Arbeitskreis Gemeinschaftliches Wohnen in Kempten und Altlandkreis trifft den Nerv der Zeit

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Der AK Gemeinschaftliches Wohnen Kempten und Altlandkreis stellte sich bei der öffentlichen Veranstaltung in der Hochschule Kempten zahlreichen Interessierten vor. © Martin Wetzel

Die Gründe für das steigende Interesse an gemeinschaftlichem Wohnen sind so vielfältig, wie die aktuellen sozialpolitischen Herausforderungen. Der Einladung des Arbeitskreises Gemeinschaftliches Wohnen Kempten und Altlandkreis und von Prof. Martin Wetzel, Fakultät Gesundheit und Soziales, folgte zahlreich ein Publikum aus Kempten und Umgebung in die Hochschule Kempten.

Kempten – Auch das Sozialamt der Stadt Kempten war vertreten durch Markus Klotz, Amt für Ausbildungsförderung, Senioren- und Wohnungsfragen und Bertold Klein von der Fachstelle für Wohnberatung und Wohnraumanpassung der Stadt Kempten.

Themen wie Kostenexplosion bei Mieten und Pflege, Wohnraummangel, Immobilienspekulation, steigende Baukosten, demographischer Wandel, Überforderung von Familien und Alleinerziehenden auf der einen, Vereinsamung auf der anderen Seite, dazu Diskussionen über Bürgergeld und die Sicherheit der Rente bewegen den Arbeitskreis Gemeinschaftliches Wohnen Kempten und Altlandkreis an Lösungen zu arbeiten. Dabei haben die ehrenamtlich aktiven AK-Mitglieder sowohl soziale und finanzielle als auch pflegerische Aspekte im Blick.

Arbeitskreis vor einem Jahr gegründet

„Vor einem Jahr gründete sich aufgrund einer Veranstaltung im Altstadthaus zur Wohnsituation im Alter in Kempten der Arbeitskreis „Alternative Wohnformen Kempten“. Die Anwesenden vereinte der Wunsch nach Alternativen und nach Gemeinschaft. Inzwischen sind mehrere Ältere nicht mehr dabei, aber Jüngere dazu gekommen. Und seit Sommer geht‘s richtig ab“, sagte Roland Graef vom Lenkungskreis in seiner Begrüßung.

Zu Beginn der Veranstaltung stellte sich der inzwischen neu organisierte Arbeitskreis mit dem neuen Namen „Gemeinschaftliches Wohnen in Kempten und Altlandkreis“ vor. Im Sommersemester 2025 wurde der Arbeitskreis von Prof. Wetzel und seinen Studierenden unterstützt, zum Beispiel zu Rechts- oder Gemeinschaftsformen. Seitdem trafen sich die Ehrenamtlichen monatlich, bereiteten diese Veranstaltung vor und arbeiteten an der Struktur ihres Arbeitskreises. Mit einem Lenkungskreis und Arbeitsgruppen für Öffentlichkeitsarbeit, Objektsuche und Finanzen stellten sie sich bis zu einer Vereinsgründung effizient auf. Einige Mitglieder gaben einen Einblick in die anstehenden Aufgaben sowie einen Ausblick auf geplante Aktivitäten und luden das Publikum zur Mitarbeit ein.

Vielseitige Hintergrundinformationen von Fachleuten und Betroffenen

Dem folgte ein Vortrag des Vereins WeiterWohnen Deutschland. WeiterWohnen e.V. ist ein von INTERREG gefördertes Projekt, das Kommunen und Gruppen einen Informations- und Fachservice für gemeinschaftliche Wohnprojekte bietet. Zum Beispiel führt der Verein Bedarfs- und Standortanalysen in Gemeinden, auch ländlichen, durch und berät bei der Zusammenarbeit von Verwaltung und Projektgruppen. Architektin Martina Lehn aus Ravensburg und Referent Josef Gojo aus Vorarlberg zeigten realisierte Gemeinschaftsprojekte aus dem D-A-CH-Raum, von Vier-Parteien bis zu mehreren hundert Bewohnern.

Daraufhin gaben zwei Bewohnerinnen aus der Gemeinschaft Sulzbrunn bei Sulzberg Einblick in ihr seit zehn Jahren erprobtes Gemeinschaftsmodell, das aus unterschiedlichen Wohnformen, vom Apartment, über Familienwohnungen bis zu Wohngemeinschaften, sowie einem Seminarbetrieb und einer SoLAWi besteht. Sie sprachen über Herausforderungen, die solche Gemeinschaften mit sich bringen und wie diesen konstruktiv begegnet werden kann. Ihre Gemeinschaft hat sich deshalb für das Modell der Soziokratie entschieden. Sie selbst freuen sich jeden Tag in einer Gemeinschaft leben zu dürfen.

Kooperation mit der evangelischen Kirche

Im dritten Programmteil stellten Sonja von Kleist, Pfarrerin der Markuskirche und Regina Dahlström, Architektin im Bauausschuss der Gemeinde, mittels Drohnenaufnahmen, Foto, Lageplan und Grundriss ihre Immobilie und deren Potenzial für gemeinschaftliches Wohnen vor. Gemeinschaftliches Wohnen und Kirche könnten Hand in Hand gehen und so ist das Anliegen der Gemeinde, einerseits spirituelle Räume zu erhalten und andererseits bezahlbaren Wohnplatz zu schaffen, der zugleich Gemeinschaft bietet. Jetzt sucht die Gemeinde interessierte Menschen, die sich an kreativen Lösungen beteiligen wollen.

„Der Abend war ein spannender Austausch und setzte ein starkes Zeichen. Das Publikum zeigte, dass gemeinschaftliche Wohnprojekte, auch in der zweiten Lebenshälfte, von großem Interesse in Kempten sind“, sagte Prof. Martin Wetzel von der Fakultät Gesundheit und Soziales der Hochschule Kempten im Anschluss an die Veranstaltung. Interessierte können sich per E-Mail an den AK wenden: kontakt@gewo-kempten.de.

Iris Hüttner

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