Ein stark verbesserter SC Riessersee macht aus einer bisherigen Schwäche beim 4:1-Auswärtssieg gegen Passau eine Stärke.
Wild fuchtelt Lubor Dibelka mit seinem Schläger auf dem Eis umher. Zwei-, dreimal wiederholt er die Bewegung vor Leon Neiger, bevor die beiden Riesserseer die Köpfe zusammenstecken und im regen Austausch in die Kabine stampfen. Die Szene am Anfang der ersten Pause beschreibt ganz gut die Phase, die der Traditionsverein gerade durchschreitet: Viele, viele Gespräche werden geführt, Stück für Stück arbeiten sich die Eishockeyspieler aus der schweren Zeit heraus. Und es sind erste Fortschritte zu erkennen, die beim 4:1-Sieg in Passau am Freitagabend auch gleich Zählbares bedeuteten.
Die Defensive stand wie ein Bollwerk. Nach einer Schrecksekunde zu Beginn, als die Profis einen Passauer im Slot vergessen hatten, präsentierte sich die Verteidigung kompakt und giftig. Entweder kam der Tabellensechste erst überhaupt nicht in eine aussichtsreiche Schussposition oder scheiterte an einem wachsamen und sicheren Patrik Mühlberger. Das ging so weit, dass die Passauer am Ende ohne ihren verletzten Schweden Carl Larsson nicht einmal eine Idee hatten, wie sie den SCR-Torwart hätten überwinden können. Acht Minuten vor dem Ende bekamen die Niederbayern – beim Stand von 1:3 – in doppelter Überzahl die riesengroße Chance auf den Anschlusstreffer. Petr Bares zog die Auszeit, stellte seine Spieler nochmal neu ein. Herauskam ein mickriger Abschluss. Stattdessen hielt Colley Parker sekundenlang im gegnerischen Drittel gegen drei Mann die Scheibe. Passaus Coach konnte in der anschließenden Pressekonferenz über die spielentscheidende Szene nur den Kopf schütteln: „Hätten wir ein viertes Drittel gespielt, hätten wir auch kein Tor geschossen. Wir haben uns bemüht, aber das war einfach zu wenig.“ Allerdings sagt diese Aktion auch viel über die neuen Special Teams des SC Riessersee aus.
Die bisher größte Schwäche der aktuellen Oberligasaison war am Freitagabend in einer anfangs engen Begegnung neuerdings eine Stärke. Mit ein oder zwei Mann weniger ließen die Garmisch-Partenkirchner wenig anbrennen und schlugen selbst in Überzahl zu. Die einzige Möglichkeit nutzten sie binnen 13 Sekunden zur Führung. Zugang Charly Risk übernahm nach 33 Minuten die Verantwortung. Der Kanadier baute zunächst in Ruhe auf. Dann ging es blitzschnell. Zwei Pässe dauerte es nur, bis die Scheibe bei Lubor Dibelka landete. Der Stürmer bediente im Slot den einlaufenden Alexander Höller – die 2:1-Führung. Gradlinig, einfach, effektiv. Und so wichtig für das Selbstvertrauen der Profis nach wochenlanger Untergangsstimmung. Am Freitag schalteten sie einfach mal den Kopf aus. Mit viel Tempo ging es nach vorne, ideenreich und schnörkellos. Nur Minuten später eroberte Dibelka an der Mittellinie die Scheibe, dann nahm der Zug Fahrt auf. Und war nicht mehr zu stoppen. Wie zu seinen besten Zeiten passte der 42-Jährige den perfekten Moment ab, um Leon Neiger in Szene zu setzen.
Der 3:1-Vorsprung war Balsam für die SCR-Seele, was auch einem erleichterten Hunor Marton anzusehen war. „In dieser Partie waren so viele positive Dinge dabei, ich will gar nicht alle einzeln auflisten“, betonte der Coach. „Unsere Energie, unser Unterzahlspiel, Kampfgeist und Torwart – alles war super. Der Sieg war mental so wichtig. Darauf können wir aufbauen.“ Der erste Schritt in die richtige Richtung ist dem SCR eindrucksvoll gelungen. Nun müssen sie am Sonntag gegen die Heilbronner Falken den zweiten machen.