Das Schongauer Stadtmuseum zeigt rund 20 verschiedene Krippen bis Januar 2026. Eine Tuffsteinkrippe entstand über 20 Jahre hinweg.
Eigentlich haben die Krippen fast immer das gleiche Motiv, nämlich die Geburt des Jesuskindes. Doch die einzelnen Ausführungen und ihre Figuren sind mannigfaltig: Mal sind sie winzige Millimeter klein bis hin zu stattlichen Dezimetern. Mal aus Papier, Ton, Wachs oder Holz – geschnitzt, gezeichnet, gebrannt, bemalt oder mit Stoff kaschiert. Und so ist es den engagierten Mitgliedern des Historischen Vereins gelungen, mit ihrer Sammlung privater Krippen eine abwechslungsreiche Ausstellung im Stadtmuseum zu präsentieren.
Wachsfiguren über 100 Jahre alt
Bei der Eröffnung am Sonntag erfuhren die zahlreichen Gäste, darunter auch Bürgermeister Falk Sluyterman, viel Interessantes über die einzelnen Weihnachtskrippen, die als Erbstück, Geschenk oder geliebte Anschaffung der Besitzer normalerweise zu Hause unter dem Christbaum aufgestellt und in den kommenden Wochen der breiten Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden. Stefan Konrad und Franz Grundner, Vorsitzende des Historischen Vereins und der Arbeitsgemeinschaft Stadtmuseum, freuten sich bei ihrer Begrüßung über die große Resonanz. Zuletzt hatte es eine vergleichbare Ausstellung in Schongau vor über zehn Jahren gegeben. Unter den rund 20 verschiedenen aktuellen Exponaten zeigte beispielsweise Rainer Engler seine Naturkrippe, bei der sich auf einem riesigen Diorama neben den Heiligen Drei Königen in prachtvollen Kleidern mehr als ein Dutzend Figuren aus Wachs, teilweise über 100 Jahre alt, um das Jesuskind in einer Walnussschale versammeln. Gleich daneben stößt man auf eine sogenannte „Santons“-Krippe aus der Provence mit kleinen handgefertigten Tonfiguren. Wilfried Funke erklärte dazu, dass hier typischerweise nicht nur die religiösen Figuren Bestandteil sind, sondern auch profane Volksfiguren wie Handwerker und Dorfbewohner. Sogar eine Lavendelverkäuferin ist mit dabei.
Vor fünf Jahren hab es eine Krippen-Ausstellung in der Heiliggeist-Kirche.
Weitere sehenswerte Ausstellungsstücke mit unterschiedlichen Krippentechniken haben auch die Schongauer Bettina Buresch, Marianne Porsche-Rohrer, Christine Fremmer oder Werner Zöpf beigesteuert. Die älteste Krippe stammt bereits aus dem 18. Jahrhundert. Auf besonderes Interesse stießen aber vor allem mehrere sehenswerte Schaustücke des Krippenbauers Markus Horner aus Rottenbuch, der bei der Ausstellungseröffnung ebenfalls anwesend war. Er zeigte stolz seine heimatliche Tuffsteinkrippe, an der er mit Liebe zum Detail insgesamt über 20 Jahre (mit Unterbrechungen) gearbeitet hatte. Staunen konnte man des Weiteren auch über eine Laternenkrippe, bei der Maria und Josef mit dem Jesuskind im Stall komplett in eine Metalllaterne eingebaut worden waren. Knapp 100 Arbeitsstunden hat der Künstler dafür aufgebracht. Eine andere Krippe mit Figuren aus dem Grödnertal ist in einer halbierten Schublade zu sehen, eingefasst von Horner in einem alten Bilderrahmen.
Lebendig wurde die Stadtgeschichte bei einem Besuch im Depot.
Im Gegensatz zu diesen detailreichen Krippendarstellungen waren bei Schnitzer Karl-Heinz Stoll aus Bad Bayersoien die einzigartigen Figuren das Wesentliche. Mit über 30 Zentimeter Größe, geschnitzt aus dem Holz der amerikanischen Weymouthkiefer, waren sie in ihrem warmen, bronzenen Farbton ein wahrer Blickfang. Noch größer war nur die 1,80 Meter hohe Sternkrippe, die er aus dem Stück einer Lindenbohle geschnitzt hatte und ebenfalls als Leihgabe dem Museum zur Verfügung gestellt hat.
Krippen sind bis zum 18. Januar zu sehen
Das alles und noch viel mehr Werke von weiteren Künstlern aus Garmisch und Schwangau gibt es bis zum 18. Januar 2026 im Schongauer Stadtmuseum zu sehen. Geöffnet ist immer mittwochs, samstags und sonntags und auch am zweiten Weihnachtsfeiertag. Die Sonderausstellung lädt Jung und Alt dazu ein, die künstlerische Vielfalt der Krippen zu entdecken und wertzuschätzen. Gleichzeitig möchten die Organisatoren „das Verständnis für Bräuche über Generationen hinweg vertiefen“.
Dank dem ehemaligen Kreisheimatpfleger Helmut Schmidbauer: 50 Jahre nach dem Raub kehrten Henkersschwert und gestohlene Waffen wieder zurück ins Stadtmuseum.