Kritik an Multifunktionsprojekt Ortsmitte Penzing: „Kein Papierbach 2.0“

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Drei Boardinghäuser und ein Multifunktionsbau mit Gastronomie wären für die neue „multifunktionale Ortsmitte“ in Penzing geplant. © Architekturbüro Birnthaler

Zum zweiten Mal hat sich der Penzinger Gemeinderat mit Plänen für ein Bauprojekt im Ortskern beschäftigt. Stieß das Vorhaben vor einem halben Jahr noch auf ungeteilte Zustimmung, wurden jetzt Bedenken laut.

Penzing – Für das „Multifunktionsprojekt Ortsmitte Penzing“ soll ein vorhabenbezogener Bebauungsplan aufgestellt werden. Der Vorhabenträger möchte ein Boardinghouse – bestehend aus drei über Laubengänge miteinander verbundenen Gebäuden – sowie ein weiteres Gebäude mit Gastronomie, Fitness- und Wellnessbereich, Büroräumen und bis zu 75 Wohnungen errichten. All dies soll auf drei Grundstücken zwischen der Fritz-Börner- und der Pfettenstraße realisiert werden, wobei auf einem der Grundstücke noch kein Baurecht besteht.

Multifunktionsprojekt Ortsmitte Penzing: Höhe der Gebäude in der Kritik

Im Dezember hatte der Gemeinderat die Aufstellung eines vorhabenbezogenen Bebauungsplans beschlossen. Den ersten Entwurf dazu präsentierten nun Armin Hild und Christian Pacholke vom Büro Dragomir Stadtplanung. Während Bürgermeister Peter Hammer (CSU) von einem „guten Aufschlag“ sprach, kamen aus dem Gremium kritische Fragen. So wollte Georg Geisenberger (Bürgerblock Oberbergen/BBO) wissen, was passiert, wenn das angekündigte Gewerbe, also etwa die Gastronomie, doch nicht komme. „Wird es dann 100 Prozent Wohnnutzung, wie am Papierbach in Landsberg?“ Während Hild dies für möglich hielt, erwiderte Hammer, man werde es zu verhindern wissen und dafür sorgen, dass in Penzing kein „Papierbach 2.0“ entstehe. „Wir wollen vielfältige Mehrwerte.“

Kritik gab es auch an den Dimensionen der Gebäude. Das höchste ist mit einer Firsthöhe von 19 Metern geplant, die aber, wie Zweiter Bürgermeister Manfred Schmid (CSU) anmerkte, aufgrund der Topographie niedriger wirken werden als der Gasthof Frank mit seinen 18 Metern Firsthöhe. Dieter Förg (Dorfgemeinschaft Penzing/DGP) sprach den bestehenden Bebauungsplan für den Ortskern an. Dass dieser nun an einer zentralen Stelle überplant werde, fand er den Bürgern gegenüber nicht vermittelbar. „Das heißt, dass jeder Bebauungsplan in die Tonne kommen könnte. Das finde ich nicht in Ordnung.“

Philipp Schneider (DGP) schloss sich an – der vorhandene Bebauungsplan sei erst wenige Jahre alt und setze die maximale Firsthöhe auf 13,5 Meter fest. Auch bei den Wandhöhen weiche das Multifunktionsprojekt („ein Klotz“) von den Vorgaben ab. Schneider befürchtete zudem, dass nicht ausreichend Stellplätze geschaffen würden, was zu mehr parkenden Fahrzeugen auf der Straße führen werde. Dabei sei die Pfettenstraße die einzige, „wo man jetzt noch vernünftig durchfahren kann“.

Neue Ortsmitte für Penzing? „Noch mehr leerstehende Bauernhöfe“ befürchtet

Hammer widersprach. Im vorderen Teil des Geländes wäre nach dem bestehenden Bebauungsplan eine massivere Nachverdichtung zulässig als jetzt geplant sei. Im Gegenzug für die Schaffung von Baurecht auf dem dritten Grundstück werde die Bebauung besser verteilt. Dies zu regeln, sei das Ziel des vorhabenbezogenen Bebauungsplans, der lediglich für die drei betroffenen Flurstücke gelten werde.

Ute Funk (CSU) räumte ein, bei dem Projekt zunächst auch „Bauchweh“ gehabt zu haben, weil man möglicherweise Bezugsfälle schaffe. Letztlich begrüße sie aber, dass hier ein Investor auf einem brachliegenden Grundstück etwas entwickeln wolle. Auch Matthias Peischer (CSU) fragte die Gegner, was denn ihre „Vision“ für den Ortskern sei – „noch mehr leerstehende Bauernhöfe?“ Das Multifunktionsprojekt könne eine Belebung des Ortskerns mit sich bringen.

Hammer verwies auf das bevorstehende Verfahren, in dem noch Änderungen an der Planung zu erwarten seien und man Rückmeldungen aus der Bevölkerung abwägen werde. Letztlich billigte der Gemeinderat mit drei Gegenstimmen die vorgelegte Planung und beschloss die notwendige Änderung des Flächennutzungsplans.

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