Rund 6000 Besucher bei Leonhardifahrt in Benediktbeuern

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Prächtige Rösser zogen am Sonntag durch Benediktbeuern. Auf diesem Wagen sitzt die Musikkapelle Bichl. © Arndt Pröhl

48 Wagen und rund 230 Pferde beteiligten sich am Sonntag an der 142. Leonhardi-Wallfahrt. Polizei, Feuerwehr, Rotes Kreuz, die Gemeinde und alle Teilnehmer sind dankbar für eine unfallfreie und reibungslose Wallfahrt.

Benediktbeuern - Am Morgen war der Himmel noch in eine graue Hochnebeldecke gehüllt, doch am Vormittag suchten sich die Sonnenstrahlen ein Schlupfloch. Das war gerade um die Zeit, als der Benediktbeurer Pfarrer Pater Bernhard Stiegler die Wandlung des Leonhardi-Festgottesdienstes im Klosterhof zelebrierte. 48 Gespanne und ihre Vorreiter hatten sich um neun Uhr in festlicher Aufmachung von der Dorfstraße ausgehend zu ihrer Leonhardi-Wallfahrt in Bewegung gesetzt und den Weg zum Kloster genommen.

Die Streckenführung war diesmal die gleiche wie vor zwei Jahren, als der Klosterhof aufgrund von Bauarbeiten für die Fuhrwerke gesperrt war – heuer war es den andauernden Sanierungsarbeiten nach dem Hagelschaden vom August letzten Jahres geschuldet, dass man den Innenhof sicherheitshalber nicht von den Pferdegespannen befahren ließ. Voriges Jahr hatte es deshalb „nur“ einen Leonhardi-Ritt gegeben.

Zu den Wallfahrerinnen gehörten wie jedes Jahr die Frauen in Tracht aus Ried. Die Familie von Fuhrmann Franz Petzold (Wörlerbauer) wurde heuer für ihre Teilnahme seit 80 Jahren geehrt.
Zu den Wallfahrerinnen gehörten wie jedes Jahr die Frauen in Tracht aus Ried. Die Familie von Fuhrmann Franz Petzold (Wörlerbauer) wurde heuer für ihre Teilnahme seit 80 Jahren geehrt. © Arndt Pröhl

Geänderte Streckenführung wegen Großbaustelle

Am Sonntag führte der Wallfahrtszug – voran die drei Vorreiter mit weiß-blauen Schärpen und der Leonhardistandarte in ihrer Mitte – entlang der Don-Bosco-Straße vorbei zum Klosterparkplatz. Dort erteilte Pfarrer Stiegler, eskortiert von einer Abordnung der Antlaßschützenkompanie, Mensch und Tier den Segen. Nach der Umrundung der zur Hochschule gehörenden Mensa bog der Zug in die alte Straße entlang der Nordseite der Klosteranlage ein, wo für die Dauer der Messe Aufstellung genommen wurde.

Weil auch die Basilika aufgrund diverser Schäden nicht benutzt werden darf, hatte man in der Mitte des Innenhofs eine Altarbühne errichtet. Mit einer großen Ministrantenschar zog die Geistlichkeit dorthin, begleitet von den feierlichen Klängen der örtlichen Blasmusikkapelle. Die ansonsten wunderschöne Atmosphäre in dem Klostergeviert war unter den aktuellen Bedingungen doch etwas getrübt: Die rundum mit Gerüsten und Sicherheitsnetzen bestückten Fassaden konnten diesmal nicht ihre besondere Aura ausstrahlen. Nichtsdestotrotz waren die Teilnehmer und Gottesdienstbesucher, für die Bänke aufgestellt worden waren, zufrieden mit den gegebenen Bedingungen. „Wir haben heute gutes Wetter und freuen uns, dass nach Corona und der Hagelkatastrophe wieder eine Wallfahrt stattfinden kann“, betonten Pfarrer Stiegler und Klosterdirektor Pater Heinz Menz in ihrer Begrüßung. 

Pfarrer Pater Bernhard Stiegler segnete entlang der Don-Bosco-Straße gegenüber dem Kloster Mensch und Tier. Wegen der Großbaustelle fand eine geänderte Streckenführung statt.
Pfarrer Pater Bernhard Stiegler segnete entlang der Don-Bosco-Straße gegenüber dem Kloster Mensch und Tier. Wegen der Großbaustelle fand eine geänderte Streckenführung statt. © Arndt Pröhl

Die Pferdewallfahrt zu Ehren des heiligen Leonhard, der als Schutzpatron der Gefangenen und der Tiere verehrt werde, sei ein Anlass, über die Verbindungen und Vernetzungen des Menschen mit der Schöpfung nachzudenken, so Menz. Leonhard habe seine adelige Abstammung und die angebotene Bischofswürde hinter sich gelassen und als Einsiedler Hilfesuchenden gedient. „Durch seine Fürsprache beim König konnte er für manchen Gefangenen die Freilassung erwirken.“ Die symbolische Gefangenen-Kette, später auch als Viehkette gedeutet, könne man als Zeichen nehmen für persönliche mentale Fesseln, die es oft zu sprengen gelte. Jeder solle sich fragen: Was trägt mich? „Und das, was mich trägt, muss dann auch seinen Platz haben dürfen.“ Leonhard wolle uns ermutigen, uns freizumachen. „Das bedeutet: Nicht Ketten anlegen, sondern glücklicher werden und anderen Menschen zum Glück zu verhelfen.“

Stolz, dabei zu sein: Die Buben und Mädchen auf dem Erntedank-Wagen.
Stolz, dabei zu sein: Die Buben und Mädchen auf dem Erntedank-Wagen. © Arndt Pröhl

„Viel Arbeit und Zeit investiert“

Für die Rosserer und Wallfahrer draußen vor den Klostermauern ließ es sich bei den angenehmen Temperaturen gut verweilen. Viele Besucher nahmen die mit den herbstlichen Schätzen der Natur geschmückten Wagengeländer genauer in Augenschein und bestaunten die herausgeputzten, stattlichen Pferde. „Wenn man sich das alles genau beschaut, merkt man schon, wie viel Arbeit und Zeit investiert wird“, urteilte eine vierköpfige Besuchergruppe aus Ebersberg. „Das ist ein schöner Brauch und ein festlicher Tag.“ Dass hier und dort von den weiblichen Insassen ein scharfes oder süßes Schnapserl ausgeschenkt und dazu eigens gebackene Leonhards-Platzerl angeboten werden, gehört dazu. Die von der Benediktbeurer Blasmusik intonierte Bayernhymne war das Zeichen für den Aufbruch zur Rückfahrt in die Dorfmitte, wo zum Abschuss die Goaßlsschnalzer ihren Auftritt hatten. Zugleich leerten sich nach und nach die gut gefüllten Parkplätze rund um den Ort. Nach Einschätzung der Polizei waren 6000 bis 7000 Zuschauer ins Klosterdorf gekommen. Unfälle wurden nicht verzeichnet. (Rosi Bauer)
Eine Bilderseite sehen Sie in der Montagsausgabe des Tölzer Kurier auf Seite 5.

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