Ein Berufspendler aus Wolfratshausen kritisiert die Unpünktlichkeit der S7. Im bayerischen Verkehrsministerium kann man den Unmut „nachvollziehen“.
Wolfratshausen/München – „Der Versuch, durch die Trennung des Ost- und Westastes der S7 die Pünktlichkeit auf dieser Linie zu verbessern, ist auf beiden Ästen gescheitert“: Zu diesem Schluss kommt der Berufspendler Fried-Thorsten Jantzen. In einem Brandbrief an Bayerns Verkehrsminister Christian Bernreiter und S-Bahn-Boss Heiko Büttner forderte der Wolfratshauser wie berichtet: „Brechen Sie diesen Versuch zur Verbesserung der Pünktlichkeit beim nächsten Fahrplanwechsel ab!“ Jetzt bekam Jantzen eine Antwort aus dem bayerischen Verkehrsministerium: Sein Unmut sei „nachvollziehbar“.
Nur 74,8 Prozent aller Züge, die auf der S7-Strecke zwischen der Landeshauptstadt und dem Endhaltepunkt Wolfratshausen verkehren, war im September pünktlich. „Der Freistaat ist über die generelle Entwicklung im Münchner S-Bahn-Netz während der letzten Jahre auch nicht zufrieden“, lässt Ministerialrat Stefan Schell Jantzen wissen. Das habe man den Verantwortlichen bei der S-Bahn München mitgeteilt „und sogar zusätzliche Mittel beim laufenden Betrieb in die Hand genommen, um Besserungen für die Fahrgäste zu erzielen“. In der ersten Hälfte dieses Jahres habe sich die Pünktlichkeit der S7 durch die „Brechung“ der Äste deutlich verbessert, bilanziert Schell. Die Positiventwicklung sei jedoch durch „Effekte getrübt“ worden, die auf Infrastrukturmängel im Netz der bundeseigenen DB InfraGO AG zurückzuführen seien.
Neben diesen Mängeln seien für den Freistaat „vor allem auch die immer wieder auftretenden Türstörungen bei der von der S-Bahn München auf der S7 eingesetzten Baureihe 424 nicht hinnehmbar“. Die DB habe laut Schell versichert, dass das Türenproblem „intensiv angegangen werden soll“.
Die Rolle des Freistaats
Der Freistaat Bayern ist Auftraggeber, Finanzier und Planer der S-Bahn München. Seine Hauptaufgaben sind die finanzielle Förderung des S-Bahn-Ausbaus, die Beschaffung neuer Züge, die langfristige Planung der Infrastruktur und die Sicherstellung des Regional- und S-Bahn-Verkehrs durch die Bayerische Eisenbahngesellschaft, ein Tochterunternehmen des Freistaats. Mit der Durchführung des S-Bahn-Verkehrs ist die Deutsche Bahn beauftragt.
Dass die Bahn gezielt Züge ausfallen lässt, um die Pünktlichkeitsstatistik zu schönen – wie Jantzen und viele Passagiere mutmaßen – „kann nicht im Interesse der S-Bahn München sein“, stellt Ministerialrat Schell fest. Denn: Zugausfälle würden vom Freistaat finanziell hoch sanktioniert.
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Freistaat fordert zusätzliches Personal in den Leitstellen
Auch zu den in Jantzens Augen ungenügenden Informationen für die Fahrgäste nimmt Schell Stellung. Das könnte vielfältige Gründe haben, die nur im konkreten Einzelfall nachvollzogen werden könnten. Zur Verbesserung dieser Situation fordere der Freistaat in neueren Ausschreibungen von Verkehrsleistungen zusätzliches Personals in den Leitstellen, das unabhängig von den betrieblichen Aufgaben „gezielt die Fahrgastinformation sicherstellt“. Darüber hinaus drohen laut Schell bei fehlerhaften oder unvollständigen Informationen Sanktionen.
Mittelfristig erwarte der Freistaat eine Verbesserung in Sachen Fahrgast-Info. Wenn, so Schell, das Informationssystem der Deutschen Bahn, für das aktuell die DB Fernverkehr AG verantwortlich zeichnet, zur DB InfraGO verlagert worden sei. Dazu noch „lernende Rechenmodelle“ in der Disposition – dann soll‘s laufen. Falls nicht, wird Berufspendler Jantzen wieder einen Brandbrief schreiben. Er wäre der dritte. (cce)