„Habe mir Vertrag nicht richtig durchgelesen“: Jetzt muss Oberbayer von kleiner Rente hohe Zinsen bezahlen

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Von seiner kleinen Rente muss Rudi T. (Name geändert) einen Kredit mit hohen Zinsen abbezahlen. © Jens Kalaene

Rudi T. hat sein Leben lang gearbeitet, an sechs Tagen pro Woche fing er um 4.30 Uhr an. Im Alter fällt ihm nun vor die Füße, dass er unüberlegt einen Kreditvertrag unterschrieb.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit der Aktion „Leser helfen helfen“ unterstützen die Redaktionen von Tölzer Kurier und Isar-Loisachbote/Geretsrieder Merkur Menschen im Landkreis, die unverschuldet in Not geraten sind. Es sind dabei nicht immer die großen Schicksalsschläge, die einen Menschen in finanzielle Schwierigkeiten bringen. Manchmal ist es nur ein kurzer Moment der Unachtsamkeit mit langfristigen Folgen.

In Kreditfalle getappt

„Ich habe einen Fehler gemacht und mir den Vertrag nicht richtig durchgelesen“, sagt Rudi T. (Name geändert), der im Landkreis lebt. Mit seiner Unterschrift tappte er in die Falle eines offensichtlich unseriösen Kreditangebots mit horrenden Zinsen. Die Ratenzahlungen, die er bis heute monatlich leisten muss, fehlen ihm schmerzlich, um mit seiner kleinen Rente den Lebensunterhalt zu bestreiten.

Auf diese Spendenkonten können Leser einzahlen, um unschuldig in Not geratenen Menschen im Landkreis zu unterstützen.
Auf diese Spendenkonten können Leser einzahlen, um unschuldig in Not geratenen Menschen im Landkreis zu unterstützen. © MM

Er habe damals kurzfristig Geld benötigt, erzählt der 69-Jährige. „Das Auto meiner Lebensgefährtin war kaputt, sie brauchte ein neues.“ 5000 Euro umfasste das Darlehen. Die 160 Euro, die T. nun monatlich abstottert, lassen nach seiner Darstellung die Schuldenlast aber nur äußerst langsam schrumpfen. Das meiste gehe für Zinsen drauf. „Später habe ich in der Zeitung gelesen, dass mehrere Leute sich über den Anbieter beschwert haben.“ Zu spät. „Ich werde wohl mein Leben lang abbezahlen müssen.“ Die langjährige Lebensgefährtin ist mittlerweile mitsamt dem Auto weg. „Wir sind im Guten auseinandergegangen.“

Von der kleinen Rente bleibt kaum etwas

Die Ratenzahlungen reißen ein empfindliches Loch ins Budget von Rudi T. Von seiner kleinen Rente bleiben ihm nach Abzug der Fixkosten nur 400 Euro. Dabei hat er ein Leben lang gearbeitet. Die meiste Zeit war der gelernte Dachdecker und Zimmerer in der Gebäudereinigung tätig, putzte zum Beispiel die Fenster am Münchner Rathaus und am Nationalmuseum. Sechs Tage die Woche, auch Samstag und Sonntag, war T. im Einsatz. Dienstbeginn war für gewöhnlich um 4.30 Uhr. „Damals habe ich gut verdient“, sagt Rudi T., aber auch: „Finanziell ist es sich ganz knapp ausgegangen.“ Sein Antrieb sei immer gewesen, seine Lebensgefährtin und deren zwei Kinder zu versorgen.

Bis er 68 Jahre alt war, jobbte T. auch als Rentner weiter. Doch dann erlitt er beim Arbeiten einen Schwächeanfall und musste ins Krankenhaus. „Eine Zeitlang habe ich einen Gehwagen gebraucht“, sagt er. Er erholte sich nur langsam, ging auf Kur, verzichtet seither vollständig auf Alkohol. „Früher habe ich morgens mit einer Weinschorle angefangen“, sagt er. Der Alkohol habe ihn beruhigt. Heute denkt Rudi T. schon wieder darüber nach, ob er in näherer Zukunft einen Minijob aufnehmen könnte.

Gang zur Tafel war anfangs peinlich

Im Moment ist das Geld so knapp, dass T. sich Lebensmittel bei der Tafel holen muss. „Am Anfang war mir das peinlich. Ich habe mir gesagt: Du hast es ja weit gebracht.“ Trotzdem hat er sich einen Grundoptimismus erhalten. „Wenn ich mir andere Leute in meinem Alter anschaue, dann gibt es viele, denen es schlechter geht“, findet er. Nur wenn besondere Ausgaben anstehen, dann weiß Rudi T. nicht, wie er sie stemmen soll. Jetzt braucht er zum Beispiel eine Brille. Auf einem Auge sieht er seit Geburt kaum etwas, nun wird auch das andere immer schlechter.

Eigene kleine Wünsche hat er in den vergangenen Jahren hintangestellt. Rudi T. freut sich aufs Frühjahr, wenn er wieder mehr im Park spazieren gehen kann. Dann möchte er auch sein altes Mountainbike wieder herrichten. Und vielleicht, wenn das Geld für eine Fahrkarte reicht, nach Langem wieder einmal seinen Bruder im Norden von München besuchen.