Merz will unsere Kinder „in die Ukraine schicken“? Miosga entlockt AfD-Chef Chrupalla ein Geständnis
AfD-Co-Chef Tino Chrupalla war bei Caren Miosga in der ARD zu Gast. Von Trump kam man schnell auf Putin und auf fragwürdige AfD-Social-Media-Posts.
Berlin – AfD-Co-Vorsitzender Tino Chrupalla war am Montagabend im ARD-Polittalk von Caren Miosga zu Gast. Eigentlich sollte es in der Sendung um Donald Trump gehen – unter dem Titel „Ist Trump ein Vorbild für Deutschland, Herr Chrupalla?“ Von Trump kam man aber bald auf Russlands Präsidenten Wladimir Putin, Kreml-Propaganda – und Propaganda, die die AfD selbst in den sozialen Medien betreibt.
Man müsse Russland schleunigst wieder in Europa integrieren und „mit Putin den Ausgleich suchen“, sagte Chrupalla in der ARD-Sendung. Putin hat vor vier Jahren einen Krieg in Europa begonnen, als er das Nachbarland Ukraine mit seiner Armee überfiel. Seitdem tobt ein brutaler Krieg mit unzähligen Opfern.
Tino Chrupalla zu Gast bei Miosga: AfD-Chef sieht keine Bedrohung durch Putin
Chrupalla sieht trotzdem Deutschland am Zug: Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) müsse „endlich“ das Gespräch mit Putin suchen, „damit diese Eskalation beendet wird“. Ob ein Gespräch mit Merz Putin dazu bringen würde, sein Kriegstreiben zu beenden, erscheint fraglich. Die vielen Vermittlungsversuche unter der Ägide von Donald Trump – die Chrupalla sehr lobte – führten bisher zu nichts. Im Gegenteil: Russlands Angriffe auf die Ukraine haben an Intensität noch zugenommen.
Viele Experten warnen, dass Putin auch Deutschland und andere europäische Staaten im Visier hat. Bundeswehr-Generalinspekteur Carsten Breuer schilderte zuletzt laut ZDF hybride russische Angriffe durch Spione, Sabotage, Drohnen zur Ausspähung und Desinformation. Chrupalla aber sagte jetzt in der ARD: „Ich sehe aktuell nicht, dass Deutschland von Russland bedroht ist.“
Chrupalla bei Miosga: Moderatorin wirft AfD-Vorsitzendem Kreml-Propaganda vor
Die Moderatorin ließ daraufhin ein Video einspielen, in dem Putin Europa mit der Heraufbeschwörung „der realen Gefahr eines Konflikts mit dem Einsatz von Atomwaffen“ und der „Vernichtung der Zivilisation“ droht. „Glauben Sie ihm nicht?“, wollte Miosga dazu von Chrupalla wissen. „Es zeigt, da ist eine Atommacht“, sagte der nur – „und deswegen könne Putin „im Ukraine-Krieg nicht besiegt werden, weil er eben das letzte Mittel der Atomwaffen hat“.
Die Ursachen für den Ukraine-Krieg hätten außerdem gar nicht mit der Invasion Russlands begonnen – „den ich auch verurteile“, so der AfD-Politiker. Grund für den Krieg sei „ein Stück weit die NATO-Osterweiterung und auch die Androhung von Selenskyj auf der Münchner Sicherheitskonferenz, auch atomar sich zu bewaffnen“. Caren Miosga reagierte fassungslos: „Was Sie da erzählen, ist reine Kreml-Propaganda.“ Chrupalla sah sich durch dieses Argument mundtot gemacht: „Wenn Sie anfangen mit Kreml-Propaganda, wollen sie eigentlich die Fakten und meine Argumente gar nicht mehr hören.“
„Merz will dich in die Ukraine schicken“: Miosga präsentiert Chrupalla AfD-Social-Media-Beitrag
Dass auch die AfD Ängste in Deutschland schürt, demonstrierte Miosga mit einem AfD-Social-Media-Post. Auf dem KI-Bild, das die AfD verbreitete, sind verängstigte Jugendliche zu sehen, über denen ein bösartig grinsender, überdimensionaler Friedrich Merz schwebt. Dazu der Text: „Merz will dich in die Ukraine schicken? Wir nicht!“ Miosga: „Damit schüren Sie Angst unter Kindern, Eltern und Jugendlichen in Deutschland.“
Chrupalla wich aus. Über Social-Media-Bilder könne man immer streiten, der betreffende Post sei „in Teilen“ ansprechbar, wich er aus – woraufhin es erstauntes Lachen im Publikum gab. Chrupalla vielsagend lächelnd. „Allein dass Sie es hier zeigen, damit haben wir doch Ihren Nerv getroffen.“ Miosga konterte: „Wir zeigen es, weil es geschmacklos ist und es widerspricht allen Fakten.“
Merz will Kinder in die Ukraine schicken? Chrupalla muss bei Miosga zugeben, dass das nicht stimmt
Zuvor hatte Caren Miosga eine Bundestagsrede von Chrupalla eingeblendet, bei der er gewettert hatte, die Bundesregierung wolle einen „Spannungsfall provozieren“, um „die Wehrdienstleistenden in der Ukraine einzusetzen“. Chrupalla damals im Parlament: „Wir vertrauen Ihnen unsere Kinder nicht an!“ Caren Miosga wollte nun wissen: „Wann genau soll Friedrich Merz gesagt haben, dass er unsere Kinder in die Ukraine schickt?“ Der AfD-Abgeordnete räumte ein: „Das hat nicht Friedrich Merz gesagt.“ Und flüchtete sich dann in die Corona-Zeit, wegen der man der Bundesregierung nun mal nicht mehr vertrauen könne.
Caren Miosga konfrontierte den AfD-Co-Chef in ihrer Sendung auch mit verschiedenen Ermittlungen, Vorstrafen und zwielichtigen Anstellungsverhältnissen von AfD-Abgeordneten. Chrupalla ließ das an sich abperlen – auch den Hinweis, dass der Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke in einer Rede erneut eine verbotene NS-Parole verwendete, für die er bereits verurteilt worden war.
Einzig bei Enthüllungen über Jobs für Verwandte von AfD-Abgeordneten in Sachsen-Anhalt räumte Chrupalla ein „Störgefühl“ ein: „Es ist möglich und damit nicht rechtswidrig. Aber ja, ich sage Ihnen ganz ehrlich: Ich finde es trotzdem schwierig.“ (Quelle: ARD, ZDF) (smu)