Ein Schlüsselspieler kehrt beim SC Riessersee zurück ins Aufgebot und fordert eine bessere Grundeinstellung, damit der Weg aus der Krise gelingt.
Eine Woche den Kopf frei bekommen. So lautete der Plan bei den Eishockeyprofis des SC Riessersee für die Deutschland-Cup-Pause. Einfacher gesagt als getan. Wenn man wie Luca Allavena in Garmisch-Partenkirchen aufgewachsen ist, Familie und Freunde hier hat und seinem Job nachgeht, gibt es kein Entkommen. „Die aktuelle Situation war Gesprächsthema Nummer eins“, sagt der 26-Jährige. Im Fitnessstudio, beim Einkaufen – überall wird er mit der sportlichen Krise des SCR konfrontiert, fragen Fans nach Gründen. „Das ist keine leichte Zeit“, betont das Riesserseer Eigengewächs. „Wir sind ja auch nur normale Menschen. Es hat sich angefühlt, als wäre schon Weihnachten. Dass der Baum so früh brennt, habe ich auch noch nicht erlebt.“
Trotz all der beißenden Kritik von Verantwortlichen, Medien und Fans – eines steht fest: Nikolaus und Heiligabend sind noch ein gutes Stück entfernt. Im Klartext: Die Spieler haben genug Zeit, um Süßigkeiten statt Mandarinen in ihren Sackerln zu finden. 38 Begegnungen haben sie in der Oberliga, um die Tabellenverhältnisse geradezurücken. Die Pause haben die Profis genutzt, um ihre Wunden zu lecken und heilen zu lassen. Auch Allavena hat seine Kopfverletzung vollständig auskuriert. „Die Unterbrechung hat uns allen gutgetan. Wir sind auf dem Zahnfleisch dahergekommen.“
Dass der Baum schon so früh brennt, habe ich auch noch nicht erlebt.
Allein vom Nichtstun findet der SCR in der Oberliga freilich nicht in die Erfolgsspur zurück. Drei Punkte standen in den vergangenen Tagen besonders auf der Agenda. Da wäre zum einen das angeknackste Selbstbewusstsein der Profis. Nach acht Niederlagen in neun Partien fehlt die breite Brust, um sich mal das Dribbling oder den Abschluss zuzutrauen. Das merkte man besonders bei der 2:5-Pleite gegen Stuttgart, als die Köpfe der Spieler mit jeder Minute weiter nach unten wanderten. Das gesamte Team braucht eine andere Grundeinstellung. „Das fängt mit der Energie auf der Bank an und hört bei Gegentoren auf“, betont Allavena. „Jeder muss sein Ego hinten anstellen.“ Das Vertrauen in die eigene Stärke muss man sich erst wieder erarbeiten – mit guten Leistungen und Siegen. Und zwar schnellstmöglich. „Das ist kein Spaß mehr. Wir wollen ja auch nicht vor leeren Rängen spielen.“
Die zweite Stellschraube betrifft die Defensivarbeit. 68 Gegentore sind nochmals sechs mehr als zum gleichen Zeitpunkt der Vorsaison. „Da darf es jetzt keine Ausreden mehr geben.“ Weniger Fehler und vermeidbare Strafzeiten, eine kompakte Einheit nach vorne und hinten – das ist das Rezept für mehr Punkte. Und der jüngste Zugang. Erst vor gut einer Woche hat Charlie Risk seine Zelte im Werdenfelser Land aufgeschlagen. Bereits jetzt hat er nicht nur einen positiven Eindruck hinterlassen, sondern auch noch etwas bewirkt: „Wir haben noch mal frischen Wind in der Kabine.“ Das soll den einen oder anderen Profi beflügeln. Zumal jeder erwartet, dass der kanadische Verteidiger einen Turbo im Powerplay zünden wird und damit das dritte Problem behebt. „Dort ist er ein Dirigent“, betont Allavena. „Überzahl haben wir viel trainiert. Das sieht man hoffentlich.“
Die Aufgaben werden nicht leichter. Heute müssen die Weiß-Blauen zum Tabellensechsten nach Passau, danach folgen Heilbronn (Platz 3) und Lindau (10). Genau die Gegner, die sie schlagen müssen, um in die Playoffs zu kommen. „Die sind auch machbar, wenn wir die Dinge umsetzen, die wir uns vorgenommen haben.“ Da gibt sich der 26-Jährige zuversichtlich. Die Frage wird sein, welchen SCR die Fans zu Gesicht bekommen werden: Den, der zum Saisonstart begeisterte, oder den, der in den vergangenen Wochen regelmäßig in seine Einzelteile zerfallen war? Klar ist nach den Krisen-Wochen: Nur mit Siegen wird der Druck in Garmisch-Partenkirchen weniger. Allavena verdeutlicht: „Wir müssen jetzt!“