Weitermachen, nicht aufgeben. Beim 30. Runden Tisch der im Sozialraum Murnau tätigen Vereine und Institutionen appellierte Felix Burger an die Engagierten, an ihren Ideen und ihrem Einsatz für das Miteinander festzuhalten.
Murnau - Er selbst wolle sich auch in Zukunft gemeinsam mit den Vereinen und Institutionen im Marktgemeinderat einsetzen, trotz Abschied vom Referat. Beim jüngsten Runden Tisch war Burger nämlich „inzwischen lediglich Gemeinderat“, von seinem Posten als Sozialreferent der Marktgemeinde zurückgetreten (wir berichteten). In großer Runde erklärte der Murnauer noch einmal die Hintergründe.
Der Raum im Mehrgenerationenhaus (MGH) war voll. Alle Stühle besetzt. Weitere wurden herangetragen. Rund zwei Dutzend Vertreterinnen und Vertreter sozialer Vereine und Institutionen waren zum 30. Runden Tisch gekommen. Auch Bürgermeister Rolf Beuting nahm Platz und hörte zu, als Felix Burger seien Rücktritt als Sozialreferent erklärte. Er entschloss sich, seine Rede abzulesen. „Wir haben viel gemeinsam bewegt und es hat mir viel Freude bereitet“, sagte Burger. Wie bereits im Marktgemeinderat betonte er, dass die Entscheidung zum Bürgerhaus nicht der Grund war, aus dem er zurückgetreten ist. „Damit kann man leben – das ist Demokratie!“ Der Grund aber hängt durchaus mit dem Bürgerhaus zusammen. Es sei „einzig und alleine die Art und Weise“ gewesen, „wie der Bürgermeister und die Gemeinderäte mit Ihnen und mir in der Causa umgegangen sind“. Diese Art und Weise erläuterte er anhand mehrerer Beispiele. Etwa: „Was einfach gar nicht geht, ist, dass man über Jahre euch alle arbeiten und in den Glauben lässt, dass man das Projekt unterstützt, um es dann derart dem Schein nach demokratisch zu zerlegen.“
Burger tritt zurück, bleibt aber engagiert
Im vergangenen Dezember hatte Burger seinen Rücktritt als Sozialreferent erklärt, mit sofortiger Wirkung. Dafür braucht es jedoch einen Marktgemeinderatsbeschluss. Der erfolgte knapp eine Woche vor dem 30. Runden Tisch. „Ich bin an diesem Posten für den Gemeinderat nicht der richtige Mann und arbeite mich nicht weiter auf“, erklärte Burger der Runde. Der Murnauer ist zwar den Posten los, aber nicht aus der Welt. Er möchte sich weiterhin für den sozialen Bereich einsetzen. „Ich bin für Euch immer erreichbar!“ Auch appellierte er an die Engagierten, „in einem positiven Austausch“ mit Marktgemeinde und Bürgermeister zu bleiben. Und: „Macht weiter so – hier ist etwas Tolles entstanden.“ Burger war den Vereinen und Institutionen für ihr Engagement sehr dankbar, und auch und insbesondere MGH-Leiterin Ursula Lampl, „ohne sie wäre Vieles nicht möglich gewesen“. Für die andere Seite übernahm Lampl die Dankesworte, die sie, sichtlich gerührt, ablas. Burger sei „stets ein verlässlicher Partner“ gewesen und sein Engagement sei weit über das hinausgegangen, „was man erwarten könnte“. Er sei immer mittendrin gewesen, habe nicht nur geredet, sondern auch zugehört und aktiv mitgestaltet. In den vergangenen acht Jahren habe er „das soziale Gesicht unserer Gemeinde entscheidend geprägt“. Was das Bürgerhaus, die „Idee eines zentralen Ortes für Begegnung und Austausch“, angeht, sagte Lampl: „diese Vision wird weiterleben“.
Den Großteil des Abends widmete man aber nicht dem Abschied, sondern dem eigentlichen Zweck des Runden Tisches: Austausch und Vernetzung. Die Engagierten informierten über Aktivitäten ihres Vereins, ihrer Institution. Mehrmals wurde dabei deutlich, dass sich an einem großen Bedürfnis nichts geändert hat. Nach den Ausführungen stellte Burger jedenfalls fest: „Keine Räumlichkeiten oder zu weit weg vom Schuss – die Themen bleiben irgendwie die gleichen. Und da steigt bei mir schon wieder innerlich so ein bisschen der Puls.“ Die Ausführungen von Helga Schraml, Vorsitzende vom Seniorentreff Murnau, führten den Bedarf besonders eindrücklich vor Augen. Der rund 50 Mitglieder zählende Verein verfolgt das Ziel, Senioren, „die meistens allein leben und wenig Kontakte haben, unter Leute zu bringen“, erklärte Schraml. Etwa bei gemeinsamen Essen. Manche würden „nur einmal in der Woche mit uns frühstücken und sonst nicht aus’m Haus gehen, außer zum Einkaufen“, sagte Schraml. Doch die Zukunft des Vereins ist ungewiss. „Vielleicht sind wir am Sterben, weil wir keine Behausung haben, keine finden“. Seit mindestens drei Jahren sei man heimatlos. Die alte Heimat habe man „über Corona nicht halten“ können. Gesucht wird eine zentral gelegene Räumlichkeit, denn fast alle Mitglieder kommen zu Fuß. Eine solche Räumlichkeit findet man aber nicht, oder man kann sich diese nicht leisten. „Es muss gar nichts Tolles oder Großes sein“, betonte die Vorsitzende. „Ein Raum mit Toilette und Gemeinschaftsküche“ wäre ausreichend.
Doch: „Schon langsam gebe ich die Hoffnung auf, was selten bei mir ist.“
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