Tumultartige Szenen hatten sich voriges Jahr nach dem Seefest am Tegernseer Bahnhof abgespielt. Der letzte Zug war heillos überfüllt. Soweit soll es heuer nicht mehr kommen: Veranstalter und BRB haben eine Lösung erarbeitet.
Tegernsee - Es war ein regelrechtes Desaster, das die Tegernseer Tal Tourismus GmbH (TTT) und die Stadt Tegernsee nach dem eigentlich traumhaften Seefest im vergangenen Sommer erlebten: Weil der letzte Zug der Bayerischen Regiobahn (BRB) bereits brechend voll war, blieben etwa 250 Menschen am Bahnsteig zurück. Es kam zu Tumulten, die Polizei rückte an. Die BRB sah sich damals nicht in der Verantwortung, der Ärger bei den Beteiligten hallte noch länger nach. Mittlerweile scheint er verraucht zu sein.
TTT und Verkehrsbetriebe haben sich an einen Tisch gesetzt
Wie Peter Rie, Veranstaltungsmanager der TTT, berichtet, wurden im Nachgang des Tegernseer Seefest-Chaos‘ sämtliche Fahrgast-Zahlen von Schifffahrt, Bussen und Zügen zusammengetragen und analysiert. „Wir hatten einen massiven Überhang“, räumt Rie mit Blick auf die Heimreise-Situation ein. Damit sich ein solches Chaos nicht wiederholt, haben sich die Seefest-Organisatoren und die Vertreter der Verkehrsbetriebe an einen Tisch gesetzt und beim ÖPNV-Konzept fürs Tegernseer Seefest deutlich nachgebessert. „So gut aufgestellte waren wir noch nie“, berichtet Rie.
Bahn verstärkt Züge und setzt „Lumpensammler“ ein
Eine entscheidende Entlastung sollen zusätzliche Kapazitäten bei den Zügen bringen. So werden heuer zum Tegernseer Seefest am 29. Juli die letzten beiden regulären Züge um 21.52 und um 22.52 Uhr um je einen Zugteil verstärkt. „Wir werden somit die doppelten Kapazitäten anbieten“, teilt Sabine Floßmann von der Bayerischen Regiobahn mit. Statt 250 stehen dann 500 Plätze für die Fahrgäste bereit. „Die Kosten hierfür trägt die BRB“, erklärt die Sprecherin. Zusätzlich finanziere die Bayerische Eisenbahngesellschaft (BEG), die den Schienenpersonennahverkehr (SPNV) in Bayern plane, finanziere und kontrolliere, noch einen Sonderzug um etwa 23.22 Uhr. „Das ist das Maximale, das geht“, macht Floßmann deutlich. Und: „Wir hoffen, damit unseren Beitrag zu einem gelungenen Seefest leisten zu können.“
Bei einer Verschiebung kommt der Sonderzug nicht zum Einsatz
Die Sprecherin weist allerdings darauf hin, dass der Sonderzug nur „einfach fährt“, sprich die reguläre Kapazität von 250 Sitz- und Stehplätzen biete. „Es ist also wichtig, dass die Seefestbesucher auch wirklich das gesamte Zugangebot nutzen und sich nicht alle auf den Sonderzug konzentrieren.“ Zudem stehe dieser „Lumpensammler“ lediglich für den Haupttermin am 29. Juli zur Verfügung. Bei einer wetterbedingten Verschiebung auf die Ersatztermine am 30. oder 31. Juli werde es den zusätzlichen Zug nicht geben. Der Planungsaufwand wäre zu groß. Zudem geht man laut Peter Rie davon aus, dass mögliche Verschiebetermine ohnehin schlechter besucht sind.
Tegernsee hat weniger Parkplätze als die anderen Seefest-Orte
Die Anreise mit den Öffentlichen ist in Tegernsee von besonderer Bedeutung. „Wir haben hier mit Abstand die wenigsten Parklätze“, gibt Rie zu bedenken. Zahlenmäßig seien es unter 400, in den beiden anderen Seefest-Orten Bad Wiessee und Rottach-Egern verfüge man dagegen über mehr als 1000 Parkplätze.
Auch Schifffahrt und Busse können wieder genutzt werden
Rie ist daher froh, auch wieder auf die Tegernsee Schifffahrt und die Busse des Regionalverkehr Oberbayern (RVO) zählen zu können. Bekanntlich dürfen die Besucher am Tag der Seefeste ab 17 Uhr sowohl die Ringlinien des RVO als auch die Schiffe der südlichen Rundfahrt kostenlos nutzen. „Die Schiffe fahren im Stundentakt, das entlastet die Linienbusse massiv“, erklärt Rie. Und auch der RVO setze bei den Seefesten – und speziell auch in Tegernsee – weitere Sonderbusse ein. „Die haben wieder mehr Kapazitäten bei den Fahrern und können uns stärker unterstützen“, berichtet Rie.
Die Seefeste rund um den Tegernsee sind seit jeher ein riesiger Besuchermagnet. Den Auftakt macht traditionsgemäß Rottach-Egern, wo das Spektakel heuer am 8. Juli (Ersatztermine 9. und 10. Juli) steigen wird. Nach dem Tegernseer Seefest am 29. Juli setzt die Gemeinde Bad Wiessee am 14. August (Ersatztermine 16. und 17. August) den Schlusspunkt hinter den diesjährigen Seefest-Reigen.
gab