Die Papierfabrik am Lech und eine Dampflok als Datierungshilfe: Lebhafte Diskussionen entstanden bei einer besonderen Führung, die das Schongauer Stadtmuseum angeboten hat.
Schongau – Groß war das Interesse an der Sonderführung im Schongauer Stadtmuseum: Zu sehen waren dort Schätze aus dem Depot – wie etwa einige Schongauer Stadtansichten von Johann Baptist Erhard, der bis zu seinem Tod im Jahr 1922 in Schongau als „Dekorationsmaler“ tätig war. Kunsthistorisch sind seine Arbeiten vielleicht weniger bemerkenswert, aber stadtgeschichtlich haben sie einiges zu bieten, wie Helmut Schmidbauer vom Vorstand des Historischen Vereins zu berichten weiß.
Noch mehr aktuelle Nachrichten aus der Region rund um Schongau finden Sie auf Merkur.de/Schongau.
Tatsächlich wurde die Papierfabrik oder vielmehr zunächst eine Produktionsstätte für Holzschliff, den man für Papier brauchte, 1887 gegründet. Fast zur gleichen Zeit kam die Eisenbahn nach Schongau, die für den Holztransport nötig war.
Demnach ist Erhards Gemälde, auf dem Lok und Fabrik zu erkennen sind, wohl um 1890 herum entstanden. Gut zu erkennen ist die noch geschlossene Stadtmauer.
In einer Nacht-und-Nebel-Aktion
Ein Stück davon sollte einem Biergarten am Kasselturm weichen, wie ein weiteres Gemälde zeigt, und wurde deshalb in einer Nacht-und-Nebel-Aktion abgebrochen. Übrig geblieben sind davon die schönen alten Bäume, die heute noch auf dem so genannten „Belvedere“ stehen.
Unterhaltsam und zugleich höchst informativ sind die Geschichten, die die Exponate erzählen können, wenn ein Kenner wie Schmidbauer sie präsentiert. „Seit fast 20 Jahren betreiben wir das Stadtmuseum ehrenamtlich“, erklärt der ehemalige Deutschlehrer und Kreisheimatpfleger. „Wir“ sind in diesem Fall die Mitglieder des Historischen Vereins, derzeit rund 30 Personen, Nachwuchs ist gern gesehen.
Alle News und Geschichten sind auch auf der Facebook-Seite der Schongauer Nachrichten zu finden.
Zu Schmidbauers Aufgaben gehört auch das Aufspüren von Neuerwerbungen – vorzugsweise im Internet bei britischen Auktionshäusern, „denn dort finden sie bayerische Geschichte“.
Geschichte vermitteln sei die Hauptaufgabe
Rund 600 Stücke gibt es in der ständigen Ausstellung zu sehen, weitere etwa 2000 Exponate werden im Depot verwahrt. Dort gibt es zum Abschluss der Führung eine Überraschung: Italienische Wandmalerei aus dem frühen 17. Jahrhundert, gefunden und gerettet in einem alten Gasthaus am Marienplatz, das in den 1980er-Jahren einem Neubau weichen sollte. „Wir bewahren dieses und andere wertvolle Zeugnisse unserer Geschichte hier auf, aber wichtigste Aufgabe eines Museums ist es, Geschichte zu zeigen“, so Schmidbauer.
Die Heimatzeitungen im Landkreis Weilheim-Schongau sind unter „merkur_wm_sog“ auf Instagram vertreten.
ELEONORE FÄHLING