Deutschlandweit wüten zurzeit Grippe, Erkältungsinfektionen und sogar der Norovirus. Im Landkreis Weilheim-Schongau sieht es nicht besser aus – doch hier eine Apotheke zu finden, die am Wochenende aufhat, ist teilweise nicht einfach.
Weilheim/Schongau - Genau deshalb ist bereits einigen Weilheimern aufgefallen: Wer an einem Samstagvormittag in einer Weilheimer Apotheke Medikamente oder Gesundheitsmittel kaufen möchte, steht oft vor verschlossenen Türen.
„Die Situation ist in Weilheim gerade wirklich heftig“, bestätigt Dr. Philipp Kircher, Sprecher der Apotheken im Landkreis Weilheim-Schongau. Tatsächlich bieten manche Apotheken im Stadtgebiet samstags keine Öffnungszeiten mehr an.
Apotheken-Sterben nimmt zu
Nach den jüngsten Schließungen der Stadt- und Sonnen-Apotheke bleiben den Bürgern nur noch sechs Alternativen und drei davon bleiben an Samstagen geschlossen. Der Hauptgrund für die verkürzten Öffnungszeiten liegt im viel diskutierten Personalmangel. „Es scheint fast so, als ob Apotheker am Samstag nicht mehr arbeiten wollen“, bedauert eine Angestellte der Ammer-Apotheke. Auch hier hat man samstags zu. Das gilt ebenso für die Bahnhofs- und St.-Pöltner-Apotheke.
Gleichzeitig verschärft sich das Apothekensterben bundesweit. Allein im letzten Jahr mussten 500 Apotheken schließen. Das liegt nicht nur am Fachkräftemangel, sondern auch an zunehmender Bürokratie und geringen Verdienstmöglichkeiten.
Der Bayerische Apothekerverband berichtet, dass sich immer weniger Menschen als Apotheker ausbilden lassen und viele lieber in die Industrie abwandern.
Diese Entwicklung bestätigt auch Andreas Riedrich, Eigentümer der Center-Apotheke in Weilheim.
Wer will samstags arbeiten?
„Die Auflagen werden immer mehr, und die Politik unterstützt uns Apotheker nicht“, bedauert er. Seine Apotheke befindet sich im Kaufland-Center und hat deshalb sechs Tage die Woche geöffnet. „Die Situation ist sehr schwierig, gerade weil wir im Einkaufszentrum natürlich lange Öffnungszeiten haben.“
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Sein Dank gilt seinen Mitarbeitern: „Jeden Samstag bis 20 Uhr zu arbeiten, ist auch nicht jedermanns Sache.“ Eine kleine Anpassung gab es dennoch: Statt wie bisher von 7 bis 20 Uhr zu öffnen, beginnt der Betrieb jetzt erst um 8 Uhr.
Situation auf dem Land ist ernst
In Schongau sieht es etwas besser aus. Alle neun Apotheken im Stadtgebiet haben samstags geöffnet. „Der Bedarf ist einfach da“, erklärt eine Apotheken-Inhaberin im Gespräch mit dem Kreisbote. „Die Leute kommen am Samstag in die Stadt und gehen dann auch gleich zur Apotheke.“ Natürlich spürt man in Schongau auch den Personalmangel. Doch Arbeit am Wochenende sei für viele selbstverständlich. „Das Berufsbild gibt das vor“, so ein weiterer Inhaber.
Riedrich in Weilheim weiß, dass Personal in jeder Branche gesucht wird. Er hofft, dass eine neue Regierung das Apothekensterben ernst nimmt und Lösungen findet. Apotheker sind sich einig: Besonders auf dem Land ist das dringend notwendig. Was Kunden noch etwas hilft ist, dass viele Apotheke inzwischen Medikamente auch nach Hause liefern.
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