Es ist das Ende einer Verbindung, die seit mehr als 100 Jahren Bestand hat: Die Pallottiner verlassen Freising. Die Gründe sind einleuchtend, doch vor Ort bleibt ein Stück Resthoffnung.
Freising – Seit 1919 wirken die Pallottiner in Freising. Neben spirituellen Angeboten, Gottesdiensten und seelsorgerischer Tätigkeit leiten sie das Bildungs- und Tageszentrum für kirchliche und weltliche Fortbildung. Doch dieses mehr als 100-jährige Wirken in Freising geht nun zu Ende.
Auf FT-Nachfrage bestätigt die Provinzverwaltung Gerüchte, dass die Gemeinschaft die Domstadt verlässt. „Richtig ist, dass die Pallottiner die Kommunität in Freising im Sommer schließen wird“, teilt Provinzökonom Pater Rainer Schneiders mit. „Die Mitbrüder, die jetzt dort wohnen, werden zumeist an anderen Orten Aufgaben übernehmen oder ihr Alter dort verbringen. Sie gehen in andere Häuser der Pallottiner.“
Grund für die Entscheidung ist, dass die Zahl der Mitbrüder in Deutschland – ganz im Gegensatz zu Afrika – immer kleiner wird. Jährlich würden hierzulande rund 10 bis 15 Mitbrüder sterben, auf der Gegenseite stehe lediglich ein Novize, erklärt Schneiders. „Da ist klar, dass die Gemeinschaft älter wird, schrumpft und weniger Arbeit übernehmen kann.“
Nach längeren Beratungen hat die Provinzverwaltung einen Beschluss gefasst. Demnach bleiben lediglich vier Standorte der Pallottiner in Deutschland erhalten: Friedberg, Limburg, Vallendar bei Koblenz und Schloss Hersberg in Immenstaad am Bodensee. „Dass Freising nicht dazugehört, ist zweifelsohne sehr schade, aber schlicht und ergreifend eine Konsequenz aus der Lebenswirklichkeit religiöser Gemeinschaften.“
Das Pallottihaus soll allerdings als Tagungshaus weiterbestehen. Eigene Seminare seien zwar nur sehr begrenzt möglich, weil es eben an Personal fehle, berichtet Schneiders. „Sehr wohl können aber andere Träger das Haus belegen, und wir stellen den Service in Übernachtung, Verpflegung der Teilnehmer und Tagungsraum.“ Ob der Betrieb auch dann weitergeführt werden könne, wenn das Seminar am Domberg wieder öffne, müsse man sehen.
Pater Christian Stumpf (53), der seit 2016 als Rektor des Pallottihauses und als Pfarrvikar in Freising wirkt, berichtet dem FT vom Stimmungsbild vor Ort. „Für viele Menschen hier sind die Pallottiner wichtig“, sagt er. „Sie sind verunsichert, wie es weitergeht. Auch Stadtpfarrer Daniel Reichel ist traurig. Aber wir werden nicht jünger.“
Bei den sechs verbliebenen Patres in Freising würden gemischte Gefühle vorherrschen. Während die einen sich in die Seniorenresidenz der Pallottiner zurückziehen wollen – der älteste Freisinger Pater ist 98 Jahre alt –, erwarten die anderen neue Aufgaben, etwa in Malawi. Für Stumpf etwa geht es nach Friedberg. „Bei mir war aber bereits klar, dass für mich in Freising nach drei Amtszeiten Schluss sein würde.“
Gedanken macht er sich vor allem um den 82-jährigen Pater Müller, der gerne in Freising bleiben würde – entweder im Pallotti-Haus oder in einer Privatwohnung. „Ich kann ihn verstehen, weil er seit über 30 Jahren hier ist und hier viel bewegt hat. Da schuldet ihm die Gemeinschaft auch Dankbarkeit“, betont Stumpf. „Zugleich haben wir aber auch Verantwortung, dass es ihm gut geht, wir wollen keinen Mitbruder allein zurücklassen.“
Auf Letzteres weist auch Schneiders hin. „Wir leben als Gemeinschaft, und grundsätzlich ist es nicht unsere Lebensform, dass Mitbrüder einzeln wohnen.“ Aktuell überlegt die Provinzverwaltung, wie die leer werdenden Zimmer der Mitbrüder künftig genutzt werden sollen. Denkbar seien Familien- oder Studentenzimmer. Man prüfe das behördlich.
Am 1. März wird das Oberhaupt der Pallottiner, Provinzial Pater Markus Hau, in Freising erwartet. „Er kommt, um Sorgen und Vorschäge zu hören“, sagt Pater Stumpf, der die Lage in Freising mit einer kleinen Portion Resthoffnung noch als „beweglich“ erachtet. „Nach über 100 Jahren hat man schließlich eine Verantwortung für den Standort.“