PayPal-Alternative startet zäh: Regionale Banken werben um Kunden – Knapp drei Prozent sind registriert

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Per blauem Trailer machten Banken Werbung für die PayPal-Alternative Wero - mit bislang bescheidenem Erfolg. © Raiffeisenbank Isar-Loisachtal

Noch zu wenige Kunden haben sich aus Sicht der Raiffeisenbank beim neuen Zahlungsdienst Wero registriert. Dabei bietet das europäische System aus Sicht der regionalen Banken einen echten Mehrwert.

Bad Tölz-Wolfratshausen – Mit der neuen PayPal-Alternative Wero können viele Bankkunden seit rund einem Jahr Geld in Echtzeit per Smartphone an ihre Kontakte verschicken, ohne dafür die Kontonummer oder die IBAN ihres Gegenübers zu kennen. Während das Zahlungssystem europaweit schon 43 Millionen Menschen nutzen, läuft der Start im Landkreis aber offenbar schleppend: Noch zu wenige Kunden hätten sich bisher registriert, sagt Andreas Pentenrieder, Prokurist bei der Raiffeisenbank Isar-Loisachtal. Genauso wie die Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen setzt sich Raiffeisenbank nun stark für die Verbreitung ein.

Ohne Umwege über Anbieter

Gestartet ist Wero – ein Kunstwort aus dem englischen „we“ für „Wir“ und „Euro“ – im Juli 2024 als neues, europäisches Zahlungssystem. „Sozusagen Europas Antwort auf bekannte Dienste aus den USA oder Asien“, erklärt Andreas Pentenrieder. Die Idee dahinter sei, ein eigenes, sicheres und unabhängiges System zu schaffen, das den europäischen Datenschutzstandards entspricht und direkt über die Bank läuft – ohne Umwege über internationale Anbieter.

Stattdessen steht hinter Wero die European Payments Initiative (EPI) – laut Thomas Bundschuh, Sprecher der Sparkasse Bad Tölz-Wolfratshausen, ein Zusammenschluss großer europäischer Banken und Zahlungsdienstleister. „Zu den teilnehmenden Banken von Wero zählen die Sparkassen, Volks- und Raiffeisenbanken, Deutsche Bank, ING und Postbank“, erklärt der Sprecher. Weitere Länder, in denen Wero bereits nutzbar ist, sind unter anderem Frankreich und Belgien. „Es ist davon auszugehen, dass sich Wero in Europa weiter etablieren wird.“ Auch im Online-Handel und später auch in Geschäften vor Ort sollen Kunden mit dem System zahlen können.

Sie brauchen dafür nur die Telefonnummer, eine E-Mail-Adresse oder einen QR-Code des Empfängers – in unter zehn Sekunden soll das Geld kostenlos angekommen sein. „Eine IBAN ist nicht nötig“, erklärt Bundschuh. Wer Wero nutzen möchte, könne den Service in der Banking-App einfach aktivieren.

Zumindest bei der Raiffeisenbank haben das aber noch zu wenige getan. Unter den Privatkunden liegt die Quote derjenigen, die Wero nutzen, bei nur 2,9 Prozent, sagt Andreas Pentenrieder. Langfristig solle das System jedoch so selbstverständlich werden, wie es heute die Kartenzahlung oder PayPal sind.

Wero „die bessere Alternative“ zu PayPal

Wie weit der Weg dorthin bei der Sparkasse noch ist, lässt sich nur erahnen – Thomas Bundschuh lässt die Frage nach den Nutzerzahlen unbeantwortet. Immerhin: „Das Interesse unserer Kundinnen und Kunden an Wero ist hoch“, heißt es vonseiten der Sparkasse. Angesichts der aktuellen weltpolitischen Lage würden sich viele Kunden ganz bewusst für ein europäisches Zahlungssystem entscheiden. Die Bank wolle damit eine sichere und unabhängige Alternative zu außereuropäischen Bezahlverfahren anbieten.

Auch die Raiffeisenbank ist in Bezug auf PayPal sicher: „Wir sind der festen Überzeugung, dass Wero die bessere Alternative ist.“ Wero sei für Händler günstiger, für Privatkunden komfortabler und biete ein höheres Sicherheitsniveau in Sachen Datenschutz.

„Am Ende entscheidet natürlich der Kunde über Erfolg oder Misserfolg“, betont Sparkassen-Sprecher Bundschuh. „Wir tun auf jeden Fall alles dafür, dass Wero als europäisches Zahlungssystem in den nächsten Jahren zum vollen Erfolg wird.“ Damit ist sich das Geldinstitut einig mit den Kollegen von der Raiffeisenbank. Pentenrieder kündigt an: „Wir werden den Werbedruck weiter erhöhen.“ Aufmerksamkeit erregt hat erst kürzlich ein bedruckter Anhänger vor der Loisachhalle. nap