Abschied von Pallottinern: Gläubige kämpfen mit Petition um den Verbleib von Pater Jörg Müller

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. Freising
  4. Freising

Kommentare

Mit einer Unterschriftenaktion wollen die Gläubigen erreichen, dass Pater Jörg Müller im Pallottihaus bleiben kann. © Lorenz

Der beliebte Pater Jörg Müller soll das Pallottihaus Freising verlassen, nachdem dieses umstrukturiert wird und die Patres versetzt werden sollen. Die Gläubigen wehren sich mit einer Unterschriftenaktion dagegen.

Freising – Der Andrang zur Sonntagsmesse in der Pallottinerkirche war wie gewohnt groß, doch die Stimmung war gedrückt. Der Grund: Ab dem Sommer soll das Pallottihaus umstrukturiert werden, die dort noch wohnenden und arbeitenden Patres werden unter anderem in andere Niederlassungen versetzt. Unter ihnen Pater Jörg Müller, der immer ein latent Unbequemer im positiven Sinn war und häufig für Überraschungen im Kirchenalltag gesorgt hat, wie etwa mit der jährlichen Fastnachtpredigt und einer Vorliebe für das Kabarett. Seit 35 Jahren lebt Müller in Freising, ist der dienstälteste und im Landkreis einer der bekanntesten Pallottiner-Pater. Auch er soll nun seine Koffer packen.

Seit 35 Jahren lebt Pater Jörg Müller in Freising. Nun soll auch er im Zuge der Auflösung der Pallottiner-Gemeinschaft seine Koffer packen.
Seit 35 Jahren lebt Pater Jörg Müller in Freising. Nun soll auch er seine Koffer packen. © Lorenz

Zwar könne der inzwischen 83-Jährige auf eigenen Wunsch in Freising bleiben, allerdings nicht im Pallottihaus. Ganz abgesehen von den hohen Mietpreisen kann Jörg Müller aber nicht verstehen, wie das funktionieren solle. „Ich sperre die Tür auf, wenn nachts die Gäste ihre Schlüssel vergessen haben, wenn sie Hilfe brauchen oder im Schadensfall ein anderes Zimmer beziehen müssen“, erklärt Müller dem FT. Währenddessen stehen immer noch zahlreiche Menschen vor der Petition Schlange, kopfschüttelnd und sichtlich verzweifelt. Denn es geht ja nicht nur um das Aufsperren des Pallottihauses, sondern vor allem um die Gottesdienste, die Müller hält.

Weil Müller für die Sonntagsmessen, für Gespräche und Beichten dringend dort gebraucht wird, haben die Gläubigen nun eine Petition gestartet, um sich einer drohenden Auflösung der Gottesdienstgemeinde entgegenzustemmen. In der Petition ist zu lesen: „Wir hörten, dass Pater Jörg Müller uns nur dann erhalten bleibt, wenn er außer Haus wohnt. Wie soll er dann aber verfügbar sein für die Belange im Haus? Uns erscheint das wenig sinnvoll.“ Müller selbst will nicht aufgeben und verweist im Gottesdienst auf einige wichtige Termine, bei denen dieses Thema noch einmal angesprochen werden soll – bevor er seine Schäfchen mit einem Witz aus der Messe entlässt: „Vielleicht ist mein Alter, ich bin ja schon 83, Grund für dieses Exil“, mutmaßt Müller und ergänzt: „Mein Verfallsdatum ist aber noch nicht erreicht.“