Atommülltransporte von Jülich nach Ahaus genehmigt: 152 Castor-Behälter sollen auf Schwertransporten quer durch NRW gebracht werden.
Berlin – Einer der größten Straßentransporte von Atommüll seit Jahrzehnten steht in Nordrhein-Westfalen bevor. Das Bundesamt für die Sicherheit der nuklearen Entsorgung (BASE) hat den umstrittenen Abtransport genehmigt. Geplant ist, rund 300.000 Brennelementekugeln aus dem ehemaligen Versuchsreaktor über eine Strecke von etwa 170 Kilometern in 152 Castor-Behältern nach Ahaus zu bringen. Das gab die Behörde bekannt.
152 Castor-Behälter: Regierung genehmigt Atommülltransporte
Nach früheren Angaben des BASE sollen die Behälter per Schwertransport auf der Straße befördert werden. Aus Jülich seien 152 Transporte beantragt worden, die jedoch auch zusammengefasst werden könnten. Für die Beförderung stünden vier geeignete Fahrzeuge bereit, die jeweils einen Behälter transportieren können.
Die Jülicher Entsorgungsgesellschaft für Nuklearanlagen (JEN), die den Transport beauftragt hat, erklärte, dass bislang kein fester Starttermin feststeht. Die Genehmigung enthalte Auflagen, die derzeit geprüft und umgesetzt würden. Zusätzlich seien vor dem Beginn der Fahrten weitere Abstimmungen mit der Atomaufsicht sowie der Polizei in Nordrhein-Westfalen erforderlich.
Bereits vor einigen Wochen hatte das BASE angekündigt, dass Transporte nach Ahaus frühestens ab dem vierten Quartal 2025 möglich seien. Die endgültige Entscheidung liege jedoch bei den zuständigen Landesbehörden, sobald alle Genehmigungen vorlägen. Da es in Deutschland bislang kein Endlager für hochradioaktiven Abfall gibt, wird dieser in insgesamt sechzehn Zwischenlagern aufbewahrt – eines davon befindet sich in Ahaus.
Atommülltransporte: Proteste von Anwohnenden und Kritik von der Gewerkschaft der Polizei NRW
Geplante Atommülltransporte nach Ahaus durch das dicht besiedelte Nordrhein-Westfalen stoßen seit vielen Jahren auf Widerstand von Anwohnern und Umweltgruppen. Ende vergangenen Jahres bestätigte das Oberverwaltungsgericht (OVG) Nordrhein-Westfalen in Münster jedoch die Rechtmäßigkeit der Lagerung in Ahaus. Eine Klage der Stadt Ahaus sowie eines Anwohners blieb ohne Erfolg.
Auch die Gewerkschaft der Polizei NRW (GdP) hatte im Vorfeld deutliche Kritik geäußert und den erwarteten Aufwand als unverhältnismäßig bezeichnet. Nach ihrer Einschätzung würden sich die Transporte von Jülich nach Ahaus auf mehr als 50 Fahrten mit Schwerlast-Lkw verteilen, die voraussichtlich überwiegend nachts stattfinden. Entlang der rund 170 Kilometer langen Strecke wäre dabei ein umfassender Polizeischutz erforderlich.
Der damalige GdP-Landesvorsitzende Michael Mertens sprach im Februar von einer Art „Arbeitsbeschaffungsmaßnahme für die Polizei“ in einer ohnehin angespannten Sicherheitslage. Hinzu kämen erhebliche Risiken durch beschädigte Brücken und marode Straßen, die den Transport zusätzlich erschwerten. (dpa/hk)