, Kritik an Verwaltung, sarkastische Hinweise auf politische Entwicklungen und Unsicherheit über die praktische Umsetzung der im Artikel beschriebenen Gebühr.

"Mitglied bei den Rettungsdiensten werden, dann Erstattung des Eigenanteils bei Krankentransporten und/oder auch Rückholung aus dem Ausland. 120 EUR p.a., die sich lohnen können und das ganze Rettungssystem unterstützen."  Zum Originalkommentar

"Da fast 100 % ein Handy haben, könnte man vorab klären, ob der Rettungswagen benötigt wird, ferner könnte man einen VW-Bus mit Kriegsdienstverweigerern als Fahrer besetzen, die sich um Dialysefahrten kümmern, statt der teuren Taxifahrten."  Zum Originalkommentar

Wie stehen Sie zur Eigenbeteiligung beim Rettungsdienst: Wichtige Bremse gegen Fehlverhalten oder gefährliche Hürde für die Schwächsten? Teilen Sie Ihre Sicht und diskutieren Sie mit!

Hinweis: Die in diesem Artikel zitierten Kommentare geben ausschließlich die Meinungen unserer Leser wieder und wurden inhaltlich nicht verändert. Die Analyse, Auswertung und thematische Gruppierung der Kommentare erfolgt automatisiert mithilfe Künstlicher Intelligenz.
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