Landwirtin Nina Bartl wurde Opfer eines Sabotageaktes: Unbekannte haben ihr Maisfeld in Festenbach mit Eisenstangen und Drähten präpariert. „Das ist geisteskrank“, sagt die 37-Jährige.
Festenbach – Schon seit Wochen hat der kleine Sohn von Nina Bartl auf die Maisernte hingefiebert. Für den Siebenjährigen ist es immer ein besonderes Erlebnis, wenn der befreundete Lohnunternehmer mit seiner großen Maschine anrückt, um auf dem sieben Hektar großen Feld der Familie an der Miesbacher Straße in Festenbach den Futtermais für die hofeigenen Milchkühe zu häckseln. Der kleine Anton darf dann auf dem Häcksler mitfahren. Doch diesmal erlebten der Lohnunternehmer und die 37-jährige Bartl, die ihren Hof seit der Scheidung alleine bewirtschaftet, eine bitterböse Überraschung.
Eisenstangen steckten senkrecht im Boden des Feldes
Schon bald bemerkte der Fahrer des Häckslers, dass das Feld mit Metallteilen präpariert war. Eisenstangen, Torschienen und andere Gegenstände steckten teils senkrecht im Boden. In zahlreiche Maiskolben wurden Stahldrähte gesteckt. „Meinen Sohn habe ich nach dem ersten Metallfund sofort vom Häcksler verbannt“, berichtet Bartl. Die Landwirtin ist Tage nach der Entdeckung noch immer völlig aufgebracht: „Das ist Irrsinn, hier hat jemand bewusst in Kauf genommen, dass jemand sterben könnte.“
Nina Bartl: „An Skrupellosigkeit nicht zu überbieten“
Gerate eine Metallstange in den Rotor des Häckslers, könne diese die Platte durchbrechen, auf der der Fahrer sitze. Lebensgefährliche Verletzungen wären die Folge, sagt Bartl, die von genau solchen Fällen gehört hat. Umherfliegende Metallteile könnten zudem andere Erntehelfer in Gefahr bringen. Dieser Sabotageakt sei „an Skrupellosigkeit nicht zu überbieten“, zürnt die Landwirtin.
Maishäcksler wurde durch die Fremdkörper massiv beschädigt
Menschen wurden durch den Vorfall in Festenbach glücklicherweise nicht verletzt. Der Maishäcksler wurde allerdings trotz eines eingebauten Metalldetektors, der die Maschine bei solch versteckten Fremdkörpern zum Stehenbleiben zwingt, massiv beschädigt. An die 50.000 Euro dürfte der Schaden betragen, glaubt Bartl. Die Arbeit auf dem Feld hatten die Landwirtin und ihre Helfer vergangene Woche zunächst einstellen müssen. Stattdessen erstatteten die Betroffenen Anzeige bei der Polizei Bad Wiessee. „Wir ermitteln wegen Sachbeschädigung“, bestätigt Inspektionsleiter Thomas Heinrich. Zeugen, die vor dem 15. Oktober Verdächtiges auf dem Feld an der Miesbacher Straße 102 bemerkt haben, werden gebeten, sich zu melden.
Ernte nicht zu verwenden: „Für mich ein wirtschaftlicher Totalschaden“
Anfang dieser Woche haben Bartl und ihre Helfer die Arbeit auf dem Feld wieder aufgenommen. Diesmal mit einer zehnköpfigen Mannschaft, die das riesige Feld durchkämmt, und einem Häcksler-Modell ohne Detektor, das seine Arbeit trotz des versteckten Eisens tut. Irgendwie müsse das Areal ja abgeerntet werden, seufzt Bartl. Bei der Millimeterarbeit habe man noch „tonnenweise Drähte“ in den Kolben entdeckt, berichtet die Landwirtin. „Da hat sich jemand sehr viel Arbeit gemacht.“ Als Futtermittel verwenden kann sie den Mais nicht mehr. Die Tiere könnten aufgrund der Metallsplitter darin verenden. „Das ist für mich ein wirtschaftlicher Totalschaden“, sagt die alleinerziehende Bäuerin.
Sabotageakte in Maisfeldern gibt es immer wieder
Dass Maisfelder mit Eisen präpariert werden, kommt immer wieder vor. Im Herbst 2024 beispielsweise gab es einen Vorfall im Geretsrieder Stadtteil Gelting, wo in einem Maisfeld gusseiserne Zahnkränze versteckt worden waren, um die Ernte zu behindern. 2020 wurde in einer Nutzfläche bei Grub (Gemeinde Valley) eine heimtückische Falle versteckt. Auch in Schwaben hatten sich solche Vorfälle im Jahr 2017 gehäuft. Dahinter steckt häufig Missgunst unter Landwirten oder es sind Sabotageakte von Gegnern von Mais-Monokulturen.
Nina Bartl vermutet persönliche Gründe hinter den Taten
Bartl, die in ihrer Heimatgemeinde Gmund und darüber hinaus als willensstarke Landwirtin bekannt ist und auch schon Auftritte im Fernsehen hatte, vermutet in ihrem Fall aber andere Beweggründe. „Da läuft eine Agenda gegen mich persönlich“, sagt sie. Sie wisse, dass seit ihrer Scheidung viel Groll gegen sie gehegt werde. „Wenn du als Frau alleine einen Hof bewirtschaftest“, meint Bartl, „bist du Freiwild“.
Gefallen lassen möchte sich die 37-Jährige das Ganze allerdings nicht. Sie hat eine Belohnung in Höhe von 8000 Euro für denjenigen ausgesetzt, dessen Hinweise zur Ergreifung des Täters oder der Täter führen. Denn für Bartl ist eines klar: „Was hier abgelaufen ist, ist geisteskrank.“
gab