Start der Landsberger Rathauskonzerte: Ungehörtes aus Japan

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Das Philharmonische Oboen Quartett: (v.l.) Krzysztof Polonek, Walter Küssner, Christoph Hartmann, Clemens Weigel. © Greiner

Das Rathaus leuchtet wieder lila: Zum Saisonstart der Landsberger Rathauskonzerte gab es ;odernes aus Korea und eine Uraufführung aus Japan.

Landsberg – Stau Richtung Landsberg. Wenn der Cellist eines Quartetts nicht rechtzeitig zur Lechstadt vordringen kann, fordert das Kreativität in der Programmgestaltung. So startete der Saisonauftakt der Rathauskonzerte am Sonntagabend mit herausfordernd modernen Solo-Oboen-Klängen – statt lieblichem Mozart-Quartett.

Saisonauftakt Landsberger Rathauskonzerte: Meditatives neben verspielten Mozartklängen

Die Piri ist eine Oboe – auch wenn sie an eine Bambusflöte erinnert. Aber auch sie hat ein Doppelrohrblatt, deutlich breiter als das der Oboe. „Die Piri wird ausschließlich in der sakralen Musik verwendet“, informiert Christoph Hartmann, zusammen mit Franz Lichtenstern Leiter der Rathauskonzerte, bevor er das Stück des Koraners Isang Yun anstimmt. Ein Stück, das nicht die Melodie, sondern den Ton an sich als Musik denkt: seine Dynamik, Klangfarbe, Länge. Hartmann entwickelt Töne mit Crescendo, starkem Vibrato, nahezu eiernd, Töne, in denen die Nebenklänge hörbar mitschwingen. Akustik, die sich aus der Tiefe hervorarbeitet, um in der Stille zu verschwinden. Meditative Musik, die den Abend mit Ungehörtem einleitet.

Ungehörtes ans Ohr zu bringen ist die Absicht des Philharmonischen Oboen Quartetts, in dieser Form aus den Landsberger Sommermusiken vor neun Jahren entstanden. Auslöser war eine Quartettversion der „Zauberflöte“, die Hartmann mit seinen Kollegen der Berliner Philharmoniker – Luiz Filip Coelho (Geige), Walter Küssner (Bratsche) und Clemens Weigel am Cello – damals spielte. Beim Rathauskonzert vertritt Krzysztof Polonek Coelho, Konzertmeister der Berliner Philharmoniker.

Neben Mozarts Flöten-Quartett in D-Dur und dem Oboen-Quartett F-Dur, in denen Hartmann mit dem spielerisch leichten, in den langsamen Sätzen schwelgerischen Ton seiner Oboe fasziniert, steht auch Beethovens Streich-Trio op. 9 in G-Dur auf dem Programm: ein Werk, das in Virtuosität und Einfallsreichtum zwischen Kammer- und Konzertmusik schwankt. Meint man, bei Mozart dem Vortrag eines Instrumentes zu lauschen, mutet Beethovens Trio wie ein Streitgespräch an. Mit virtuosen Läufen, die Polonek nach dem ‚behäbigem‘ Adagio meistert, mit zahlreichen Themeneinfällen vom Liedhaften hin zum Sinfonischen, mit verspielten Barockanklängen neben ersten Abzweigungen zur Romantik.

Start der Landsberger Rathauskonzerte mit Uraufführung von Nishizawa

Herausragend an diesem Abend ist die Uraufführung eines Oboenquartetts des zeitgenössischen, japanischen Komponisten Kenichi Nishizawa, für Hartmann und Co. komponiert: ganz klassisch im ersten Ton, bevor sich ‚Fehlfarben‘ einmischen, die auf moderne Musik verweisen. Ungewohnte Modulationen gestalten die teils an Programmmusik erinnernde Komposition, Prokofjews „Peter und der Wolf“ schwingt mit – und ein ironisches, dabei nie abwertendes Zwinkern gegenüber klassischen Elementen – in denen wiederum Mozarts Quartette und Beethovens Trio anzuklingen scheinen.

Die vier meisterhaften Musiker werden mit jubelndem Beifall belohnt – und verweisen in ihrer Zugabe an die Anfänge: mit „Der Hölle Rache“, der „Königin der Nacht“-Arie und einem strahlend dreigestrichenem Oboen-F.

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