Brücken bauen zwischen Deutschland und Israel, zwischen Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft – darum geht es bei der Kooperation der Stadt Landsberg mit dem jüdischen Holocaustmuseum „Ghetto Fighters‘ House“.
Landsberg – Gut ein Jahr ist es her, dass Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl und Yigal Cohen, Direktor des Ghetto Fighters‘ House Museum im Norden Israels, eine Kooperationsvereinbarung unterzeichneten. Was bisher geschehen und was für die Zukunft geplant ist, war Thema einer Pressekonferenz im Vorfeld des diesjährigen Liberation Concert.
„Jugend trifft Geschichte“ in Landsberg: Jugendliche aus Deutschland und Israel gestalten gemeinsam
Das Konzert (siehe Seite 10) als Teil des Projekts „Jugend trifft Geschichte“ wurde erstmals maßgeblich von Jugendlichen aus beiden Ländern gestaltet. Nach getrennten Proben trafen am 20. November die Gäste aus der Musikschule des Landkreises Mateh Asher in Landsberg ein. Die 13- bis 18-Jährigen wurden in Gastfamilien untergebracht. Ein gemeinsames Probenwochenende, zahlreiche Gespräche, Exkursionen und vor allem der enge Kontakt zu den Gastfamilien haben schon in kurzer Zeit Freundschaften und Vertrauen wachsen lassen. „Was da entstanden ist, ist ganz zauberhaft“, berichtete die Landsberger Kulturamtsleiterin Claudia Weißbrodt bei der Pressekonferenz im Herkomersaal des Historischen Rathauses.
Zwei Workshops im Rahmen des Jugendprojekts beschäftigten sich mit Geschichtsforschung und der journalistischen Vermittlung der gewonnenen Erkenntnisse. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer recherchierten in der Videothek des United States Holocaust Memorial Museum in Washington und diskutierten via Zoom mit Noam Rachmilevitch, dem Archivar des Ghetto Fighters‘ House Museum.
Fragen, die in die Gegenwart führen: History Detectives und Young Journalists
Fachlich betreut und begleitet wurden die „History Detectives“ und „Young Journalists“ von der Journalistin Karla Schönebeck, die sich beeindruckt zeigte vom Engagement der Jugendlichen und von den Fragen, die sie stellten. „Es sind Fragen, die in die Gegenwart führen.“
All dies ist der Auftakt zu zahlreichen weiteren Aktivitäten, wie Mudeumsdirektor Yigal Cohen betonte. In den kommenden beiden Jahren sind gemeinsame Seminare mit Lehrern aus beiden Ländern geplant. Denn, so Cohen, Bildung ist der Schlüssel zum Verständnis von Geschichte, dem Umgang mit der Gegenwart und der Gestaltung der Zukunft, gerade angesichts von erneut aufflammendem Rassismus, Antisemitismus und Islamophobie. Lehrerinnen und Lehrer als Multiplikatoren spielten hier eine Schlüsselrolle.
Landsberg dürfe im Umgang mit seiner Geschichte und bei der Erinnerungskultur nicht stehenbleiben, forderte auch Oberbürgermeisterin Doris Baumgartl – gerade angesichts der Tatsache, dass die Zeitzeugen verschwinden. Wie Yigal Cohen sprach sie von einem Kreis, der sich schließe, und Brücken zwischen Israel und Deutschland, die es zu bauen gelte. „Wir werden sie für unser beider demokratische Zukunft brauchen.“
Unterdessen wurde die von Karla Schönebeck kuratierte Ausstellung zum Liberation Concert („Menschlichkeit. Würde. Hoffnung.“) von Mitarbeitern des Ghetto Fighters House Museum erweitert. Die Ausstellung erzählt nun auch von der Entstehung und Entwicklung des Kibbuz Lohamei Hagetaot, dessen Ursprünge nach Landsberg zurückreichen.
Die Ausstellung ist bis 21. Dezember täglich von 9 bis 17 Uhr im Foyer des Historischen Rathauses zu sehen.
Mit dem Kreisbote-Newsletter täglich zum Feierabend oder mit der neuen „Kreisbote“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert.