Bereits im vergangenen Jahr stand der Bau einer Gigafactory mit über 2.000 Jobs auf der Kippe. Jetzt ist offenbar klar, dass die Fabrik nicht gebaut wird.
Kaiserslautern – Die Automotive Cell Company (ACC), ein Gemeinschaftsunternehmen des europäischen Autokonzerns Stellantis und des französischen Energieunternehmens TotalEnergies, hatte im Jahr 2021 die Freigabe für den Bau einer Batteriefabrik auf dem ehemaligen Opel-Gelände in Kaiserslautern (Rheinland-Pfalz) erhalten. Weil der Hochlauf der Elektromobilität seit längerem stockt, stand die Gigafabrik, die mehr als 2.000 neue Arbeitsplätze schaffen sollte, bereits mehrfach auf der Kippe. Im vergangenen Jahr hieß es, ACC lege die Pläne vorerst auf Eis und konzentriere sich auf die Fabrik im heimischen Frankreich.
Weil es offenbar auch in der 2023 eröffneten Gigafactory in Nordfrankreich Probleme in der Produktion gibt, seien laut ACC die Voraussetzungen für die Wiederaufnahme der Projekte in Kaiserslautern und Termoli (Italien) „nicht gegeben“, wie das auch von Mercedes-Benz unterstützte Joint Venture den Nachrichtenagenturen Reuters und afp mitteilte. Wie mehrere Medien übereinstimmend berichten, geht man in Rheinland-Pfalz aber bereits fest davon aus, dass die Fabrik in Kaiserslautern nicht gebaut wird.
ACC-Batteriefabrik in Kaiserslautern vom Tisch – „schockt eine ganze Region“
Während ACC erklärte, dass man aufgrund der Produktionsprobleme in Lille ein „mögliches Aus“ der Fabriken in Kaiserslautern und Tremoli mit den Arbeitnehmervertretern verhandeln wolle, macht die rheinland-pfälzische Landesregierung sich offenbar keine Hoffnungen mehr. „Wir bedauern sehr, dass ACC seine Pläne für den Bau von Gigafactories in Deutschland und Italien aufgegeben hat“, teilte sie demnach am Sonntag (8. Februar) auf Anfrage der Rheinpfalz mit. Ein weiterer erheblicher Rückschlag für die Wirtschaft der Großstadt, in der jüngst erst ein Familienbetrieb nach über 100 Jahren die Schließung verkündet hatte.
| Name | Automotive Cells Company (ACC) |
|---|---|
| Gründung | 3. September 2020 |
| Sitz | Bruges, Frankreich |
| Branche | Elektrotechnik, Batterieproduktion |
| Anteilseigner | Stellantis, Mercedes-Benz, Saft (Tochtergesellschaft von TotalEnergies) |
| Mitarbeiter | über 2.000 |
„Während Wettbewerber den Ausbau von Kapazitäten und Innovationen ankündigen, begräbt das Gemeinschaftsunternehmen von Stellantis, Mercedes-Benz und Total seine Pläne und schockiert eine ganze Region“, kritisierte der für Rheinland-Pfalz zuständige Leiter des IG Metall-Bezirks Mitte, Jörg Köhlinger, die Entscheidung laut SWR. Dabei sei man dem Unternehmen weit entgegengekommen. Auch die Landesregierung betonte, dass es an einer mangelnden Unterstützung vonseiten des Landes nicht gelegen haben könne. Bund, Land und EU hätten „für die Realisierung dieser Fabrik erhebliche Mittel in Aussicht gestellt“.
Aus für Batteriefabrik in Rheinland-Pfalz liegt an stockendem Hochlauf der E-Mobilität
Der Grund, warum der geplante Bau der Batteriefabrik in Kaiserslautern bereits mehrfach auf der Kippe stand und jetzt offenbar ganz vom Tisch ist, liegt wie gesagt an dem stockenden Hochlauf der Elektromobilität in Europa. Das bekommen aktuell auch die Anteilseigner Stellantis und Mercedes-Benz zu spüren, die massive Umsatzeinbrüche zu verkraften haben. Die Landesregierung von Rheinland-Pfalz erklärte nun, anderweitige Lösungen für die freie Fläche neben dem Komponentenwerk von Opel finden zu wollen. „Das Ziel von allen Beteiligten in Stadt, Bund und Land ist, den Standort zu stärken.“
Bereits 2024 war auch eine geplante Batteriefabrik im Saarland endgültig eingestellt worden, nachdem sich Anteilseigner ZF Friedrichshafen von dem Projekt zurückgezogen hatte. (Verwendete Quellen: rheinpfalz.de, swr.de, reuters.com, eigene Recherche).