Das Müllersche Volksbad in München diente einst vor allem der persönlichen Hygiene. 1901 eröffnet, ist es für Besucher nahezu originalgetreu erhalten.
München – „Wir sind eine Art Museumswärter“, berichtete Betriebsleiter Erich Kühberger in einem TV-Beitrag zum 120-jährigen Jubiläum. „Ganz viele Fragen werden von Gästen über die Historie an uns gerichtet.“ Und das mit gutem Grund. Das Müllersche Volksbad in der Au wurde 1901 eröffnet. Damals soll es die teuerste (Kostenpunkt: 1,8 Millionen Goldmark) und modernste Badeanstalt der Welt gewesen sein. Bis heute erhalten die Stadtwerke München (SWM) das erste städtische Hallenbad in nahezu allen Details originalgetreu.
Bad in München diente damals „in erster Linie der persönlichen Hygiene“
Das Bad an der Isar war eine Schenkung des Namensgebers an die Stadt München. Seine Spende knüpfte der Ingenieur Karl Müller an eine Bedingung, wie die Stadtwerke informieren: „In erster Linie diente das Bad damals der persönlichen Hygiene. Es sollte dem ‚unbemittelten Volk‘ zur Verfügung stehen, also den Münchnern, die nicht den Luxus eines eigenen Badezimmers zuhause hatten.“
Carl Hocheder entwarf das Volksbad als einen neubarocken Jugendstilbau. Inspirationsquellen für den Architekten waren römische Thermen, Sakralbauten, Hammams und Moscheen. „Im Bad finden sich zahlreiche barockisierende Schmuckelemente, Wandmalereien, Stuck, verzierte Holz- und Metallbrüstungen, Wasserspeier, Bronzestatuen und dekorierte Uhren“, beschreiben die Stadtwerke.
Geschlechtertrennung bis zum Jahr 1989
Es ist gar nicht so lange her, da wurde im Volksbad noch nach Geschlechtern getrennt geplanscht. Bis 1989 war die kleine Schwimmhalle (18 Meter) als „Damenbecken“ ausgezeichnet, die große (31 Meter) als „Herrenbecken“. Das Wasser im „Damenbecken“, das noch heute eher Entspannungszwecken dient, ist wärmer. In der großen Schwimmhalle kommen Sportschwimmer auf ihre Kosten.
Einst kurioser Hunde-Service im Müllerschen Volksbad: Coiffeur und Warmluftboxen
Erst nachdem Badewannen und Duschen im 20. Jahrhundert allmählich zur gängigen Ausstattung Münchner Privathaushalte gehörten, wurden die 86 Wannen- und 22 Brausebäder stillgelegt. Eines der ursprünglichen Wannenbäder haben die Stadtwerke erhalten. Kurios: Bis 1978 gab es im Untergeschoss ein Hundebad. Dort arbeitete ein Hundecoiffeur, der sich um die Reinigung der Vierbeiner kümmerte. Warmluftboxen standen zur Verfügung, in denen die Tiere ordnungsgemäß getrocknet wurden.
Seit der Eröffnung im Jahr 1901 befindet sich im Volksbad ein römisch-irisches Schwitzbad samt Freilufthof. „Es besteht aus verschieden temperierten Warm- und Heißlufträumen, in denen man den Körper langsam erwärmen kann“, erklären die Stadtwerke. Darüber hinaus können Besucher ein Dampfbad, eine finnische Sauna, ein Kalt- und ein Warmwasserbecken nutzen.
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In der Corona-Zeit musste der Betrieb im Volksbad länger ruhen, als geplant. Das Personal in den Freibädern war knapp geworden. Auch Bademeister Patrik wurde anderweitig eingesetzt, und schwärmte nach seiner Rückkehr gegenüber unserer Redaktion: „Das ist auch einfach was fürs Auge und für die Seele. Ich würde nirgendwo anders hinwollen.“
Über 230.000 Besucher strömten im Jubiläumsjahr 2021 in das Jugendstil-Bad an der Isar. Aktuelle Eintrittspreise lassen sich über die Homepage der Stadtwerke München abrufen. Eine Hommage an die Tradition ist geblieben: Immer dienstags gibt es einen Frauenbadetag in der kleinen Schwimmhalle.
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