Haushalts-Desaster in Schongau überschattet alle Planungen

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Stellte sich den Fragen der Bürger: Bürgermeister Falk Sluyterman © Hans-Helmut Herold

Der Spielraum ist eng für die Stadt Schongau, wird bei der Bürgerversammlung deutlich. Viele Projekte müssen wegen knapper Kassen warten.

Bewegung könnte in das viele Jahre alte Vorhaben kommen, am Hohen Graben ein Baugebiet zu entwickeln. Paul Huber, der die Fragerunde der Bürger bei der Bürgerversammlung eröffnete, wollte von Bürgermeister Falk Sluyterman wissen, wie denn der aktuelle Stand sei in Sachen Baugebiet Nord. „Derzeit werden die Hochspannungsleitungen erneuert. Hat man sich überlegt, diese zu verlegen? Das wäre sicherlich machbar“, regte Huber an.

Haushaltslage ist desolat: Stadtkämmerer Kurt Konrad.
Haushaltslage ist desolat: Stadtkämmerer Kurt Konrad. © Hans-Helmut Herold

Man führe sehr intensive Gespräche mit den Lechwerken und Grundstückseigentümern und sei guter Dinge, dass man mehr Bauland generieren könne, so der Rathauschef. Stadtbaumeister Sebastian Dietrich bestätigte, dass man den neuen Stromtrassenverlauf bald vorstelle.

Heidi Schrödl wollte wissen, wann auch im Westen der Stadt Fernwärmeleitungen verlegt würden. „Bald wird der Rößlekellerberg neu gemacht. Es wäre schade, wenn man den wieder aufreißen müsste.“

Ob Fernwärme verlegt werde, sei „noch nicht sicher“, so Sluyterman. Die großen Firmen hätten aber Interesse bekundet. Florian Hiemer, technischer Leiter der Stadtwerke, berichtete, dass ein „Transformationsplan“ erarbeitet werde. Dafür werde auch untersucht, welche Stadtteile wirtschaftlich angeschlossen werden könnten. Außerdem werde ein Fahrplan gemacht, wie man von derzeit 35 bis 40 Prozent bei den erneuerbaren Energien auf 100 Prozent bis 2045 kommen könne. Sorgen, irgendwann frieren zu müssen, brauche man nicht zu haben, so Sluyterman: „Auch ohne Papierproduktion wird uns UPM versorgen können.“

Seit Jahren werde die Aufwertung von Schongau-West versprochen, monierte Irmgard Schreiber-Buhl. Sie wollte den aktuellen Stand zum Städtebauförderprogramm wissen. Mit Blick auf die finanzielle Situation und fehlende personelle Ressourcen habe man sich nicht für eine Förderung im Jahr 2026 angemeldet, so Sluyterman. „Es tut mir leid, aber man kann den Euro nur einmal ausgeben.“

Peter Haggenmiller hinterfragte, wie viele der Straßen, die vor zehn Jahren auf der Sanierungsliste standen, mittlerweile erneuert wurden. Der Bürgermeister erinnerte daran, dass Haggenmiller selbst vor dem Rathaus gestanden habe, um gegen die Straßenausbaubeitragssatzung zu demonstrieren. „Nun haben wir das Dilemma: Weil die Einnahmemöglichkeiten fehlen, hat die Stadt für den Ausbau von Straßen kein Geld.“

Einiges passiert sei aber dennoch, erinnerte er an den Ausbau der Peitinger Straße, und die Marktoberdorfer Straße werde angegangen, die Schönlinder Straße habe man im Blick. „Es gibt keine Straße, die in einem so schlechten Zustand ist, dass man sofort etwas machen müsste.“ Die Kritik Haggenmillers an den neuen Schongauer Fahrradstraßen („Ein Witz: viel Rot, zwei Pfeile, wer versteht das?“) ließ Sluyterman nicht gelten. Selbst anfangs argwöhnische Anwohner würden das nun loben.

Rund um die Fernwärme gab Florian Hiemer Auskunft, technischer Leiter der Stadtwerke Schongau.
Rund um die Fernwärme gab Florian Hiemer Auskunft, technischer Leiter der Stadtwerke Schongau. © Hans-Helmut Herold

Auch Bürger sollen sparen

Warum für das Obi-Areal keine Wohnbebauung geplant worden sei, wurde auch gefragt. Dies sei aus Lärmschutzgründen nicht möglich, unter anderem dann, wenn das Grundstück am ehemaligen Umspannwerk bebaut werde, so Sluyterman. Durch den Umzug der beiden bestehenden Einkaufsmärkte auf das Areal würden diese deutlich näher an das Wohngebiet heranrücken, „es wird dann auch attraktiver, zu Fuß einkaufen zu gehen“.

Richtig sei, dass Altenstadts Bürgermeister Andreas Kögl Probleme mit den Plänen habe. „Jetzt müssen wir sehen, dass wir das entkräften können, das ist nicht ganz profan“, verwies der Bürgermeister auf das laufende Bauleitplanverfahren. Richtig sei aber auch: „Bei Obi in Füssen ist seit zehn Jahren Leerstand, das ist ein Schandfleck. Es ist doch gut, wenn sich bei uns etwas entwickelt.“

Mit der Finanzplanung näher auseinandergesetzt hatte sich ein weiterer Bürger. Er nannte die Lage „dramatisch“. Sparen sei das Gebot der Stunde, und auch die Bürger müssten lernen zu verzichten. Wenn man die freiwilligen Leistungen kürze, dann gehe es um Schließung von kulturellen oder sportlichen Einrichtungen, „dann gehen bei uns die Lichter aus“, befürchtete Stadtkämmerer Kurt Konrad.

Auch Martin Schleier von der Musikschule warnte vor Kürzungen, sonst werde man die hohe Qualität nicht halten können. Schon jetzt würden die Lehrer nur 68 Prozent dessen verdienen, was sie bei einer städtischen Musikschule nach Tarifvertrag bekommen würden. Bürgermeister Sluyterman verwies auf die neuerliche Haushaltssperre, jede einzelne Ausgabe komme auf den Prüfstand. „Es ist ein steiniger Weg, aber der Kämmerer wird uns den Weg schon aufzeigen.“