Die Tafel Holzkirchen blickt auf 20 Jahre voller Veränderungen zurück. Die ersten Lebensmittelausgaben fanden noch ohne feste Räume statt. Heute ist die Tafel ein gut organisierter Verein.
Holzkirchen – Mit vielen Gästen und Wegbegleitern hat die Tafel Holzkirchen ihr 20-jähriges Bestehen gefeiert. Im Juli 2005 begann die Arbeit – damals noch ohne feste Räume, ohne Transporter, mit viel Improvisation und privatem Einsatz. Zwei Jahrzehnte später unterstützt der Verein mit mehr als 80 Helfern rund 200 Menschen regelmäßig mit Lebensmitteln.
Von den Anfängen bis heute
„Am Anfang waren wir 15 Ehrenamtliche und haben etwa 20 Haushalten geholfen“, erinnert sich der heutige Vorsitzende Gerhard Berberich im Gespräch. Inzwischen sei die Nachfrage spürbar gestiegen. Besonders deutlich habe sich das während drei Krisen gezeigt: der Flüchtlingswelle 2014/15, der Corona-Pandemie und dem Krieg in der Ukraine. Dazu komme die zunehmende Altersarmut. Auch gesellschaftliche Veränderungen hätten die Situation verschärft.
Schon 2005/2006 konnte die Tafel erstmals eigene Räume nutzen, wenig später folgte ein Transporter, 2009 dann das erste Kühlfahrzeug. Heute verfügt die Organisation über zwei Kühltransporter und deutlich größere Lagerräume, die von der Gemeinde bereitgestellt wurden. Finanziert wurden die Ausstattung und zusätzliche Kühlzellen in den vergangenen Jahren durch Spenden und Fördermittel, unter anderem von der Deutschen Fernsehlotterie.
„Lebensmittel retten, Menschen helfen“
Das Motto der Tafel „Lebensmittel retten, Menschen helfen“ ist nach wie vor Leitgedanke. Für Berberich verbindet sich darin soziale Unterstützung mit dem Kampf gegen Verschwendung. Mit dem gesparten Geld könnten Familien kleine Extras ermöglichen. Gleichzeitig biete die Ausgabe auch einen Treffpunkt: „Einmal pro Woche, hier samstags, sind die Personen nicht allein, sondern unter Menschen.“
Wandel bei den Spenden
Die Versorgungslage hat sich allerdings verändert. Während früher vor allem Supermärkte spendeten, sind deren Beiträge durch digitale Warenwirtschaftssysteme und knapper befüllte Regale zurückgegangen. Zunehmend kommen daher Direktspenden aus der Industrie, etwa von der Molkerei Berchtesgadener Land, Gustavo Gusto oder der Nürnberger Firma HoWe Wurstwaren, die große Mengen liefert.
Digital und zukunftsorientiert
Ein weiterer Schritt war die Kooperation mit dem Logistikkonzern Dachser, der der Tafel Deutschland seine Strukturen zur Verfügung stellt. Lebensmittelspenden können so professionell gebündelt und bundesweit verteilt werden – auch Holzkirchen profitiert von der besseren Vernetzung. Auch intern hat sich viel verändert. „Früher waren wir mit Block und Zettel unterwegs, heute fährt niemand mehr ohne Tablet“, berichtet Berberich. Digitale Abläufe seien anfangs eine Umstellung gewesen, inzwischen aber selbstverständlich.
Trotz vieler Fortschritte blickt Berberich mit mancher Sorge in die Zukunft. Die Altersarmut werde zunehmen, die Schere zwischen Arm und Reich gehe immer weiter auseinander. „Das wird uns auch in Zukunft intensiv beschäftigen“, sagt er. Zugleich betont er, dass sich die Tafel Holzkirchen mit ihren engagierten Helfern und der neu gegründeten Tafeljugend gut für die kommenden Jahre aufgestellt sehe – nicht zuletzt dank der Unterstützung von Spendern, Sponsoren und der Rückendeckung durch die Tafel Bayern und die Tafel Deutschland.