Australien fehlt im Schlosspark von Linderhof. Gleich hinter seinem Schlafzimmer hatte König Ludwig II. Figuren aufstellen lassen, als Symbole für die Kontinente.
Graswangtal - Zwar wusste der Monarch von Australien, aber der Kontinent passte ihm nicht ins Konzept. Im wildromantischen Ammertal wollte der Bayernherrscher dem französischen Sonnenkönig die Ehre erweisen. Ludwig XIV. lebte im 17. Jahrhundert, und weil zu dieser Zeit Australien noch nicht von den Europäern besiedelt war, ließ der Märchenkönig den fünften Kontinent quasi unter den Tisch fallen.
58 Hektar misst der Garten, den Carl von Effner im 19. Jahrhundert rund um das Schloss Linderhof anlegte. Aufgeteilt in die drei europäischen Gartenbautraditionen: Englischer Landschaftsgarten, französischer Barockgarten sowie Motive aus der italienischen Renaissance.
Sehenswert sind die Statuen, Brunnen und Solitärbäume. Die prächtigen Eichen, Buchen und Ahorn lies Ludwig II. aus Sanssouci und Holland in die Ammergauer Berge versetzen. Die Idee Carl von Effners war es, an den Wegkreuzungen große Baumgruppen und Büsche zu pflanzen, so dass sie einerseits als Sichtbarrieren dienten und andererseits beim Weitergehen den Blick auf neue Landschaftsteile freigaben.
Heute zählt der Park zu den weltweit schönsten Schlossgärten. Egal, ob man das Gelände auf eigene Faust erkundet, oder ob man sich einer geführten Wanderung anschließt: hinter jeder Wegbiegung überrascht das riesige Areal mit ungeahntem Leben und der Erkenntnis, dass es genügend einsame Fleckchen gibt, die nicht von den jährlich 500.000 Besuchern überflutet sind.
Von Tag und Nacht
Dazu muss man allerdings den unmittelbaren Bereich vor dem Schloss verlassen und durch die weite Landschaft zur ‚Hundinghütte‘ spazieren, dann geht es den steilen Pfad am ‚Verbotenen Tor‘ und der ‚Bauhütte‘ vorbei zum Maurischen Kiosk hinauf.
Geheimnisse werden gelüftet
Am besten beginnt man seine Tour am ‚Alten Parktor‘ – und mit ein bischen Glück, stößt man auf echte König-Ludwig-Kenner, die mit ihrem Wissen selbst erfahrene Schlossparkführer, wie Hubert Bänsch verblüffen. Wenn solche Profis aufeinander treffen, kann die Wanderung schon einmal mehrere Stunden dauern. So manches Geheimnis ist bei angeregten Diskussionen gelüftet worden. Etwa die Frage, warum die beiden Statuen ‚Tag‘ und ‚Nacht‘ quasi seitenverkehrt vor dem Aufgang zum südlichen Terrassengarten aufgestellt sind. Lösung: ‚Tag‘ steht im Westen, damit die ersten, im Osten aufgehenden Sonnenstrahlen die Figur anstrahlen können. Mit dem Gegenüber verhält es sich umgekehrt. Das letzte Tageslicht taucht ‚Nacht‘ in einen rötlichen Glanz. Hubert Bänsch erklärt: „König Ludwig hat bei der Planung seiner Schlösser und Parks nichts dem Zufall überlassen.“ Um ein weiteres – bis heute ungelöstes – Geheimnis zu lüften, sind Katzenkenner gefragt. Die beiden Löwen an der Treppe sind völlig identisch, nur an den Tatzen unterscheiden sie sich: Der eine Löwe hält seine Pranken parallel zueinander; der andere hat sie dagegen über Kreuz verschränkt. Ist das realistisches Katzenverhalten oder künstlerische Freiheit?
Meine News
Bübchen vor dem Neptunbrunnen
Der Weg um das Schloss herum führt an stattlichen Statuen und lieblichen Putten vorbei.
Zu sehen ist Amor, der Wasserpfeile schießt. In der Sage heißt es, dass der Liebesbote zweierlei Pfeile benutzt. Solche mit goldenen Spitze verwendet er, wenn die Liebe ewig halten soll. Bei Bleipfeilen dagegen bleibt es beim One-Night-Stand. Auf der anderen Seite des Schlosses blässt Fama, die Göttin der Gerüchte, mit einem Wassestrahl manche Fake-News in die Welt. Göttin Flora lässt sich jede Stunde von einer gewaltigen Fontaine beregnen. Venus und Adonis haben ein lauschiges Plätzchen abgekriegt, und ein paar Schritte weiter beobachten zwei himmlische Bübchen das Treiben vor dem Neptunbrunnen.
Der Kini hatte kurzerhand die zentnerschwere Bronzewanne auf Räder packen und ein paar Meter verschieben lassen. Das Stück stand der Vergrößerung seines Schlafzimmers im Wege.
Auf dem Weg zum Ausgang geht es am Alten Königshäuserl vorbei, in dem Ludwig II. während des Schlossbaus wohnte. Eine Geschichte erzählt, dass Cosa Rosa, das Lieblingspferd Ludwigs, auf der Terrasse vom Frühstückstisch fressen durfte. Das edle Geschirr soll dabei in hohem Bogen durch den Vorgarten geflogen sein. Der Märchenkönig klopfte sich derweil vor Freude auf die Schenkel.
Mit dem Kreisbote-Newsletter täglich zum Feierabend oder mit der neuen „Kreisbote“-App immer aktuell über die wichtigsten Geschichten informiert.