Schutz vor Sturzfluten: Schwaighof und Ortsdurchfahrt im Fokus

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Land unter herrschte in Tegernsee beim Hochwasser im Juni 2013. Zu den großen Zielen des Sturzflutrisikomanagements gehört es, die Ortsdurchfahrt zumindest für Rettungskräfte befahrbar zu halten. © archiv Thomas Plettenberg

Wie schnell aus Starkregen Sturzfluten werden und was sie anrichten, hat Tegernsee beim Hochwasser 2013 erlebt. Risikomanagement ist seitdem ein großes Thema. Im Stadtrat präsentierte ein Fachbüro nun seine Ergebnisse.

Tegernsee – Im Juni 2013 stand das Tegernseer Rathaus einen Meter tief unter Wasser, die Ortsdurchfahrt war nur mit dem Boot befahrbar. Seitdem ist einiges in Sachen Hochwasserschutz passiert, aber noch nicht genug. Speziell fürs Sturzflutrisikomanagement hat der Stadtrat im Oktober 2022 dem Büro Fichtner Water & Transportation den Auftrag erteilt, ein Konzept zu erstellen. Die Experten haben die Situation erkundet, Strömungsmodelle erstellt und Szenarien berechnet, wie sie statistisch alle fünf, 30, 100 und 1000 Jahre vorkommen. Das Ergebnis präsentierte Anna Lüke als Vertreterin des Fachbüros jetzt dem Stadtrat. Es ging darum, Planungsziele festzulegen: Was soll mit welchem Aufwand geschützt werden?

Bei Starkregen verhalten sich die Dinge anders als bei Dauerregen. Er kommt schlagartig und extrem heftig. „Da haben wir keine Zeit mehr, Sandsäcke hinzulegen“, erklärte Bürgermeister Johannes Hagn (CSU). Expertin Lüke zeigte mit einer Animation, wie im Fall der Fälle Wasserströme durch die Stadt schießen. Sturzfluten nach Starkregen können überall auftreten, unabhängig von der Nähe zu einem Gewässer, machte Lüke deutlich.

Starkregen-Gefahr: Wasserwirtschaftsamt warnt - „Überflutungen werden intensiver“

Sie listete die besonders gefährdeten Punkte auf. Dabei liegt das Augenmerk darauf, ob es sich um „kritische Infrastruktur“ handelt, also um Orte und Bereiche, die für die Allgemeinheit von besonderer Bedeutung sind. Der Schutz privater Liegenschaften obliegt den Eigentümern.

Seniorenzentrum: Rettungswege gewährleisten

Ganz oben auf der Prioritätenliste steht das Seniorenzentrum Schwaighof. Die Überflutungsgefahr ist schon bei einer Betrachtung auf fünf Jahre hoch, auf 30 und 100 Jahre sehr hoch. Es gelte, das Gebäude zugänglich zu halten und Rettungswege zu gewährleisten, erklärte Lüke. Man müsse auch verhindern, dass bei geöffneten Zugängen Wasser ins Erdgeschoss des Gebäudes fließe.

Ein weiteres großes Schutzziel ist es, die B307, die durch Tegernsee führt, befahrbar zu halten. Dazu darf das Wasser dort maximal 20 Zentimeter hoch stehen. Bei der Eni-Tankstelle muss sichergestellt sein, dass keine wassergefährdenden Stoffe austreten. Und es gilt, eine Menge Bäche in Zaum zu halten: Leebergbach, Wiesenbach, Schwaighofbach, Kapellenbach, Almbach. Wegbauernbach, Hafnerbach und Seemoosbach. Eine Herausforderung stellen die Verrohrungen dar, durch die die Bäche teilweise fließen. Sie verstopfen schnell, was es zu verhindern gilt.

Verrohrungen bilden besondere Herausforderung

„Wir müssen schauen, was wir bei den Verrohrungen machen können“, meinte Bürgermeister Hagn. Manche befänden sich unter Straßen. Insgesamt gebe es in Tegernsee 17 Wildbäche – ein großes Gefahrenpotenzial. Er könne nur immer wieder an die Anwohner appellieren, so Hagn, die Bäche stetig freizuhalten. Dem empfohlenen Schutzziel-Katalog stimmte der Stadtrat einmütig zu. Er ist auf ein 100-jährliches Starkregen-Ereignis ausgerichtet.

Im nächsten Schritt erarbeitet das Fachbüro technische Maßnahmen, mit denen sich die festgesetzten Ziele erreichen lassen. Das Ergebnis soll Anfang 2024 vorgestellt werden. Vorgesehen ist auch eine Info-Veranstaltung für die Bürger – mit vielen Tipps, wie jeder sein Eigentum schützen kann.

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