Weiß-blauer Himmel und viel Sonne – mit Kaiserwetter endete das 99. Lechgautrachtenfest in Rott. Höhepunkt war dabei der Festzug mit mehreren Tausend Teilnehmern und Gästen, darunter auch Ministerpräsident Markus Söder.
Rott – Dreimal war der Trachtenverein „D`Rottbachtaler“ Rott bereits Ausrichter des Lechgautrachtenfests. Das vierte Mal als Gastgeber im Rahmen der Rotter Festwoche, in der die Feuerwehr auch ihr 150-jähriges Gründungsjubiläum feierte, sprengte aber alle bisher bekannten Rahmen. „Einfach der Wahnsinn“, zeigte sich sein Vorsitzender Martin Krötz nach dem abschließenden Festzug am Sonntag völlig begeistert.
Über 3200 Teilnehmer mit zahlreichen Festwagen, Musikkapellen und Trommlerzügen marschierten durch die kleine Lechraingemeinde. Rund 4000 Zuschauer standen an den Straßen, winkten und applaudierten den festlich gewandeten Trachtlern. „Vor so vielen Leuten an der Spitze mitzugehen, was gibt es Schöneres“, sagte Krötz höchst zufrieden.
Gleiches galt auch für Franz Multerer. „War das heute ein Erlebnis. Es hat alles geklappt“, erklärte der Lechgauvorstand, der zudem einen besonderen Ehrengast begrüßen durfte. Ministerpräsident Markus Söder saß beim Festzug zusammen mit Landrat Thomas Eichinger und dem Bundestagsabgeordneten Michael Kießling in der Kutsche. „Das ist eine große Ehre, dass der Ministerpräsidenten unseren kleinen Gau besucht“, freute sich Multerer.
Söder ließ es sich nicht nehmen, nach dem Umzug ein kurzes Grußwort zu sprechen. „Bayern ist das schönste Land der Welt, weil wir eine Kultur haben, die es nirgendwo gibt, und für die stehen Sie alle“, lobte er die Trachtler für ihr Engagement für das Brauchtum, ehe er sich mit dem Defiliermarsch und zahlreichen Selfies mit Besuchern verabschiedete.
48 Gruppen aus dem ganzen Lechgau, der von Landsberg Richtung Süden geht und Vereine auch aus den Landkreisen Ostallgäu wie Westendorf und Weilheim-Schongau wie Hohenpeißenberg, Schongau und Burggen umfasst, waren zuvor durchs Dorf gezogen. Dazu kamen benachbarte und befreundete Trachtenvereine aus anderen Gauen. Mit dabei hatten sie zahlreiche Motivwagen.
„Unglaublich eindrucksvoll“, bekannte eine ältere Dame am Straßenrand, als wieder eine Gruppe in ihren festlichen Trachten sauber in Reih und Glied von jung nach alt sortiert an ihr vorbeigezogen war. „Das ist gelebtes Brauchtum, einfach beeindruckend“, ergänzte ihr Nachbar, um fleißig winkend die Zugteilnehmer zu grüßen.
Lob vom Ministerpräsidenten
Angesichts der Zuglänge gab es beim Rückmarsch ins Festzelt einen längeren Gegenzug, was die Trachtler und Musikkapellen aber routiniert lösten, indem sie einfach die Abstände verringerten und so den „Gegenverkehr“ ermöglichten. Kurz vor dem Festzelt marschierten schließlich alle an der Ehrentribüne vorbei, auf der Martin Krötz jeden Verein vorstellte.
„Die Brotzeit habt ihr euch verdient“, meinte danach Ministerpräsident Söder im Zelt, das aus allen Nähten platzte. Auch im Biergarten im Freien waren kaum noch Plätze zu bekommen. Die Trachtler zeigten indessen Ausdauer. Nach dem über einstündigen Festzug präsentierten sie auf der Innen- und Außenbühne noch zahlreiche Tänze, ehe das Lechgautrachtenfest am Abend mit der Trachtenkapelle vom Patenverein aus Peiting ausklang.
Die Feierlichkeiten waren am Vormittag mit einem Kirchenzug zum Sportplatz eingeläutet worden, auf dem der Festgottesdienst mit einer Fahnennachweihe stattfand. Die Fahnenabordnungen rund um die Bühne mit dem Altar boten dabei ein prächtiges Bild für die über 1000 Gottesdienstbesucher, die zudem einen unvergesslichen Ausblick genossen. „Was für ein wahnsinniger Hintergrund mit dem ganzen Alpenpanorama“, schwärmte Gauvorstand Franz Multerer.
In seiner Predigt betonte Pfarrer Michael Vogg den hohen Stellenwert der Trachtenbewegung. „Die Tracht ist der sichtbare Ausdruck von Heimat, Identität, aber auch Stolz und Glauben. Brauchtum ohne Glauben ist Museumsglauben.“ Multerer lobte die Veranstaltung als „Fest, das unsere Gemeinschaft feiert“.
Tracht sei nicht nur Kleidung, sie sei ein Erbe unserer Vorfahren, ergänzte er, um danach klarzustellen, dass er für seine Rede keinen Applaus will. „Weil sie die KI geschrieben hat, nachdem ich nur einen Satz eingegeben habe“, ließ er aufhorchen. „Hier im Fest ist aber nichts künstlich, hier ist alles echt“, fing er die Gottesdienstbesucher aber schnell wieder ein, um mit einem Lob an die Gastgeber zu schließen. „Die Rottbachtaler haben sich sehr große Mühe gegeben und das hat sich bezahlt gemacht.“