Sehr gut kam die „Raunachtmusi“ an, zu der der Verein „Zither und Kontra“ in Arzbach einlud: Dabei wurden Legenden um diese magischen Nächte erzählt.
Arzbach – Sie sind ein Überbleibsel einer wichtigen Reform: Als Ende des 16. Jahrhunderts der Gregorianische Kalender eingeführt wurde, waren auf einmal am Jahresende ein Dutzend Tage „übrig“. Diese zwölf Nächte gehören uns! So sollen es sich die bösen Dämonen vorgenommen haben. Doch die Menschen vieler Kulturen wussten sich zu wehren – mit uralten Ritualen. Den sogenannten Raunächten wird weit über den Alpenraum hinaus eine besondere Bedeutung zugemessen. Was es mit dem Brauchtum in der Zeit zwischen den Jahren auf sich hat, davon berichtete der frühere Kreisheimatpfleger Martin Englert bei der „Raunachtmusi“, zu der der Verein „Zither und Kontra“ in den „Kramerwirt“ eingeladen hatte.
„Raunachtmusi“ in Arzbach mit spannenden Geschichten
Um die wilden Gesellen auszutreiben, räucherte man früher alle Räume und Ställe in Haus und Hof aus und versprengte Weihwasser. „Wir machen es mit Musik“, versprach Erwin Fellner den Besuchern im Saal der Arzbacher Wirtschaft. Der rührige Schriftführer überbrachte die Wünsche des erkrankten Vorsitzenden Josef Müller – und vor allem, dass der mittlerweile 130 Mitglieder zählende Verein auch im dritten Jahr seines Bestehens Volksmusikfreunde für die Pflege und Weiterentwicklung des Brauchtums begeistern kann. Mit der bereits zum zweiten Mal durchgeführten „Raunachtmusi“ ist das nach Einschätzung der Zuhörer und auch Mitwirkenden bestens gelungen.
Martin Englert erzählte spannende Geschichten über die „magischen Nächte“. Da hatten die Geister und Seelen der Verstorbenen Ausgang. Das war selbst den Hunden unter der Eckbank unheimlich, und sie haben deshalb laut Englert „das Winseln aufgehört“. Die Menschen haben versucht, aus den zwölf Nächten eine Vorschau auf das Wetter der kommenden zwölf Monate zu gewinnen. „Der Klimawandel hat neuerdings bei den Lostagen aber gehörig den Wurm reingebracht“, scherzte Englert.
Legende: Am Heiligen Abend fängt das Vieh zu reden an
Laute und leise Töne wechselten sich in den Raunächten ab. Am Heiligen Abend fängt das Vieh zu reden an, hieß es früher im bäuerlichen Umfeld. Und wer in dieser Nacht gar die Kühe verstehen kann, der stirbt im kommenden Jahr – so die düstere Vorhersage. Für einen Blick in die Zukunft gab es laut Englert aber noch weitere überlieferte Rituale.
Jungen Frauen wurde empfohlen, sich nackt auszuziehen und über eine Schüssel mit Wasser zu stellen. So könne das heiratswillige Mädchen das Spiegelbild seines Zukünftigen erkennen. Nur gut, dass es damals noch keine Selfies gab, flachste Erwin Fellner abschließend. Er dankte Martin Englert für dessen reichen Wissensschatz rund um die Raunächte und den Musikanten für ihr fleißiges Aufspielen. Sogar aus dem Raum Ebersberg und aus dem Tegernseer Tal waren die Freunde des Zithervereins in den Isarwinkel gekommen – und griffen gemeinsam bis spät in die Nacht in die Saiten der Zithern und Gitarren.
(Alois Ostler)
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