Hier zählt mal nicht der Profit: Grundsteinlegung für sozial konzipiertes Wohnprojekt in Mittenheim

  1. Startseite
  2. Lokales
  3. München Landkreis
  4. Oberschleißheim

Kommentare

Bei der Grundsteinlegung in Oberschleißheim: (v..l.) Korbinian Krämmel von der Baufirma, Staatsminister Christian Bernreiter, Ludwig Mittermeier und Jürgen-Peter Pinck vom Katholischen Männerfürsorgeverein, der stellvertretende Landrat und ehemalige Landtagsabgeordnete Ernst Weidenbusch aus Haar, Bürgermeister Markus Böck sowie Landtagsabgeordneter Maximilian Böltl aus Kirchheim. © Dieter Michalek

Der Katholische Männerfürsorgeverein hat sich mit anderen zusammengeschlossen, um ein sozial und nachhaltig konzipiertes Wohnprojekt in Mittenheim auf den Weg zu bringen.

Pläne, eine Kopie der Baugenehmigung und eine Ausgabe des Münchner Merkur. Zur Grundsteinlegung des neuen Wohnquartiers in Mittenheim ist eine Zeitkapsel mit mehr oder weniger nützlichen Informationen zu dem Projekt vom Bauherrn mit einbetoniert worden.

Acht Jahre sind vergangen seit den Anfängen der Planung bis zur Zeremonie der Grundsteinlegung. Um die Bedeutung des Wohnprojekts für die Region zu ermessen, braucht es den Inhalt der Zeitkapsel aber nicht. Dafür reicht ein Blick auf die mit Staatsminister, Vize-Landrat, Landtagsabgeordnetem und Gemeinderäten prominent besetzte Gästeliste.

Tatsächlich ist in Oberschleißheim etwas ganz Besonderes entstanden: Der Katholische Männerfürsorgeverein (KMFV), eine karitativ tätige Vereinigung und ein mittelständischer Bauunternehmer haben sich zusammengetan, um ein in jeder Hinsicht sozial und nachhaltig konzipiertes Wohnprojekt auf den Weg zu bringen:

Über 420 Wohnungen zu sehr günstigen Konditionen

420 Wohnungen, die Hälfte mietpreisgedämpft. Grundwasserwärmepumpe und Photovoltaik gestatten den Verzicht auf fossile Energien. In der achtgruppigen Kita finden auch Kinder aus anderen Teilen der Gemeinde Platz. Es gibt eine Demenz-WG für den Kranken- und Altenpflegeverein (siehe Kasten) und zwei Wohngruppen für geistig Behinderte, die vom Augustinum, einer Einrichtung des Diakonischen Werks der Evangelischen Kirche, betreut werden.

Ein Quartierstreff und Flächen der Begegnung auf dem weitflächig begrünten Gelände sollen nachbarschaftliches Miteinander befördern. Die vier Wohnquartiere gruppieren sich zwei- bis dreistöckig jeweils um einen Innenhof. Quartier Fünf besteht aus einer Kindertageseinrichtung und Wohnen. Es gibt Carsharing, Radlverleih, Lastenräder und eine Fahrradwerkstatt.

Leuchtturmprojekt übertrifft Sobon-Vorgaben

KMFV-Vorstand Ludwig Mittermeier sprach von einem einmaligen Projekt, Jürgen-Peter Pinck aus der Geschäftsleitung des KMFV sogar von einem „Leuchtturmprojekt“, das die in der Sobon („sozialgerechte Bodennutzung“) formulierten Ziele um 20 Prozent übertrifft. Ab Herbst 2026 sollen Wohnungen etappenweise fertiggestellt werden. Erst die Quartiere drei und vier; dann fünf mit Kita, schließlich die Quartiere eins und zwei.

Einprozentiger Profit

Christian Bernreiter (CSU), Minister für Wohnen, Bau und Verkehr, schien von diesem Projekt aufrichtig beeindruckt. Eine Partnerschaft wie zwischen dem karitativen KMFV und der Unternehmensgruppe Krämmel als Bedingung für den Erfolg eines Projekts begegnet ihm schließlich nicht alle Tage. Wer außer dem KMFV gäbe sich mit einem einprozentigen Profit zufrieden und ermöglichte Krämmel dadurch, als Bauunternehmer genug zu erwirtschaften, obwohl nur 50 Prozent der Wohnungen dem freien Markt zur Verfügung stehen. Der Freistaat unterstützt das Projekt mit 32 Millionen Euro. Bernreiter erwartet „zukunftsweisende Signale“.

Beifall für den KMFV kommt auch vom Landkreis. Vize-Landrat Ernst Weidenbusch (CSU) erging es ein wenig wie dem Staatsminister. In für die Bauwirtschaft krisenhaften Zeiten mit Fachkräftemangel, inflationären Kosten und den Beschwernissen des Ukraine-Krieges eine derart vorbildliche Maßnahme auf die Beine zu stellen, nötigt ihm Respekt ab. Welchen Wert das Projekt für Oberschleißheim hat, musste Bürgermeister Markus Böck (CSU) nicht großartig betonen. „Keine einzige Einwendung von Bürgern“, rekapitulierte Böck: „Das sagt schon alles!“

Demenz-WG dringend gebraucht

Seit Jahren müht sich der Kranken- und Altenpflegeverein um eine Demenz-WG in der Gemeinde. Noch unter dem inzwischen verstorbenen Vorsitzenden Georg Kalmer hatte man auf das Problem einer alternden Gesellschaft aufmerksam gemacht. Das für Familien und jüngere Bewohner konzipierte Quartier bietet den idealen Rahmen.

Erfahrungen aus vergleichbaren Einrichtungen zeigen, dass ein Umfeld nicht-dementer Menschen stimulierend wirkt. Im Parterre eines der Häuser richtet der Verein die aus zehn Zimmern bestehende WG ein. Eine Erbschaft ermöglicht den demenz-gerechten Umbau für 250 000 Euro.

Auch interessant

Kommentare