Anlässlich ihrer Bundesvertreterversammlung hat der Chef der Deutschen Rentenversicherung (DRV), Alexander Gunkel, ein Jahresfazit zum Zustand seiner Kasse gezogen. Er betonte die gute Finanzierung der Rentenversicherung, wies aber auch auf Nachhaltigkeitslücken hin – insbesondere im aktuellen Rentenpaket. Seine wichtigsten Punkte:
1. Der Beitragssatz steigt 2028 auf 19,8 Prozent
Im Jahr 2028 wird der neue Beitragssatz laut Rentenversicherung bei 19,8 Prozent liegen. Gunkel merkte an, dass das Rentenpaket keine erneute Begrenzung des Beitragssatzes vorsehe. „Das halten wir für dringend erforderlich.“
2. Chef der Rentenversicherung kritisiert Rentenpaket
Die Verlängerung der Haltelinie des Rentenniveaus führe zu dauerhaft höheren Rentenausgaben.
Die zusätzlichen finanziellen Aufwendungen lägen im Jahr 2032 bei knapp 12 Milliarden Euro. Diese zusätzlichen Ausgaben sollen der Rentenversicherung nach dem Gesetz vom Bund
erstattet werden. Gunkel zweifelt daran: „Es wird sich zeigen, ob der Bund diesmal seine Finanzierungszusagen hält.“ Denn an anderer Stelle sehe das Rentenpaket vor, den Mechanismus, nach dem bei einem Beitragssatzanstieg auch die Bundeszuschüsse steigen, auszusetzen. „Diese Sonderregelung kritisieren wir“, sagte Gunkel und führte weiter aus: „Der Bund nimmt damit eine rein fiskalisch motivierte Lastenverschiebung zu Lasten der Beitragszahlenden vor.“
3. Finanzierung der Zusatzrenten bleibt umstritten
Die Rentenversicherung begrüßt die Finanzierung der geplanten Mütterrente III durch den Bund. „Konsequent wäre es aber, wenn der Bund künftig auch für die Kosten aller anderen Rentenleistungen für Kindererziehungszeiten aufkommt, für die er bisher keine Beiträge gezahlt hat,“ so Gunkel. Das betreffe vor allem die Mütterrenten I und
II. „Es gibt keine Rechtfertigung, dass für diese Mütterrenten – anders als für die
Mütterrente III – im Wesentlichen weiter die Beitragszahlenden aufkommen sollen.“
4. Gute Nachricht für Rentner
Rentner gewinnen 2026 spürbar an Kaufkraft. Die für 2026 erwartete Rentensteigerung von 3,73 Prozent liegt über der derzeit prognostizierten Inflationsrate in Höhe von 2,1 Prozent. „Damit gewinnen die Renten real – also inflationsbereinigt – auch im kommenden Jahr spürbar an Kaufkraft“, so Gunkel.
5. Die Beitragseinahmen der Rentenversicherung steigen leicht an
Die Beitragseinnahmen der DRV werden sich nach aktueller Schätzung 2025 auf rund 321 Milliarden Euro belaufen. Der Anteil der Pflichtbeiträge aus Erwerbstätigkeit wird im Vergleich zum Vorjahr leicht steigen. Der Zuwachs resultiere allerdings überwiegend aus gestiegenen Löhnen, so Gunkel. Die Zahl der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten bleibe stabil.
6. Ausgaben übersteigen Einnahmen um vier Milliarden Euro
Die Ausgaben der Rentenversicherung werden 2025 die Einnahmen um voraussichtlich vier Milliarden Euro übersteigen, kündigte Gunkel an. Der erwartete Fehlbetrag werde durch die Nachhaltigkeitsrücklage ausgeglichen. Sie fällt damit erstmals seit 2011 unter die obere Grenze von 1,5 Monatsausgaben - ist also für dieses Jahr noch stabil. „In den kommenden Jahren wird sie aber planmäßig bis auf die neue Untergrenze von 0,3 Monatsausgaben abschmelzen und der Beitragssatz dann steigen“, erklärte Gunkel.
7. Die Rentenversicherung ist stabil
Die Rentenversicherung finanziere sich nach wie vor hauptsächlich aus Rentenbeiträgen, betonte Gunkel. Die Bundeszuschüsse machen demnach lediglich ein Viertel des Budgets seiner Behörde aus.
„Entgegen der öffentlichen Wahrnehmung ist die Abhängigkeit der Gesamteinnahmen der Rentenversicherung von den Bundeszuschüssen in der Vergangenheit auch nicht kontinuierlich gestiegen“, betonte Gunkel laut Meldung der DRV. Vielmehr sei der Anteil der Bundeszuschüsse gemessen an den Einnahmen der Rentenversicherung seit Anfang des Jahrtausends weitgehend stabil. Allerdings zeigen Zahlen aus seinem Haus ebenfalls, dass der Bundeszuschuss in diesem Jahr von 87,8 Milliarden Euro auf 93,2 Milliarden Euro steigen wird.
Fazit: Was bedeutet das für Sie?
Die Rente ist sicher - aktuell und auch noch in den kommenden Jahren. Die Defizite werden auf Beitragszahler und Steuerzahler umgewälzt. Das heißt Beitragszahler zahlen mehr und von den Steuergeldern fließt ein größerer Teil in die Rente statt in andere Projekte, wie Infrastruktur oder Bildung. Die Rentenkasse muss viele Reformen ausführen, hinter denen die Behörde selbst nicht komplett steht. Wie es nach 2030 mit der Rente weitergeht hängt stark von der Bundesregierung ab.