- Der vollständige Artikel von Niklas Golitschek, auf den sich die folgende Kommentar-Analyse bezieht, ist hier verfügbar: Pizzabäcker Mustafa verliert beim Sparkassenraub zum zweiten Mal ein Vermögen
Weit über 3000 Schließfächer wurden ausgeräumt, darunter auch das des Pizzabäckers Mustafa, der erneut sein Vermögen verloren hat. Reporter Niklas Golitschek thematisiert dessen persönliche Geschichte – und letztlich das Gefühl von Unsicherheit und Kontrollverlust vieler Betroffener. In den Kommentaren darunter kristallisieren sich vor allem zwei gegensätzliche Lager heraus: Eine große Gruppe diskutiert die Wirksamkeit und Tücken des Versicherungsschutzes und stellt die Beweislast in Frage, während andere die Entwicklung von Kriminalität und das gesellschaftliche Klima ansprechen. Weitere Stimmen zeigen tiefes Misstrauen gegenüber Sparkassen-Schließfächern, hinterfragen die Anlage in Gold und Schmuck oder betonen die Notwendigkeit von Vorsorge.
Kritik am Versicherungsschutz der Schließfächer
Mit 28 Prozent diskutiert die größte Lesergruppe intensiv, ob Hausratversicherungen tatsächlich für Verluste aus Bankschließfächern aufkommen und wie schwer es im Schadensfall ist, den Inhalt und die Herkunft der Wertsachen nachzuweisen. Viele Kommentierende hinterfragen, ob nicht eine Unterversicherung oder fehlende Dokumentation zu Problemen führt. Es herrscht Unsicherheit, ob Kaufbelege und Fotos ausreichen, und auch die Offenlegung gegenüber dem Finanzamt wird kontrovers betrachtet. Besonders bezogen auf den im Artikel beschriebenen Fall von Mustafa bezweifeln viele, dass die Versicherung vollständig zahlt oder dass die Sparkasse für den vollen Schaden haften muss.
"Ja, man kann sein Schließfach versichern. Aber das Hauptproblem bleibt: Im Schadensfall muss man seinen Schaden nachweisen. Je höher der Schaden, desto geringer die Kulanz. Es wird nicht leicht für die Betroffenen. Andererseits möchte ich auch nicht, dass meine Versicherung teurer wird, nur weil unehrliche Schließfachbesitzer sich bereichern wollen. Eine gute Grundlage für die Erstattung sind Kaufbelege, Fotos etc. Aber auch die allgemeinen Lebensumstände werden geprüft, ob z.B. der angegebene Schaden zur allgemein sichtbaren Hauseinrichtung etc. passen. So jedenfalls war es bei mir. Da ging es aber nur um 20.000 EUR. Bei über 50.000 EUR wird man noch genauer hinschauen." Zum Originalkommentar
"Wie will der Mann seine 50.000 zurückbekommen, wenn die Haftung der Sparkasse auf 10.300 begrenzt ist? Da helfen auch Fotos etc. nicht weiter." Zum Originalkommentar
"Muss man nicht beweisen, dass die Wertsachen zum Einbruchszeitpunkt im Schließfach waren? Genügen Fotos und Quittungen? Was ist, wenn die Sachen gar nicht im Schließfach waren - z.B. woanders oder schon verkauft/verschenkt?" Zum Originalkommentar
Kritik an Sparkasse
Weitere Leser (16 Prozent) bringen ihr Misstrauen gegenüber der Sparkasse zum Ausdruck. Sie hinterfragen die Sicherheitsmaßnahmen der Bank und die Entscheidung, hohe Werte in ein nur bedingt versichertes Schließfach zu legen, wie im Fall von Mustafa beschrieben. Es entsteht der Eindruck, dass die Bank ihre Verantwortung nicht ausreichend wahrgenommen hat oder dass die Haftungsgrenzen generell zu niedrig angesetzt sind. Für manche Kommentierende ist auch das Verhalten der Kunden diskussionswürdig, während andere die Umstände des Raubzugs oder die Professionalität der Täter thematisieren.
"Die Bank hatte eine Hausdurchsuchung, weil sie offenbar nicht die Bereitschaft hatte, alle Angaben über die Inhaber der Schließfächer offenzulegen. Irgendwie auch verständlich. Wer will schon die eigene Kundschaft denunzieren." Zum Originalkommentar
"Ich habe null Vertrauen in die Sparkasse und bin der Erste, der kündigt, wenn sie wieder öffnet. Niemand hat Vertrauen." Zum Originalkommentar
Skepsis gegenüber Vermögensanlage
Ebenfalls 16 Prozent beschäftigen sich kritisch mit dem Sinn einer Vermögensanlage in Gold, Bargeld oder Schmuck – speziell, wenn diese im Bankschließfach liegen. Einige Kommentare fragen, ob solche Anlagen aktuell überhaupt noch sicher oder sinnvoll sind und ob bei höheren Summen Fragen nach Herkunft und Steuern aufkommen sollten. Besonders in Bezug auf den Pizzabäcker und andere Betroffene wird in Kommentaren hinterfragt, warum nicht auf andere Anlageformen zurückgegriffen wurde, etwa Sparkonten oder Aktien.
"Aktien oder Sparkonten scheinen deutlich sicherer zu sein als Geld, Schmuck und Gold im Tresor." Zum Originalkommentar
"Eigentlich möchte ich auf eine Opfer-Täter-Umkehr verzichten, aber ich finde einfach keinen Grund, warum jemand so viel Bargeld (nicht speziell dieser Pizzabäcker, sondern im Durchschnitt) in ein Schließfach packen sollte, das auch noch zwischen 40 € und 200 € pro Jahr kostet, außer dieses vor dem Finanzamt (oder sonst jemandem) zu verbergen. Kann mir jemand einen anderen vernünftigen Grund nennen? Ich bin gegen die Abschaffung vom Bargeld und der Totalüberwachung vom Staat, aber es müssen einige ja 500k und mehr gelagert haben, um auf den Gesamtschaden zu kommen. Und das im relativ armen Gelsenkirchen. Ich kann da die Ironie des Ganzen nicht ganz ausblenden, dass hier vermutlich eine Krähe der anderen das Geld wegnahm..." Zum Originalkommentar
"Frage: Die Frage, warum man legales Bargeld im Schließfach aufbewahrt, darf wohl hier nicht gestellt werden, oder?" Zum Originalkommentar
Kritik an Kriminalität und Sicherheit
14 Prozent der Kommentierenden beschäftigen sich vor allem mit der Entwicklung von Kriminalität und dem Sicherheitsgefühl im Ruhrgebiet. Einige verweisen auf wachsende Einbruchszahlen und eine vermeintlich sinkende öffentliche Sicherheit, wie im Artikel auch von Mustafa wahrgenommen. Es gibt jedoch auch Stimmen, die betonen, dass das Unsicherheitsgefühl teilweise durch Medien oder subjektive Wahrnehmungen geschürt wird und die Kriminalitätsstatistiken tatsächlich eher rückläufig seien. Einig sind sich viele, dass das Stadtbild und das Gefühl von Sicherheit sich stark verändert haben.
"In der Tat ist die Frage, in was für einem Land wir mittlerweile leben, wenn man die steigende Zahl solcher sorgsam geplanter Einbrüche sieht. Einbrüche in Museen, gesprengte Geldautomaten oder auch Einbrüche in Banktresore wie dieser Fall hier. Mit Kleinzeug geben sich die Täter offenbar oft nicht mehr ab, die Gier dieser Tätergruppen scheint stark zuzunehmen." Zum Originalkommentar
Zustimmung zu Versicherung und Vorsorge
13 Prozent betonen, wie wichtig es ist, Werte zu versichern und Belege aufzubewahren. Viele zeigen dafür Verständnis und verteidigen das Vorgehen des Pizzabäckers Mustafa, wie im Artikel beschrieben, gegen Kritik. Hervorgehoben wird, dass selbstständige Unternehmer durchaus einen angemessenen Betrag ansparen können und dass mit ausreichend Dokumentation eine Versicherung Unterstützung leistet. Für diese Leser steht die Eigenverantwortung beim Vermögensschutz im Vordergrund.
"Wo bitte ist das Problem, war doch alles versichert." Zum Originalkommentar
"Warum kommentieren hier so viele, ohne den Bericht vollständig gelesen oder verstanden zu haben? Das Ehepaar hat doch den Schließfachinhalt zusätzlich über die Hausratversicherung mit 50K abgesichert. Wieso ist es so verwunderlich, dass ein selbständiger Pizzabäcker 50K in 20 Jahren ansparen kann und ein Haus baut? Was habt ihr, die daran zweifeln, im Leben nur falsch gemacht?" Zum Originalkommentar
"Vorbildlich, alle Belege da, Bilder gemacht, so muss es sein; alle, die meckern, haben selbst Schuld, wenn sie ein Vermögen einfach so deponieren." Zum Originalkommentar
"Ja, da hätte der Mann einfach seine Schließfachversicherung erhöhen müssen. Bei 100.000 € kostet das 20 € im Monat. Die Summe, mit der die Sparkasse haftet, steht in den Verträgen." Zum Originalkommentar
Sonstige Kommentare
Die restlichen ebenfalls 13 Prozent machen unspezifische oder ironische Anmerkungen, die meist keinen direkten Bezug zu den Kerndebatten oder Argumenten haben. Oft werden Nebenschauplätze, Anekdoten oder humorvolle Einwürfe eingebracht.
"Wer 3000 Fächer in 48 Stunden öffnen kann, gewinnt auch alle olympischen Disziplinen." Zum Originalkommentar
"Mein Mitleid mit reichen Menschen, die bewusst und absichtlich zigtausende Euro in risikoreiches Gold anlegen, welches gestohlen werden kann, hält sich in Grenzen. Ich lege das klein bisschen Geld, welches ich habe, sicher in Sparkonten usw. an. Ja, es gibt weniger Zinsen, also weniger Rendite. Aber es besteht dafür kein Risiko. Wer gierig ist und Risiko spielt, braucht nicht auf Mitleid hoffen und sich wundern, wenn es mal schiefgeht." Zum Originalkommentar
Nach dem spektakulären Raub in Gelsenkirchen stellen viele Leser grundsätzliche Fragen: Reichen Versicherung und Dokumentation als Schutz – oder braucht es mehr Sicherheitsbewusstsein? Wie viel Verantwortung liegt bei Banken, wie viel bei jedem Einzelnen? Diskutieren Sie mit!