„Eine Jahrhundertchance“: Neues Quartier in Taufkirchen mit Wohnungen, Läden und Kitas

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Am Bahnhofsplatz ist ein Hochhaus vorgesehen, das laut Architekt Johannes Ernst knapp 50 Meter hoch ist. © Steidle Architekten

Das Bauleitverfahren für „Quartier am Bahnhof“ soll bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen sein. Jetzt hat die Gemeinde das Prestigeprojekt noch einmal der Öffentlichkeit vorgestellt.

Taufkirchen - Kurz vor den Sommerferien hat der Taufkirchner Gemeinderat einstimmig beschlossen, das Bauleitverfahren für das „Quartier am Bahnhof“ zu starten. Jetzt hat die Gemeinde das Prestigeprojekt noch einmal der Öffentlichkeit vorgestellt. Zu der Pressekonferenz brachten Bürgermeister Ullrich Sander und Bauamtsleiter Stefan Beer Architekten, Stadtplaner und Gutachter an einen Tisch. Gemeinsam betonten sie die Einzigartigkeit des Vorhabens westlich der S-Bahn-Linie. Auf einer knapp 12,6 Hektar großen Fläche, momentan hauptsächlich ein Gewerbestandort, soll ein lebendiges Quartier mit Wohnungen, Kindertagesstätten, Büros, Praxen, Einzelhandel und Gastronomie entstehen.

Werksviertel als Vorbild

„Das Quartier ist eine Jahrhundertchance für Taufkirchen“, betonte Sander. Es suche von der Größe und der Lage her seinesgleichen im Landkreis. Der Rathauschef erhofft sich einen ähnlich großen Wurf wie beim Werksviertel am Münchner Ostbahnhof. Eine Voraussetzung dafür ist bereits geschaffen: Johannes Ernst vom Büro Steidle Architekten, der das städtebauliche Konzept für das „Quartier am Bahnhof“ ausarbeitet, zeichnete als leitender Architekt auch für die Entwicklung des Werksviertel verantwortlich.

Für das Taufkirchner Quartier hat er nach eigener Aussage eine Reihe von Gebäudetypologien entwickelt mit einer möglichst großen Nutzungsvielfalt. Denn es gilt in Abstimmung mit den zwei Haupteigentümern des Areals und der CIMA Beratung + Managament GmbH, die das gesamte Verfahren koordiniert, ein schlüssiges Gesamtkonzept mit aufeinander abgestimmten Nutzungsarten zu erstellen. „Wir schauen uns Baufeld für Baufeld nach den jeweiligen Potenzialen genau an“, erläuterte Ernst.

Läden am Bahnhof, Wohnungen im Randbereich

Grundsätzlich werden im Zentrum, direkt am Bahnhof, laut Ernst eher Einkaufsgeschäfte zum Zug kommen. Auch Kitas seien hier vorstellbar. Im Zwischenbereich hält er eine Mischform mit Schwerpunkt Büros und Wohnungen für sinnvoll, im Randbereich liege der Schwerpunkt auf dem Wohnungsbau. Doch Monopole, beispielsweise dass in einem Bauraum nur Wohnungen entstehen, gelte es zu vermeiden. „Wir wollen eine gleichmäßige Belebung des Areals hinbekommen“, so der Architekt. Auf die Gestaltung der öffentlichen Plätze und Grünflächen wie dem Bahnhofsvorplatz legt er dabei besonders wert: „Der öffentliche Raum ist das Allerwichtigste im Städtebau.“

Im Sitzungsaal des Taufkirchner Rathauses präsentierten die Verantwortlichen das Konzept fürs Quartier am Bahnhof.
Im Sitzungsaal des Rathauses präsentierten die Verantwortlichen das Konzept fürs „Quartier am Bahnhof“. © Stefan Weinzierl

Bürger östlich und westlich der Bahnlinie zusammenführen

So soll das neue Quartier auch deutlich grüner werden als bisher, unterstrich Sander. Dadurch sowie durch die gesunde Mischung aus Wohnen und Gewerbe, Freizeit-, Bildungs- und soziokulturellen Räumen soll das Viertel einen „Mehrwert für alle Taufkirchner haben“, wie es Bauamtsleiter Beer ausdrückte. Sander wies dem Quartier gar eine Brücken schlagende Funktion zu: Es solle die Bürger östlich und westlich der Bahnlinie zusammenführen.

Bürgerinfoveranstaltung am 15. Oktober

Bis es dazu kommt, haben die Verantwortlichen aber noch jede Menge Arbeit. So wird man im Rahmen des Bauleitverfahrens die Bürger ausgiebig informieren und beteiligen. Einen ersten Austausch mit den Bürgern wird es am Dienstag, 15. Oktober, geben. Im Rahmen des Info-Abends wird die Entwicklung des „Quartiers am Bahnhof“ vorgestellt und die Taufkirchner können Fragen stellen oder Anregungen einbringen.

Gleichzeitig gilt es, weitere Gutachten in Auftrag zu geben, mit anderen Beteiligten des Bauvorhabens wie der Deutschen Bahn – beispielsweise für die angedachte Fußgänger- und Radfahrer-Brücke über die S-Bahn-Gleise – zu kooperieren und mit den Grundstückseigentümern weitere städtebauliche Verträge abzuschließen. Unter anderem, damit abgesichert ist, dass sie sich – in welcher Form auch immer – an der Schaffung neuer Kinderbetreuungsplätze beteiligen, die durch die zu erwartenden Neubürger benötigt werden.

Apropos Neubürger: Heike Pethe vom Büro für räumliche Entwicklung hat die Auswirkungen des Quartiers auf die Betreuungs- und Infrastruktur unter die Lupe genommen. Sie rechnet 2041 mit 2210 neuen Einwohnern. Der Zuzug eröffne der Gemeinde zufolge zahlreiche Chancen für die Kommune, sagte sie. Denn durch junge Familien würde die Kaufkraft im Ort gestärkt und die wachsende Überalterung der Gesellschaft abgefedert, wenn nicht sogar abgewendet. „Es gibt dadurch eine ausgewogene Generationenmischung und das Sozialleben wird langfristig gestärkt“, so Pethe. Trotz des zu erwartenden Kinderzuwachses sei die Kapazität an der Grund- und Mittelschule ausreichend. Bis 2035 brauche es allerdings deutlich mehr Krippen-, Kindergarten- und Schülerbetreuungsplätze.

Verkehrszunahme von 7500 Kfz-Fahrten mehr pro Tag

Aufrüsten muss die Gemeinde auch beim Thema Mobilität. Verkehrsgutachter Alexander Süßmuth rechnet im schlechtesten Fall mit einer Verkehrszunahme von 7500 Kfz-Fahrten pro Tag. Das könne zu Überlastungen führen – beispielsweise an der Kreuzung Waldstraße/Lindenring. Der Kreisverkehr am Knotenpunkt müsse deshalb erweitert werden.

Trotz der Komplexität des Projekts und der vielen Beteiligten liege man im Zeitplan, betonte Sander. Sein Bauamtsleiter hofft, dass das Bauleitverfahren bis Ende nächsten Jahres abgeschlossen ist. Beer: „Irgendwann im Winter 25/26 soll Baurecht geschaffen werden.

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