Russische Kamikazedrohnen bedrohen immer wieder die ukrainischen Städte. Bei der Luftverteidigung setzt die Ukraine vor allem auf Kosteneffizienz.
Kiew – Es sind spektakuläre Bilder: Mit einem lauten Surren kündigt sich am ansonsten tristen Himmel eine russische Shahed-Kamikazedrohne an. Dann ein lauter Knall. Die Drohne explodiert, in alle Richtungen fliegen Trümmerteile, gefolgt vom typischen Brummen der Vulcan-20-mm-Gatlingkanone. Ein ukrainischer F-16-Kampfjet hat das unbemannte Flugobjekt abgeschossen.
Die ukrainische Luftwaffe teilte das Video auf Facebook. Dazu hieß es: „Nein, dies ist kein KI-generiertes Filmmaterial. Dies ist ein echter ukrainischer Pilot in einem F-16-Kampfflugzeug, der auf dramatische Weise eine feindliche Shahed-Drohne über der Ukraine zerstört. Und dies ist bei weitem nicht die erste derartige Abfangaktion…“
F-16-Kampfjet holt russische Kamikazedrohne vom Himmel: Kiew setzt im Ukraine-Krieg auf Kosteneffizienz
Beim Abschuss von russischen Drohnen geht es vor allem um Kosteneffizienz. Eine Shahed-Kamikazedrohne kostet Russland in der Produktion ungefähr 80.000 US-Dollar, wie das britische „Royal United Services Institute“ (RUSI) in einer Analyse schreibt. Eine Patriot-Abfangrakete hingegen hat einen Stückpreis von mindestens vier Millionen Dollar – und ist deutlich aufwändiger in der Produktion. Somit fokussiert sich die ukrainische Luftabwehr auf effiziente Methoden, die billigen und dennoch gefährlichen Shahed-Drohnen abzuschießen.
Quelle: Ukrainische Luftwaffe auf Facebook
Eine dieser Methoden ist das im Video demonstrierte Vorgehen des ukrainischen F-16-Piloten. Die Kampfjets haben leichtes Spiel mit den Drohnen und die Munition für die eingebaute Gatlingkanone des Jets kostet nur rund 25 bis 150 Dollar pro Schuss. Die Vulcan hat eine Feuerrate von 6000 Schuss pro Minute. Eine Sekunde Dauerfeuer bei einem durchschnittlichen Munitionspreis von 85 Dollar kostet somit 8500 Dollar. Billig ist das nicht. Dennoch effizient, wenn man bedenkt, dass die abgeschossene Shahed-Drohne das Zehnfache kostet.
Ukraine arbeitet an „Anti-Drohnen-Kuppel“: Mit Abfangdrohnen gegen Putins Luftangriffe
Russland versucht, durch die unbemannten Flugobjekte die ukrainische Luftverteidigung durch schiere Masse zu überwältigen. Während russischer Luftangriffe greift Wladimir Putins Militär für gewöhnlich auf einige hundert der Kamikazedrohnen zurück und setzt simultan einige Marschflugkörper oder Raketen ein. Dann schaffen es auch die ukrainischen Kampfjets nicht, alle Drohnen abzuschießen.
Aktuell arbeitet die Ukraine an einer „Anti-Drohnen-Kuppel“, um das Land gegen die russischen Angriffe besser abschirmen zu können, wie die Kyiv Post berichtet. Die ukrainische Luftwaffe wolle einen „neuen Ansatz“ versuchen, sagte der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj Ende Januar. Das System solle sich auf mobile Feuergruppen, Abfangdrohnen und andere Kurzstrecken-Verteidigungssysteme konzentrieren.
Seit Februar 2022 hat die Ukraine ihre heimische Drohnenproduktion weiter hochgefahren. Neben konventionellen Luftverteidigungssystemen wie dem amerikanischen Patriot-System setzt die Ukraine immer mehr auf Abfangdrohnen, die russische Marschflugkörper, Raketen und Kamikazedrohnen vom Himmel holen sollen. (Quellen: RUSI/X/Kyiv Post/Eigene Recherche) (sischr)