Liberation Concert Landsberg: Erinnerung in die Zukunft tragen

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Eine Bühne voller Jugendlicher: Jugendkammerorchester, Projekttheatergruppe, Großer Chor und Mateh Asher Big Band beim LIberation Concert in Landsberg. © Saskia Pavek

Gegensätze: In Gießen wird die Jugendorganisation der als rechtsextrem eingestuften AfD gegründet. In Landsberg feiern Jugendliche 80 Jahre Liberation Concert: das Erinnern an das Befreiungskonzert von KZ-Überlebenden in St. Ottilien – aber vor allem ein Projekt, das Hoffnung für die Zukunft macht.

Landsberg – „Es ist ein Blickwechsel“, sagt OBin Doris Baumgartl beim Festakt, der dem Liberation Concert am Sonntag vorgeschaltet ist: „ein Blickwechsel auf die Überlebenden.“ Denn so, „der überlebende Rest“, nannte sich das Orchester, das am 27. Mai 1945 in St. Ottilien das Befreiungskonzert spielte – eine eigene Identität, wie Historiker Abraham J. Peck in seiner Rede konstatierte. Peck ist gebürtiger Landsberger: Er kam 1946 im Landsberger DP-Lager in der Saarburgkaserne zur Welt und lebte vier Jahre in der Lechstadt. Heute besucht er die Stadt regelmäßig – auch, weil er Sonia Schätz im Rahmen der Dauerausstellung des Stadtmuseums unterstützt. Und weil er die Initiatorin des Liberation Concerts Karla Schönebeck bei diesem Projekt unterstützt.

80 Jahre Liberation Concert Landsberg: Jugendliche, die Erinnerung für die Zukunft gestalten

Beim Festakt dabei sind auch die stellvertretende Generalkonsulin Silvia Berladski sowie, zum ersten Mal in der Geschichte des Liberation Concerts, der polnische Generalkonsul Rafal Wolski. Mit dabei ist die Präsidentin des Internationalen Auschwitz-Komitees Eva Umlauf, Schirmherrin des Projekts, Yigal Cohen, Direktor des Ghetto Fighters‘ House, dem weltweit ersten Holocaust-Museum. Ebenso dabei: Ludwig Spaenle, Karl Freller, Alex Dorow, Gabriele Triebel. Und natürlich der jetzt 97-jährige Zeitzeuge Abba Naor sowie Zeitzeugennachfahrin Dr. Hannah Rosenbaum: Menschen, die sich als ‚Liberation-Concert-Familie‘ sehen, wie Schönebeck sagt. Ein Bild, das OBin Baumgartl mit anderen Worten formuliert: Das Bewusstsein für eine gemeinsame Geschichte ist essenziell für eine gemeinsame Zukunft.“

Um diese Zukunft geht es den Hauptakteuren des Projekts: den Jugendlichen Muszierenden und Schauspielenden, die selbstständig ein umfangreiches Konzertprogramm auf die Beine gestellt haben. Dazu gehören Jugendliche des Jugendkammerorchesters der Musikschule Landsberg, des Projekttheaters und des Großen Chors des IKGs. Und Jugendliche der Mateh Asher Big Band aus dem Norden Israels. Die Leiter der Formationen, Birgit Abe von der Musikschule, Lukas Althaus vom IKG und Menachem Grudzinski als Big-Band-Leiter dirigieren beim Liberation Concert ihre Ensembles. Der Fokus bleibt aber auf den Jugendlichen: genau das, was das Landsberger Liberation Concert einmalig macht.

Den Abend leitet Schauspieler Konstantin Moreth ein, als Abba Naor schlüpft und dessen Geschichte erzählt. „Wie es mir geht? Ich lebe“, ist der erste Satz – mit Nachhall. Naor, dessen Mutter und Bruder ermordet wurden, der mit seinem Vater 1944 nach Kaufering kam, „die reinste Hölle“, der seien Zeit im Kratzer-Keller verbrachte, im dort gegründeten Kibbuz „Ghetto Fighters“ (siehe Seite 3). Moreth als Naor schließt seine Erzählung mit einem Satz, den wohl nur Menschen wirklich nachvollziehen können, die diese Hölle überlebt haben: „Das Leben ist eine feine Sache.“

80 Jahre Liberation Concert Landsberg: „Habt Hoffnung“

Das Programm nimmt auch Punkte des Konzertes von 1945 auf wie das Kol Nidrei von Max Bruch gesungen vom IKG-Chor – und Variationen zum Konzert am 10. Mai 1948 im Landsberger DP-Lager, das Leonard Bernstein dirigierte. Weshalb das Jugendorchester die West Side Story von Leonard Bernstein in einem Arrangement von John Moss großartig präsentiert. Die IKG-Theatergruppe steuert zwei kurze Szenen bei: eine Szene auf dem Landsberger Hauptplatz, die den Umgang der Einheimischen mit den DPs nach dem Krieg zeigt. Und „die Orchesterprobe“, in der die Musizierenden des Konzerts von 1945 über ihre Zukunft sprechen – die sie nun, als Überlebende, wieder haben.

Die besinnliche Stimmung der ersten Hälfte dreht sich nach der Pause: beim Auftritt der Mathe Asher Big Band mit Jazz-Standards wie Chick Coreas „Spain“ oder Dave Brubecks „Take Five“. Begeisterung, Mitklatschen, Johlen ist die Resonanz des Publikums auf die 13 Musizierenden, die gemeinsam und in Soli überzeugen.

Am Ende stehen alle Musizierenden auf der Bühne: eine Bühne voller Jugendlicher, die sich dafür engagieren, dass Erinnerung nicht schwindet und in die Zukunft getragen wird. Ein Bild, das Widerhall in der Neufassung des ebenfalls schon 1945 gesungenen Abschlusslied „Habaita“, „nach Hause“ findet. Und das Eva Umlaufs Worte beim Festakt bekräftigt: „Habt Hoffnung.“

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/landsberg-kreisbote/liberation-concert-landsberg-erinnerung-in-die-zukunft-tragen-94062998.html