Zu alt für eine Katze? Witwe aus Mittenwald kritisiert Tierheim

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Ein Herz und eine Seele: Bettina Brandner und ihre Katze Sissi. © Peter Kornatz

Gar nicht gut zu sprechen ist eine Mittenwalderin auf das Tierheim Garmisch-Partenkirchen. Dort soll ihr trotz bester Referenzen eine Katze vorenthalten worden sein. Angebliche Begründung: Bettina Brandner (76) sei zum einen zu alt, zum anderen wohne sie an einer stark befahrenen Straße.

Mittenwald – Da haben zwei zueinandergefunden: Bettina Brandner sitzt in der guten Stube auf ihrer blauen Couch und streichelt ihre Sissi. Seit einem Monat bereichert die zweijährige Katze das Leben der 76-jährigen Witwe. Und es scheint, dass Mensch und Tier ihr Glück gefunden haben. „Mein ein und und alles“, schwärmt die Schwiegertochter des verstorbenen Altbürgermeisters Josef Brandner (1917 bis 2005).

Ihren Stubentiger hat die Mittenwalderin im Tierheim Innsbruck-Mentlberg entdeckt und ins Herz geschlossen. Doch warum fuhr die gelernte Krankenschwester dazu überhaupt nach Tirol? Schließlich gibt es in der Schmalenau in Garmisch-Partenkirchen ebenfalls eine weithin bekannte Einrichtung mit gutem Ruf.

Trotzdem würde ich einer 80-Jährigen kein Hundewelpen geben.

Dort ist Bettina Brandner nach eigener Auskunft schlichtweg abgeblitzt. Eine Mitarbeiterin soll ihr mitgeteilt haben, für einen weiteren Vierbeiner sei sie zu alt. Ferner liege ihr Haus am Dekan-Karl-Platz mitten im Ort an einer zu stark befahrenen Straße. Der Fall liegt knapp drei Jahre zurück, doch der Ärger darüber ist bis heute nicht verpufft. Jetzt möchte die 76-Jährige ihren Fall an die Öffentlichkeit bringen.

Was wiederum bei Tessy Lödermann (67), Vorsitzende des federführenden Tierschutzvereins des Landkreises Garmisch-Partenkirchen, für Kopfschütteln sorgt. „Ich find’s einfach unfair.“ Damit zielt die ehemalige Landtagsabgeordnete der Grünen auf den zeitlichen Faktor. Die Causa Brandner sei ihr „nicht geläufig“, davon hört sie zum ersten Mal. Kein Wunder: „Bei 800 Vermittlungen und 1300 Tieren pro Jahr.“

Eine dieser erfolgreichen Vermittlungen, von denen Lödermann spricht, gab es übrigens auch am 6. Januar 2018 im Garmisch-Partenkirchner Tierheim mit Bettina Brandner. Kurz zuvor hatte sie nach kurzer, schwerer Krankheit ihren Mann Sepp zu Grabe getragen.

„Da war ich plötzlich ganz allein im Haus“ – die Tochter in München, der Enkel bei der Bundeswehr. Also setzte sich die Witwe mit Christine Sprenger, der damaligen Vorsitzenden des Tierschutzvereins Mittenwald, in Verbindung. Kurze Zeit später brachte Brandner vom Tierheim an der Schmalenau den dreijährigen Kater Oskar mit nach Hause. Zuvor hatte die Mittenwalderin ihr Eigenheim mit großzügigem Garten tiertauglich gemacht: Katzenleiter beziehungsweise -klappe. „Alles ist da, sogar die Balkontüre habe ich ändern lassen“, erzählt Brandner. „Das war ein ganz schöner Aufwand.“ Doch was tut man nicht alles fürs Tierwohl. Allein 2000 Euro an Veterinärskosten musste sie hinblättern, als Oskar plötzlich schwer erkrankte. Letztlich vergebens. Am 19. November 2020 musste der Kater von seinem Leiden erlöst werden. Diesen Tag vergisst Bettina Brandner nie.

Nun war sie wieder allein. „Ich habe lange mit mir gekämpft.“ Letztlich war der Wunsch nach einem vierbeinigen Freund größer. Aber sechs Jahre später galt sie in ein und demselben Tierheim offensichtlich nicht mehr als vermittelbar. Also ging’s nach Tirol. Schnell fand die Mittenwalderin dort die extrem scheue Sissi, die sofort einen Draht zum bayerischen Frauchen fand, was selbst die Pflegerin in Staunen versetzte. Nach einer Tollwut-Impfung, drei Wochen Quarantäne und mit einem EU-Pass ging’s für die Katze schließlich am 5. Januar 2024 nach Mittenwald.

Geimpft, kastriert, gechipt

Offenbar gelten jenseits der Landesgrenze andere Regularien. In Deutschland sind dagegen die deutschen Tierheim-Richtlinien Gesetz – und auch im Asyl an der Schmalenau klare Arbeitsanweisung. Laut Tessy Lödermann geht man bei einer Tier-Vermittlung immer nach dem selben Schema vor: Beratung – Kontakt Mensch/Tier – Selbstauskunft – Platzkontrolle – Impfpass plus Abgabevertrag. Und natürlich gebe es in Garmisch-Partenkirchen keine Altersbegrenzung, versichert die Vorsitzende. „Trotzdem würde ich einer 80-Jährigen kein Hundewelpen geben.“ Und zwar aus rein biologischen Gesichtspunkten. Denn bestenfalls sollten Herrchen oder Frauchen ihr Haustier überleben. „Das hat nichts mit Diskriminierung zu tun“, sondern basiert unter anderem auf Erfahrungswerte. „Wir sind doch froh, wenn wir vermitteln können, sonst könnten wir bereits im März zusperren“, verdeutlicht Lödermann. Stand heute warten im Tierheim allein 70 Katzen – alle geimpft, kastriert und gechipt – auf Abnehmer, 300 Tiere sind’s insgesamt – inklusive der 36 Hamster, die frisch dazugekommen sind.

Mit anderen Worten: Das Tierheim in Garmisch-Partenkirchen braucht mehr denn je Tierfreunde mit ehrlichen Absichten. Und sollte tatsächlich jemand wie Bettina Brandner schlechte Erfahrungen dort machen, so Lödermann, „dann besteht immer noch die Möglichkeit, mit mir zu sprechen“.

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