Ein Gleisanschluss für den Innovationscampus Area 61 ist eine spannende Aussicht, erst recht, wenn man daraus weitere Optionen ableitet, wie im Rahmen einer Machbarkeitsstudie geschehen. Die Planer brachten gar eine Verlängerung der S-Bahn von Geltendorf nach Landsberg ins Gespräch.
Penzing – Der Zweckverband (ZV) Area 61 hatte im vergangenen Herbst das Büro TransportTechnologie-Consult Karlsruhe (TTK) damit beauftragt, eine mögliche Reaktivierung des Gleisanschlusses auf dem ehemaligen Fliegerhorstgelände zu untersuchen. Projektleiter Niklas Mattern stellte jetzt in der ZV-Versammlung die Ergebnisse vor. Demnach zweigt an einer Anschlussweiche bei Epfenhausen ein Gleis von der Strecke München-Kaufering ab, führt zum ehemaligen Güterbahnhof auf dem Gelände und weiter Richtung Süden. Es passiert die Landebahn im Osten und endet im Bereich des Cineplex-Kinos.
Gleistrasse von Epfenhausen bis nach Penzing - und weiter bis nach Landsberg?
Das Gleis an sich könne nicht reaktiviert werden, erklärte der Planer. Die alten, überwachsenen und verunreinigten Schienen würden den modernen Anforderungen nicht mehr entsprechen. Den Hauptwert stelle die Trasse dar. „Man kann sie verwenden und braucht keinen Grunderwerb“, so Mattern. Grunderwerb wäre lediglich nötig, wollte man die Trasse Richtung Landsberg verlängern – eine Option, die das Planungsbüro ausdrücklich empfiehlt, um ein ausreichendes Fahrgastaufkommen zu generieren.
Das Büro hatte verschiedene Varianten untersucht: eine Verlängerung der S-Bahn aus Richtung Geltendorf nach Landsberg-Ost, die entweder über Penzing führt oder den Innovationscampus im Westen streift und damit schneller und attraktiver wäre. Eine dritte Möglichkeit wäre ein autonomer Shuttle-Bus-Verkehr aus Epfenhausen zur Area 61 und weiter zum Penzinger Feld in Landsberg. In diesem Fall müsste aber in Epfenhausen ein neuer Bahnhaltepunkt errichtet werden. Der Bus könnte die Bahntrasse nutzen und hätte keine Berührungspunkte mit dem Individualverkehr, sodass hohe Geschwindigkeiten möglich wären, erläuterte Mattern. So würde die Reisezeit vom Münchner Hauptbahnhof nach Penzing 52 Minuten und nach Landsberg-Ost 58 Minuten betragen.
Noch sind autonome Busshuttles in Deutschland nicht zugelassen. „Das wird aber kommen in den nächsten Jahren“, zeigte sich Mattern überzeugt. Die Investitionskosten würden – je nach Variante – zwischen 88 und 107 Millionen Euro liegen, die Realisierungsdauer bei zehn bis über 15 Jahren.
Busshuttle von Penzing nach Landsberg: Region als Vorreiter
Das Fazit der Planer: Eine Reaktivierung der Bahnverbindung ist grundsätzlich technisch machbar und die Verlängerung nach Landsberg erstrebenswert, da sie ein höheres Fahrgastaufkommen generieren würde. Alle Varianten hätten Aussicht auf Förderfähigkeit, wobei ein autonomer Shuttlebus noch in keinem Förderprogramm auftaucht, wie Mattern einschränkte. Das aber liege daran, dass die Entwicklung noch nicht so weit sei, merkte Verbandsrätin Doris Baumgartl an. Die Landsberger Oberbürgermeisterin sieht eine Chance, dass die Region in diesem Bereich Vorreiter sein könnte, zumal der ADAC und andere Player auf dem Innovationscampus im Bereich autonomes Fahren tätig sind. „Vielleicht können wir Modellregion werden und auf diesem Weg Fördermittel generieren“, so Baumgartl.
Wolfgang Weisensee wollte lieber „günstiger und individueller denken“. Man könne die Trasse auch für eine Schnell-Radlstrecke oder ein kleinteiliges smartes Verkehrssystem nutzen – „dafür ist sie ideal“. Peter Rief kritisierte, dass es nicht die Aufgabe des Zweckverbands sei, darüber nachzudenken, wie man Landsberg-Ost besser an München anbinden könne. „Das betrifft den Stadtrat und den Kreistag.“
„Wir sind nicht diejenigen, die die Entscheidungen treffen“, stimmte Verbandsvorsitzender Peter Hammer zu. Der ZV könne aber triggern, dass das Ganze überhaupt Thema werde. Das zumindest werde wohl gelingen.
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