Die Haushaltslage des Landkreises München erlaubt es nicht, die Sanierung des Walchensee-Camps komplett alleine zu stemmen. Partner müssen her.
Für die Sanierung des Walchensee-Camps stehen hohe Kosten im Raum: eine Viertelmillion bis hin zu acht Millionen Euro soll die Modernisierung kosten. Zu viel bei der angespannten Haushaltslage im Landkreis. Landrat Göbel (CSU) mahnte: „Wenn wir das alles finanzieren wollen, müssen wir die Kreisumlage um mehrere Punkte anheben.“
Schon im Juli hatte der Kreiskämmerer angemahnt, das Camp fallen zu lassen. Schließlich ist der Landkreis nur Pächter. Die Einrichtung ist allerdings ein Paradies: Elf Zelthütten, ein Haupthaus und eine Hütte für die Betreuer auf einer Lichtung am Ufer. Generationen haben hier die Natur zwischen See und Bergen erlebt.
Bayerische Staatsforsten sind Eigentümer des Geländes
Eigentümer sind die Bayerischen Staatsforsten, die das Gelände derzeit an den Walchenseeverein verpachten, der es wiederum dem Landkreis seit zwei Jahren für 5000 Euro im Jahr unterverpachtet hat. Der Kreisjugendring München-Land veranstaltet hier Freizeiten für Selbstversorgergruppen aus dem Landkreis. Aber auch Gruppen aus ganz Oberbayern buchen das Camp von Mai bis Oktober.
Der Walchenseeverein möchte die marode Anlage zum 31. Dezember abgeben und sich anschließend auflösen. Dann wären die Staatsforsten bereit, sie für drei bis fünf Jahre direkt dem Landkreis zu verpachten, der es dann aber sanieren müsste, um es weiterhin nutzen zu können. Aber will man das?
Minimalsanierung kostet eine Million Euro
Am Mittwoch tendierte die CSU im Bauausschuss dazu, das Projekt aufzugeben. Die Bauverwaltung hatte zwar weitere Varianten für eine minimale Sanierung vorgestellt, angefangen bei einer Million Euro bis hin zu 8 Millionen, um das Camp für fünf Jahre zu sichern oder aber gleich für 40 Jahre. Es zeichnete sich aber ab, dass der Landkreis als Pächter die Kosten nicht allein tragen wird. CSU-Kreisrat Helmut Horst sagte: „Es ist eine Einrichtung an ganz besonderer Stelle, daher ist sie es wert, hergerichtet zu werden.“ Eigentümer sei aber letztlich der Bezirk Oberbayern: „Wir sollten das Camp angesichts der bevorstehenden Haushaltsdebatten nicht mehr in die Hand nehmen. Der Bezirk soll sich darum kümmern.“ Göbel will sich dafür einsetzen, Förderer zu finden: „Das Walchensee-Camp ist eine Institution, die es seit über 20 Jahren gibt. Es wäre großartig, wenn es weiterexistieren könnte.“
SPD-Politiker sieht eine kleine Chance
Auch Wolfgang Panzer (SPD) hadert mit einer Sanierung auf Kosten des Landkreises und beantragte, den Beschluss zu vertagen: „Ich würde auf das Walchensee-Camp verzichten. Aber vielleicht gibt es noch einen Strohhalm. Wir sollten die Gespräche mit dem Bezirk abwarten.“ Falls das scheitert, würde er sich der CSU anschließen. Einstimmig beschloss der Ausschuss die Vertagung.
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Der Kreisjugendring prüft nun, ob er andere Träger mit Zuschüssen in die Finanzierung einbeziehen kann, wie etwa den Bayerischen Jugendring, den Freistaat oder Stiftungen. Der Landkreis muss sich bis Jahresende entscheiden, ob er den Pachtvertrag verlängert.