Duftendes Vollbad im Barock - Rathauskonzert Landsberg

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Meisterschaft beim Rathauskonzert (v.l.) Kumiko Yamauchi, Francesco Galligioni, Diego Cantalupi und Sergio Azzolini. © Greiner

Stress, Hektik, Überforderung? Ihr Arzt und Apotheker empfiehlt Ihnen Barockmusik. Gespielt von einem fantastischen Ensemble, idealerweise auf Instrumenten in tiefer Stimmung. Der Blutdruck sinkt, Entspannung macht sich breit und öffnet das Ohr für wahren Genuss – die Reise in die Ruhe mit „Azzolini & Friends“ beim Rathauskonzert.

Landsberg - Es ist das letzte Konzert der Reihe in diesem Jahr. Und es ist ein Paukenschlag – aber ein ganz sachter. Das liegt auch am Hauptdarsteller, Sergio Azzolini. Seine Leidenschaft: das Fagott. Er hat es erforscht, das Moderne, aber vor allem das Barocke. Hat nach historischen Instrumenten gesucht und sie gefunden, um den historischen Klang zu erfahren. Hat sich die historische Spielweise der Barockmusik wie eine zweite Haut übergestreift. Und präsentiert das Instrument im völlig neuen Klangerlebnis.

Der sachte Paukenschlag mit Sergio Azzolini beim Landsberger Rathauskonzert

Dazu trägt auch die tiefe Stimmung bei, wie Franz Lichtenstern, mit Christoph Hartmann Kurator der Konzertreihe, in seiner Einführung klarmacht. 415 Hertz statt443, „da wird aus dem heutigen a fast ein as.“ Wobei es noch tiefer geht, weiß Lichtenstern: „In Rom spielte man mit 396 Hertz. Das ist dann ein ganzer Ton tiefer.“

Nicht nur die Stimmung, auch der Charakter ist ein ganz anderer: Das Barockfagott, wegen weitaus weniger Klappen weitaus diffiziler zu spielen, ist weicher, rauer. Die Laute, gespielt von Diego Cantalupi, holt südliches Flair dazu – heute verbindet man deren Klang beispielsweise mit der griechischen Bouzouki. Das Barockcello von Francesco Galligioni ist wohl eine umgebaute Bassgambe, vermutet Lichtenstern, wegen der riesigen Schnecke. Instrumentenrecycling also. Und die „Viola d‘amore“, die Kumiko Yamauchi zum Klingen bringt, hat sieben Saiten statt den ‚normalen‘ vier. Und unten drunter liegen Resonanzsaiten – die immer mitklingen.

Das Programm dominiert Telemann. Doch selbst die oft sattsam bekannten Harmonien des Viel-Komponisten bekommen hier neue Farben. Allem ist ein warmer Dämpfer aufgesetzt, der den Klang vibrieren lässt. Die Rhythmik der drei gespielten Sonaten erscheint freier. Und äußerst schwelgerische Sätze wie beispielsweise das Soave der Triosonate in F-Dur mit seinen schreitenden Vierteln und singenden Themen wirken sanfter durch die von der Geige fast im Pizzicato gespielten Töne.

Wenn vier „manieriert“ das Barock meistern: Das letzte Landsberger Rathauskonzert in diesem Jahr

Auch das Programm ist perfekt gewählt: abwechslungsreiche Formationen, vom Soli bis zum Quartett. Das Lautensolo mit Giovanni Zambonis Ciaccona, mit Zweistimmigkeit und den im Barock so beliebten – und auch geforderten – Verzierungen wie Triller, Triolen, Dreiklänge, sogenannte „Manieren“, nicht in konkrete Ausführungen eingemauert, sondern ad libitum für den Interpreten – und dessen Können. Das Concerto von (eventuell) Fasch `4, ein wahres Bad im Barock. Oder Plattis

Herausragend ist Yamauchis Interpretation von Bibers Passacaglia Nr. XVI aus den Rosenkranz-Sonaten: Wie die im Barock beliebte La Follia besteht die Passacaglia aus einem Thema in zahlreichen Variationen, ganz unter dem Motto: Wie viel kann ich aus vier absteigenden Tönen herausholen? Dazu kommen weitere „Melodie-Fußnoten“, deren Zusammenspiel Yamauchi zu einem Hörgenuss zaubert.

Das Publikum im ausverkauften Festsaal wusste die Qualität des Abends zu schätzen – und holte sich mit begeistertem Applaus noch eine Zugabe.

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Информация на этой странице взята из источника: https://www.merkur.de/lokales/landsberg-kreisbote/duftendes-vollbad-im-barock-rathauskonzert-landsberg-94041491.html