Schwabbruck hat entschieden: Gerald Siegl wird für die Dorfliste als Bürgermeisterkandidat ins Rennen gehen. Er konnte sich gegen Silvia Richter und Siegfried Seelos durchsetzen. Bei der Rede von Seelos sorgte ein Ruf aus dem Publikum für Aufsehen.
Schwabbruck – Die Spannnung, die in der Luft lag, war am vergangenen Donnerstagabend im Schwabbrucker Schäferwirt regelrecht zu spüren. An besagtem Abend sollte sich entscheiden, wer für die Schwabbrucker Dorfliste, die bislang einzige Kandidatenliste im Ort, bei der Kommunalwahl als Bürgermeisterkandidat antritt.
Eine Frau und zwei Männer warfen dafür ihren Hut in den Ring: Silvia Richter (56), Siegfried Seelos (53) und Gerald Siegl (47).
Ein Viertel aller Wahlberechtigten war gekommen
Bevor die 185 anwesenden Schwabbrucker, immerhin ein Viertel aller Wahlberechtigten, eine Entscheidung fällen mussten, durften sich die Kandidaten kurz vorstellen.
Den Anfang machte Silvia Richter. Die 56-Jährige, die als Bürokraft im Familienbetrieb arbeitet, betonte, dass sie „Engagement und Erfahrung“ mitbringe. Richter sitzt seit 2020 im Gemeinderat. „Ich bin ehrlich, bodenständig und jederzeit ansprechbar“, sagte die Kandidatin. Einsetzen wolle sie sich für einen „geeigneten Übungsraum für die Musik“ und die Ansiedlung von Gewerbe im Ort.
„Lüge“-Ruf bei Seelos-Rede sorgte für Aufsehen
Wie Richter sitzt auch Siegfried Seelos seit 2020 im Gemeinderat. Der 53-jährige Feinwerkmechanikermeister und Landwirt im Nebenerwerb sagte, er stehe für eine solide Haushaltsführung. „Oberste Priorität“ habe für Seelos die Schaffung von Möglichkeiten zur Gewerbeansiedlung. Als der Kandidat „mehr Bürgerbeteiligung bei Projekten“ forderte und dabei die geplante Bockerlbahn im Dorfgarten ansprach, schrie ein Mann plötzlich das Wort „Lüge“ durch den Saal. Seelos stutzte kurz. „Das ist doch alles verlogen“, rief der Mann hinterher, ehe Seelos mit seiner Rede weitermachte.
Gerald Siegl erinnerte sich zu Beginn seiner Vorstellungsrede an den 31. Januar dieses Jahres. Da war der 47-Jährige beim Schachspielen in der Gastwirtschaft Frank. „Stimmt es, dass Du Dich als Bürgermeisterkandidat aufstellen lässt?“, sei er damals gefragt worden. Seine Antwort: „Ganz sicher nicht.“ Das sollte sich einige Monate später ändern. „Ich bin kreativ und sehr ausdauernd“, sagte Siegl, der die Entscheidungen mit „gesundem Menschenverstand“ treffen möchte. Im Gemeinderat sitzt Siegl nicht. Mit seinem Herzensprojekt, der Bockerlbahn im Dorfgarten, habe seine Bürgermeister-Kandidatur nichts zu tun, stellte der Software-Entwickler im Gespräch mit der Heimatzeitung klar.
Entscheidung im ersten Wahlgang
Gegen 20 Uhr wurde es dann ernst: Die anwesenden Schwabbrucker schritten zur Wahl. Während der Auszählung wurde an den Tischen viel diskutiert und spekuliert.
Es schlug 20.30 Uhr, als die Wahlleiter das Ergebnis verkündeten: Mit 52,2 Prozent der abgegebenen Stimmen entschied Gerald Siegl das Bürgermeisterkandidaten-Triell bereits im ersten Wahlgang für sich. Die von vielen vermutete Stichwahl war nicht mehr nötig geworden. In seinen ersten Worten nach dem Wahlsieg warb Siegl für den Dialog – auch mit denjenigen, die sich für einen anderen Kandidaten entschieden haben.
Kandidiert Richter außerhalb der Dorfliste?
41,2 Prozent der Wähler gaben Silvia Richter ihre Stimme. „Es ist denkbar knapp ausgegangen“, sagte die 56-Jährige nach der Wahl. Sie möchte nun überlegen, Unterstützerunterschriften zu sammeln und außerhalb der Dorfliste als Bürgermeisterkandidatin anzutreten. Für den Gemeinderat ließ sie sich jedoch auf der Dorfliste aufstellen und erreichte bei der anschließenden Wahl Listenplatz 3 (siehe Kasten unten).
Siegfried Seelos blieb mit einem Ergebnis von 6,6 Prozent bei der Bürgermeisterkandidaten-Wahl chancenlos. Und auch bei der Wahl der Listenplätze lief es alles andere als gut für den 53-Jährigen: Von allen Bewerbern für die Gemeinderatsliste erhielt er die wenigsten Stimmen. Das bedeutete den hintersten Listenplatz für ihn.
Christian Huber führt die Dorfliste Schwabbruck an
Im Anschluss an den Bürgermeisterkandidaten wurden die Plätze für die Dorfliste Schwabbruck gewählt. Jeder Wähler hatte maximal zwölf Stimmen. So viele Sitze wird der neue Gemeinderat haben. Der Grund dafür: Schwabbruck hat die 1000-Einwohner-Grenze mittlerweile überschritten. Sechs der acht amtierenden Gemeinderäte traten wieder an, darunter auch Silvia Richter und Siegfried Seelos. Bürgermeisterkandidat Gerald Siegl bewarb sich nicht für die Gemeinderatsliste. Zwölf der insgesamt 14 Listenkandidaten haben ihren Platz sicher, die beiden mit den wenigsten Stimmen müssen zittern. Sofern sich keine weitere Kandidatenliste gründet, werden aber auch sie im März 2026 auf dem Wahlzettel stehen. Die Kandidaten sind zwischen 27 und 56 Jahren alt, das Durchschnittsalter liegt bei knapp 43 Jahren. Und das sind die Listenkandidaten:
Platz 1: Christian Huber (51), kaufm. Angestellter (270 Stimmen)
Platz 2: Norbert Schreiber (54), Dipl.-Informatiker (213)
Platz 3: Silvia Richter (56), Bürokraft (211)
Platz 4: Matthias Dalbeck (34), Maurer (187)
Platz 5: Michael Meichelböck (37), Ingenieur (171)
Platz 6: Martin Ehrl (42), selbst. Landschaftsbauer (166)
Platz 7: Samuel Graf (27), Schichtplaner (152)
Platz 8: Christian Winter (40), kaufm. Angestellter (146)
Platz 9: Markus Hoppmann (54), Unternehmensberater (139)
Platz 10: Martin Beer (34), Maschinenbautechniker (126)
Platz 11: Stefan Pantel (33), Sozialpädagoge (101)
Platz 12: Thomas Rehm (46), Leiter Projektumsetzung (84)
Platz 13: Matthias Preis (36), Einrichtungsleiter (61)
Platz 14: Siegfried Seelos (53), Feinwerkmechanikermeister (58)