Die bald 800 Jahre alte Stadtmauerjahr in Schongau ist einzigartig. 2026 gibt es das ganze Jahr über ein Festprogramm.
Schongau - Ein mittelalterliches Programm am ersten Ferienwochenende 2026 zeitgleich mit dem Auftakt des zweiten Schongauer Mittelaltermarkts in der Altstadt: Das war die Idee von Standortförderer Jürgen Erhard und Maximilian Geiger, Leiter der Tourist-Information Schongau.
Daraus wird, aus mehrerlei Gründen, nichts. Zum einen fehlt bei beiden ganz klar die notwendige Zeit für die Vorbereitung. Erhards Stelle bei der Stadt umfasst derzeit gerade einmal 4,5 Stunden pro Woche. Und weil so viele Überstunden aufgelaufen sind, arbeitet er in den kommenden Monaten eigentlich nicht, oder alles rein ehrenamtlich.
Auch Geiger hat nur einen Bruchteil der Arbeitszeit zur Verfügung, die man für die Planung so groß angelegter Festtage mit Umzug, einem Schauarbeiten von Handwerkern, Musik und Tanz benötigt. Vom Budget einmal ganz zu schweigen. Noch ist der Haushalt für das Jahr 2026 nicht beschlossen, aber von der Wunschliste Erhards für die Standortförderung insgesamt sei nur rund ein Siebtel übriggeblieben, schätzt er. Das gehe derzeit allen Abteilungen so.
Und es gibt noch einen weiteren Grund, warum die Ursprungsidee, gemeinsam mit Bürgern, Schülern und Mittelalterfans Feierlichkeiten auf die Beine zu stellen, so nicht weiterverfolgt wird: Der extrem erfolgreiche erste Lauf des Schongauer Mittelaltermarkts. Dieser war heuer erstmals nach vielen Jahren wieder in die Mauern der Altstadt zurückgekehrt und hatte von allen Seiten positive Resonanz bekommen, was auch der Marktleitung rund um Tobias Fuhrmann, Max Diegruber und Herbert Zimmert zu verdanken ist.
Um nun aber einen mittelalterlichen Handwerkermarkt aufbauen zu können, wie ihn sich Erhard und Geiger vorgestellt hatten, müsste das Team vom Mittelaltermarkt zusammenrücken. Dabei wollen diese sich aber eher ausbreiten, planen schon mit einer weiteren Bühne und zusätzlichen gastronomischen Angeboten. „Deshalb sind wir weg von einem Stadtmauerfest und fokussieren uns lieber darauf, was wir umsetzen können“, so Geiger. „Wir müssen manches neu denken, ehrenamtlich ist das nicht leistbar“, so auch Erhard.
Vortrag über Mittelalter-Mode
Das, was sich nun vorsichtig abzeichnet, kann sich aber sehen lassen. Aus der geplanten dreitägigen Stadtmauerfeier wird quasi gleich ein ganzes Stadtmauerjahr. Geplant ist eine Vortragsreihe über das ganze Jahr 2026 hinweg als Sonderaktion der Volkshochschule – ganz unabhängig vom eigentlichen Fortbildungsprogramm.
„Wir wollen die Stadtmauer selbst und das Leben darin beleuchten“, so Erhard. Es gebe viele spannende Perspektiven. Derzeit sei man in terminlicher Absprache mit namhaften Professoren und Doktoren der Universität Augsburg, die Vorträge zu verschiedenen Themen und Aspekten halten sollen. Mit dem renommierten Burgenforscher Joachim Zeune, der schon im Auftrag der Stadt Schongau die Stadtmauer untersuchte, sei ebenfalls bereits gesprochen worden, so Geiger.
Und auch Erhard, der selbst an der Uni Augsburg promovierte und seit einiger Zeit auch Kreisheimatpfleger im Landkreis ist, will einen Vortrag halten. Er widmet sich dem Thema „Mode im Mittelalter“ und will diese auch von Models vorführen lassen – „die wissen aber noch gar nichts von ihrem Glück“, scherzt er. In dem Thema stecke einiges, auch wenn die Quellenlage sehr dürftig sei. Die Zeitspanne vom Jahr 800 bis 1500 nach Christus umfasst immerhin 700 Jahre. „Da ändert sich modisch vieles, aber auch eigentlich gar nichts“, deutet er an.
Der Vortrag über „Mode im Mittelalter“ von Jürgen Erhard soll im Frühjahr der Auftakt sein für das Schongauer Stadtmauerjahr, etwa einmal monatlich soll eine Veranstaltung angeboten werden. Die Vorträge könnten noch ergänzt werden mit weiteren Programmpunkten.
Die ursprüngliche Idee, dass Schüler der Musikschule Pfaffenwinkel mit kleinen Auftritten die Besucher eines Stadtmauerfestes erfreuen, lasse sich nun aber leider nicht umsetzen. Den Organisatoren schwebt aber ein Konzert mit mittelalterlicher Musik in der Kirche St. Anna vor. Es gibt bereits Kontakt zu einer Gruppe Sänger, konkret ist da aber noch nichts.